CBAM-Aluminium: Neue Standardwerte verschärfen CO2-Bilanzlücken
Veröffentlicht am: 30.07.2026 um 07:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Einführung neuer Standardwerte zur Berechnung des CO2-Grenzausgleichssystems (CBAM) der Europäischen Union führt zu einer deutlichen Ausweitung der Expositionsrisiken bei Importen von unlegiertem Aluminium der Warengruppe HS7601. Nach Analysen des Shanghai Metals Market (SMM) ergeben sich durch die aktualisierten Berechnungsgrundlagen erhebliche Lücken in der CO2-Bilanzierung für Importeure, die Aluminium aus Drittstaaten in den EU-Binnenmarkt einführen.
Anstieg der Importmengen und CBAM-Relevanz
Die Importe von unlegiertem Aluminium (HS7601) in die EU-27 aus Nicht-EU-Ländern verzeichneten im Jahr 2025 ein Volumen von rund 7,63 Mio. t. Dies entspricht einer Steigerung von 7 % im Vergleich zum Vorjahr. Dabei unterliegen 59,7 % dieser Einfuhren den Regelungen der betroffenen CBAM-Ursprungsländer. Für das erste Quartal 2026 wird das Importvolumen bereits auf 1,52 Mio. t beziffert, was einem Warenwert von 4,36 Mrd. Euro entspricht.
Die theoretische Exposition für CBAM-Zertifikate, die für diese Einfuhren aus den abgedeckten Ursprungsländern fällig würden, beläuft sich laut SMM auf insgesamt rund 4,09 Mio. tCO2e. Der handelsgewichtete Durchschnitt dieser Exposition wird mit 0,898 tCO2e/t angegeben.
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Dominanz der Primäraluminium-Route
Ein zentraler Faktor für die hohe CO2-Exposition ist das gewählte Produktionsverfahren. Die Primäraluminium-Route dominiert den Marktanteil bei den Einfuhren deutlich: Sie macht 97,8 % des gesamten Importvolumens aus. In Bezug auf die CO2-Exposition ist diese Route für 99,3 % des Gesamtwerts verantwortlich. Dies verdeutlicht, dass Sekundäraluminium oder alternative Produktionswege bei den aktuellen Importstrukturen der Warengruppe HS7601 kaum ins Gewicht fallen.
Regionale Verteilung der Expositionsrisiken
Bei der Untersuchung der einzelnen Lieferländer zeigen sich gravierende Unterschiede in der spezifischen CO2-Intensität und der daraus resultierenden Zertifikatsbelastung. Mosambik weist mit 2,130 tCO2e/t die höchste Einzelexposition auf. Mit einer Gesamtexposition von 1,34 Mio. tCO2e trägt das Land allein 32,7 % zur gesamten theoretischen Exposition bei.
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China verzeichnet eine Einzelexposition von 1,913 tCO2e/t. Aufgrund der geringeren absoluten Liefermengen in diesem Segment beläuft sich die Gesamtexposition für chinesische HS7601-Produkte jedoch auf 23.700 tCO2e.
Andere bedeutende Lieferanten tragen ebenfalls signifikant zur Gesamtexposition bei:
- Kanada: 524.800 tCO2e
- Bahrain: 350.900 tCO2e
- Vereinigte Arabische Emirate: 329.300 tCO2e
- Russland: 322.200 tCO2e
- Südafrika: 263.600 tCO2e
Die neuen Standardwerte erhöhen den Druck auf Importeure, präzise Emissionsdaten ihrer Lieferanten einzufordern, da die Standardwerte oft höher ansetzen als die tatsächlichen Emissionen modernisierter Produktionsanlagen, um Anreize für eine detaillierte Berichterstattung zu schaffen. Die nun identifizierten Lücken verdeutlichen das finanzielle Risiko, das mit der CBAM-Compliance für den europäischen Aluminiumsektor verbunden ist.
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