Bundeswehr erhält bald Stark-Kamikazedrohnen: Erste Lieferung geht nach Litauen
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 16:53 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDer Drohnenhersteller Stark Defence will nach eigenen Angaben bald mit der ersten Auslieferung von Virtus-Kampfdrohnen an die Bundeswehr beginnen.
Erste Lieferung für Litauen vorgesehen
Senior Vice President Josef Kranawetvogl sagte bei der Rüstungsmesse Euro Defence Expo in Essen, zunächst gehe es um eine Charge im Wert von 275 Millionen Euro. Wie viele Drohnen geliefert werden sollen, nannte er nicht.
Die erste Lieferung ist für die deutsche Brigade in Litauen vorgesehen. Nach Angaben des Unternehmens sollen die Systeme bei einer NATO-Übung im November eingesetzt werden. Bei Übungen fliegen die Drohnen ohne Sprengstoff und können dank ihrer Propeller wieder landen.
Rahmenvertrag über 2,9 Milliarden Euro
Stark Defence verfügt über einen Rahmenvertrag mit der Bundeswehr im Umfang von 2,9 Milliarden Euro. Für einen Teilbetrag von einer Milliarde Euro hat der Bundestag bereits grünes Licht gegeben. Auch die Konkurrenten Helsing und Rheinmetall erhielten milliardenschwere Verträge.
Bei der Virtus handelt es sich um sogenannte Loitering Munition, die auch als Kamikaze-Drohne bezeichnet wird. Das Fluggerät kann Herstellerangaben zufolge bis zu 75 Minuten in der Luft bleiben und bis zu 130 Kilometer weit fliegen. Wird ein Ziel erkannt, stürzt sich die Drohne darauf und explodiert; andernfalls soll sie an einem ungefährdeten Ort abstürzen.
Drohne für Angriffe auf gepanzerte Ziele
Die bis zu 33 Kilogramm schwere Virtus startet mit kleinen Propellern an vier Flügeln. Zwei Kameras und die Verbindung zu Aufklärungsdrohnen sollen die Zielzuweisung unterstützen. Stark-Manager Kranawetvogl bezeichnete die Systeme als Ergänzung zu Panzern und Artillerie, nicht als Ersatz.
Nach seinen Angaben kann ein Bediener mit softwaregestützten KI-Funktionen mehrere Drohnen steuern; die Entscheidungshoheit bleibe beim Menschen. Eine einzelne Virtus-Drohne koste weniger als 100.000 Euro, sagte Kranawetvogl.
Hersteller wächst seit 2024
Stark Defence wurde 2024 als Start-up gegründet und beschäftigt nach eigenen Angaben rund 750 Menschen. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Berlin sowie Produktionsstandorte in Großbritannien, Schweden und Griechenland. Die Virtus wird auch in der Ukraine eingesetzt; dort betreibt Stark im Raum Kiew zwei weitere, nicht näher bezeichnete Werke.
Weitere Kooperation für KI-Drohnen
Unterdessen kündigte die deutsch-ukrainische Drohnenfirma United Unmanned Systems eine Partnerschaft mit dem estnisch-ukrainischen KI-Spezialisten DOD Solution an. Ziel sind Drohnen, die automatisch Ziele erkennen und weitere Funktionen ausführen können.
Nach dem geplanten Konzept könnte eine Drohne am Boden aktiviert werden und bei Annäherung eines feindlichen Fahrzeugs selbstständig aufsteigen. DOD liefert nach eigenen Angaben bereits Drohnen an die Ukraine. United Unmanned Systems produziert Abfangdrohnen, Bombendrohnen und Kamikaze-Drohnen.
Drohnen als Teil moderner Gefechtsführung
Die geplante Lieferung steht für einen Wandel, den der Krieg in der Ukraine beschleunigt hat: Unbemannte Systeme übernehmen Aufklärung, Zielzuweisung und Angriffe. Loitering Munition verbindet dabei mehrere Funktionen. Die Drohne kann zunächst ein Ziel suchen, längere Zeit über dem Einsatzgebiet kreisen und anschließend selbst zur Waffe werden.
Für die Bundeswehr ist der Auftrag zugleich ein Baustein beim Aufbau eigener Drohnenfähigkeiten. Der Rahmenvertrag mit Stark Defence sowie die parallelen milliardenschweren Vereinbarungen mit Helsing und Rheinmetall zeigen die Größenordnung, in der Deutschland diese Lücke schließen will. Die Verlegung der ersten Charge zur deutschen Brigade in Litauen gibt dem Vorhaben eine konkrete sicherheitspolitische Bedeutung: Die Systeme sollen an der NATO-Ostflanke eingesetzt und erprobt werden.
Technischer Vorteil und militärische Grenzen
Der wirtschaftliche Reiz liegt im Verhältnis zwischen vergleichsweise günstiger Munition und teurem Ziel. Zugleich bleiben Drohnen auf Aufklärung, Datenverbindungen, Bedienpersonal und geeignete Einsatzbedingungen angewiesen. Elektronische Störungen, Tarnung und Schutzmaßnahmen wie Käfigkonstruktionen können ihre Wirkung begrenzen.
Die geplante NATO-Übung im November dürfte deshalb vor allem zeigen, wie sich die Systeme in bestehende Abläufe einfügen. Entscheidend wird sein, ob mehrere Drohnen zuverlässig als Verbund mit Aufklärern, Artillerie und Bodentruppen arbeiten können. Für Soldaten und Bevölkerung in Litauen bedeutet die Stationierung zunächst eine Verstärkung der Fähigkeiten der deutschen Brigade, nicht die dauerhafte Bewaffnung jedes Übungssystems.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
n-tv: „Dringen selbst durch Panzerstahl: Bundeswehr erhält bald Virtus-Kamikazedrohnen“ (23.09.2026)
Der Bericht bestätige die bevorstehende Lieferung der Virtus-Drohnen und hebe deren Reichweite von bis zu 130 Kilometern sowie die mögliche Einsatzdauer von bis zu 75 Minuten hervor. Anders als die dpa-Meldung setze der Beitrag einen zusätzlichen Schwerpunkt auf die Wirkung gegen Panzerstahl und verweise auf weitere Bundeswehr-Vorhaben; offen bleibe auch dort die konkrete Stückzahl der ersten Charge.
Der Artikel ordne die Lieferung zudem in den größeren Rahmenvertrag über 2,9 Milliarden Euro ein und bestätige die geplante Weitergabe der ersten Systeme an die deutsche Brigade in Litauen. Die Darstellung folge damit im Kern der Agenturmeldung, ergänze jedoch vor allem technische und wirtschaftliche Aspekte.
Medienübergreifend bestätige der zugängliche Bericht den bevorstehenden Zulauf, die technische Auslegung der Virtus und ihre geplante Verwendung in Litauen; Unterschiede ergäben sich vor allem bei der Gewichtung von Panzerabwehr, KI-Unterstützung und Beschaffungspolitik.
