Busfahrer unter Druck: 43 Prozent arbeiten täglich über 8 Stunden
16.06.2026 - 22:23:26 | boerse-global.de
Die Folgen spüren nun auch die Fahrgäste.
Gefahr für die Gesundheit
Expertinnen schlagen Alarm: Eine Aufweichung der gesetzlichen Ruhezeiten könnte fatale Folgen haben. Dr. Elke Ahlers vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) warnte am Montag vor den gesundheitlichen Risiken. Ihre Datenbasis: der DGB-Index „Gute Arbeit 2025“.
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Das Ergebnis ist alarmierend. Bereits 43 Prozent der Beschäftigten arbeiten regelmäßig mehr als acht Stunden täglich. Jeder Dritte kann nach Dienstschluss nicht abschalten. Die Folge: Das Risiko für Burnout-Erkrankungen steigt drastisch.
Die tägliche Höchstarbeitszeit müsse bleiben, so Ahlers. Allerdings zeigte die Untersuchung auch einen interessanten Effekt: Ältere Beschäftigte zwischen 55 und 64 Jahren sind eher bereit, länger zu arbeiten – allerdings nur, wenn sie mehr Einfluss auf ihre individuellen Arbeitszeiten bekommen.
Ausfälle und Einschränkungen im Linienverkehr
Die Überlastung zeigt bereits konkrete Auswirkungen. In Stuttgart fielen heute zwölf Fahrten auf der Linie 707 aus. Grund: Personalausfälle. Auch in Osnabrück gab es Beeinträchtigungen. Auf den MetroBus-Linien M1 bis M5 fuhren weniger Busse – die Belegschaft hatte sich zu einer Betriebsversammlung versammelt.
Hinzu kommt die Angst vor dem Jobverlust. Die Gewerkschaft Verdi warnte am Montag vor Kündigungen bei der SWEG. Betroffen sind Busfahrer in Wiesloch, Weil am Rhein und Offenburg. Rund 200 Fahrer sind nach Unternehmensangaben von den Veränderungen betroffen. Verdi fordert einen Tarifsozialplan, das Unternehmen verspricht sozialverträgliche Lösungen.
Unfälle werfen Fragen auf
Die Verfassung der Fahrer ist auch ein Sicherheitsthema. Heute ereigneten sich gleich mehrere schwere Unfälle mit Busbeteiligung. Am Flughafen Frankfurt wurden vier Menschen verletzt. Ein Bus hatte an einer Haltestelle plötzlich beschleunigt und war mit einem anderen Fahrzeug sowie einer Mauer kollidiert.
In Karlsruhe erfasste ein 73-jähriger Busfahrer eine Radfahrerin – er hatte eine rote Ampel übersehen. Die Polizei ermittelt in beiden Fällen zur Unfallursache. In Tschechien kollidierte ein Reisebus aus Linz mit einer Eisenbahnbrücke. Vier Insassen wurden leicht verletzt. Offenbar hatte der Fahrer Verkehrsschilder missachtet.
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Unterschätzte Risiken
Die körperliche und psychische Belastung wird von vielen unterschätzt. Das zeigt die Sanitas-Studie „Health Forecast“ vom Montag. Von 2500 Befragten sehen nur 16 Prozent ein Risiko für Typ-2-Diabetes, nur 13 Prozent für Demenz. Die tatsächliche Lebenszeit-Wahrscheinlichkeit liegt deutlich höher.
Gerade in Berufen mit hoher Verantwortung – wie dem Busfahren – sei eine realistische Einschätzung der eigenen Gesundheit überlebenswichtig, so die Fachleute. Für die Fahrgäste und Passanten.
