CBAM-Reform: EU weitet CO2-Grenzausgleich auf 200 Produkte ab 2028
23.06.2026 - 22:08:28 | boerse-global.de
Die Pläne sehen eine massive Ausweitung auf stahl- und aluminiumintensive Produkte sowie schärfere Regeln gegen Umgehungspraktiken vor.
Die Ausweitung der EU-Verordnung stellt viele Unternehmen vor komplexe Herausforderungen bei der Dokumentation. Dieser kostenlose Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie die Berichtspflichten rechtssicher und schnell umsetzen. CBAM-Strafen vermeiden: Jetzt kostenlosen Leitfaden sichern
Neuer Produktkatalog ab 2028
Die EU-Finanzminister einigten sich darauf, den Anwendungsbereich auf rund 200 zusätzliche Produkte auszuweiten. Ab dem 1. Januar 2028 sollen nachgelagerte Erzeugnisse wie Metallkomponenten, Beschläge und Befestigungselemente erfasst werden. Ziel ist es, die Verlagerung von CO2-Emissionen in Länder mit laxeren Klimauflagen – das sogenannte Carbon Leakage – wirksamer zu unterbinden.
Im Zentrum der Revision stehen verschärfte Regeln gegen Umgehungspraktiken. Die „Melt-and-Pour“-Regeln werden gestärkt: Die Herkunft des Stahls muss künftig bereits ab der Schmelze nachverfolgbar sein. Zudem werden Ausnahmeklauseln präzisiert und die Registrierung von Drittlandsbetreibern zur Voraussetzung für die Anerkennung verifizierter Emissionen gemacht.
Das Europäische Parlament berät voraussichtlich im September über seine Position. Eine endgültige Einigung wird für Ende des Jahres angestrebt.
Industrie lobt, fordert aber Nachbesserungen
Der europäische Stahlverband Eurofer begrüßte die Fortschritte bei der Bekämpfung von Umgehungstatbeständen. Kritik gab es jedoch an Detailregelungen: Die Einbeziehung von Neuschrott in das System ohne vorherige Folgenabschätzung sei problematisch. Zudem forderte der Verband Entlastungen für Exporte, um die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Produkte auf globalen Märkten nicht zu gefährden.
Der Edelstahlproduzent Outokumpu drängte auf eine konsequentere Einbeziehung indirekter Emissionen und eine zügige Ausweitung auf weitere nachgelagerte Güter bis 2027.
Ob Ihr Unternehmen tatsächlich meldepflichtig ist, hängt oft von Details der eingeführten Waren ab. Diese Gratis-Checkliste führt Sie Schritt für Schritt durch die neue Verordnung und klärt über alle Pflichten auf. Kostenlose CBAM-Checkliste für Importeure herunterladen
Ganz anders sehen das deutsche Recyclingverbände. Der bvse und die CMA lehnen die Einführung einer gleitenden Skala für ein geplantes EU-Label für grünen Stahl ab. Ihre Warnung: Das würde primäre Produktionswege gegenüber schrottbasierten Verfahren bevorzugen und das Risiko von Greenwashing erhöhen.
Globale Anpassungen laufen
Die Verschärfung der EU-Regeln löst weltweit Reaktionen aus. Südkorea kündigte verstärkte Unterstützung für exportorientierte Unternehmen an. Ein aktualisiertes Programm zur Emissionsberechnung soll besonders kleinen und mittleren Betrieben helfen, die ab 2027 beginnende CBAM-Regelphase zu meistern.
Vietnam startet Ende Juni offiziell seinen nationalen Kohlenstoffmarkt. In der ersten Phase sind über 90 Unternehmen aus Stahl, Zement und Wärmekraft handelsberechtigt. Die Maßnahme bereitet heimische Industrien auf internationale Grenzausgleichssysteme vor.
Auch europäische Unternehmen stellen sich neu auf. Der Stahlkonzern voestalpine meldete für das abgelaufene Geschäftsjahr positive Ergebnisse – trotz volatilen Umfelds. Für das kommende Jahr erwartet das Unternehmen stützende Effekte durch die CBAM-Implementierung.
Eine Analyse des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) untermauert den EU-Kurs: Ein mengenbasiertes System wie der CBAM erreiche ein deutlich höheres CO2-Preissignal als alternative benchmarkbasierte Ansätze – vorausgesetzt, es bleibt konsequent in die heimische Klimapolitik eingebettet.
