CBAM, Importeure

CBAM ab 2027: Importeure müssen CO2-Zertifikate verpflichtend vorlegen

05.06.2026 - 05:31:24 | boerse-global.de

Experten warnen auf dem Green Transition Forum vor bis zu 30 Prozent weniger Produktion durch den CO2-Grenzausgleich.

CBAM-Kritik in Sofia: Drohen Kapazitätsschließungen in Europa?
CBAM - Eine grafische Darstellung des CBAM, die globale Handelsrouten, CO2-Emissionen und finanzielle Auswirkungen miteinander verbindet. 05.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Auf dem Green Transition Forum in Sofia haben Experten diese Woche die Umsetzung des CO2-Grenzausgleichssystems (CBAM) kritisch bewertet. Im Zentrum stehen drohende Kapazitätsschließungen in Europa und Forderungen nach besserem Schutz vor der Verlagerung von CO2-Emissionen, dem sogenannten Carbon Leakage.

Strengere Regeln für Importeure

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Die EU-Kommission konkretisiert den Rahmen für die Anrechnung von CO2-Preisen aus Drittländern. Ein Entwurf der Durchführungsverordnung sieht vor: Internationale CO2-Zertifikate dürfen künftig nur bis zu zehn Prozent auf die CBAM-Zertifikate angerechnet werden. Die Konsultation zu diesen Regeln läuft noch bis zum 10. Juni 2026.

Ab 2027 müssen Importeure die Zertifikate verpflichtend vorlegen. Vicente Hurtado Roa von der EU-Kommission erläuterte den Zeitplan und verwies auf die geplante Ausweitung des Mechanismus auf die Chemieindustrie. Für Importeure könnten zudem neue Anforderungen wie Bankgarantien relevant werden.

Industrie warnt vor Kapazitätsschließungen

Branchenvertreter äußerten erhebliche Bedenken zur Wettbewerbsfähigkeit. Filip Rombaut vom Unternehmen Agropolychim prognostizierte in Sofia: Die aktuellen Regelungen könnten zu Kapazitätsschließungen von bis zu 30 Prozent in Europa führen. Besonders kritisiert wurde das Fehlen von Lösungen für europäische Exporteure – sie würden durch CBAM-bedingte Kostensteigerungen bei Vorprodukten auf dem Weltmarkt benachteiligt.

Auch aus der Aluminium- und Stahlbranche kamen Warnungen. Paul Voss von European Aluminium forderte einen robusten Schutz vor Carbon Leakage. Branchenvertreter wie Konstantin Stamenov warnten vor gezielter Umgehung der Regeln. Potenzielle Schlupflöcher, etwa beim Handel mit Stahlschrott, wurden thematisiert. Giovanni Magarotto von T.T. Tomorrow Technology berichtete zudem von spürbaren Kostensteigerungen durch bestehende Zollstrukturen.

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Datenqualität als Schlüssel

Ein zentraler Aspekt bleibt die Erfassung präziser Emissionsdaten. Josef Nierling von Porsche Consulting betonte die Notwendigkeit granularer Informationen über den CO2-Ausstoß entlang der gesamten Lieferkette. Nachhaltigkeit entwickle sich laut Marktbeobachtern zunehmend zum Kaufkriterium für industrielle Abnehmer.

Parallel dazu zeichnet sich eine Entlastung bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung ab. Die EU-Kommission legte Anfang Juni den Entwurf ESRS 2.0 vor – mit einer deutlichen Reduzierung der Pflichtangaben. Die Zahl der Datenpunkte soll teils um über 70 Prozent sinken. Unternehmen erwarten Kostenersparnisse von mehr als 30 Prozent.

Globaler Handelskontext

Die Verschärfung der europäischen Klimaregulierung trifft auf ein volatiles Weltwirtschaftsumfeld. China verzeichnete 2025 einen Rekordhandelsbilanzüberschuss von über 1,2 Billionen Dollar und treibt eine Exportoffensive im verarbeitenden Sektor voran. Beobachter befürchten: Die Kombination aus regulatorischen Hürden in Europa und chinesischer Exportstärke könnte den Protektionismus weltweit verstärken. Die USA reagieren bereits mit neuen Zöllen von mindestens zehn Prozent auf Importe.

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