Bundesnetzagentur hält deutsche Gasspeicher für ausreichend für den Winter
Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 05:05 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie Bundesnetzagentur sieht die deutsche Gasversorgung für den Winter derzeit nicht in Gefahr.
Füllstände reichen nach Behördensicht aus
Behördenchef Klaus Müller sagte der Deutschen Presse-Agentur in Bonn, aktuell sei bereits mehr Gas in den Speichern als im gesamten vergangenen Winterhalbjahr entnommen worden. Zugleich bleibe in den kommenden Wochen Zeit für weitere Einspeicherungen.
Aktuell sind laut Netzagentur etwas mehr als 136 Terawattstunden Gas eingespeichert, das entspricht gut 55 Prozent der Kapazitäten. Im gesamten letzten Winter wurden knapp 134 Terawattstunden entnommen.
Debatte über Versorgung und Markt
In den vergangenen Tagen hatte es Bedenken gegeben, dass die gespeicherte Gasmenge bis zum Frühjahr nicht reichen könnte. Auch staatlich angeordnete Bestellungen wurden diskutiert, die zwar möglich wären, nach Einschätzung der Behörde aber teuer würden.
LNG und Pipelines als Puffer
Der Gasspeicher-Betreiberverband Ines hatte kürzlich von historisch niedrigen Füllständen gesprochen. Müller verwies dagegen auf zusätzliche Importmöglichkeiten über LNG-Terminals und Pipelines, unter anderem aus Norwegen.
Nach seinen Angaben liegen die LNG-Terminals derzeit bei einer Auslastung von etwa 45 Prozent. Es gebe daher ausreichend Kapazitäten, um zusätzliches Gas zu importieren.
Händler sollen füllen
Nach Darstellung der Bundesnetzagentur setzt der Staat derzeit nicht auf Eingriffe in den Gasmarkt. Müller sagte, es sei Aufgabe der Händler, die Speicher zu füllen, und verwies auf deren Lieferverpflichtungen gegenüber Stadtwerken und Industriebetrieben.
Diese Verpflichtungen könnten über Pipeline-Lieferungen, LNG-Importe oder Ausspeicherungen erfüllt werden. Staatliche Eingriffe wären aus Sicht der Behörde in jedem Fall teuer.
Gasreserven vor der Heizperiode
Die Lage der deutschen Gasspeicher bleibt ein politisch sensibles Thema, weil sie direkt mit der Versorgungssicherheit in der Heizsaison verknüpft ist. Die Bundesnetzagentur verweist darauf, dass derzeit bereits mehr Gas eingelagert sei als im gesamten vergangenen Winterhalbjahr entnommen wurde.
Das relativiert den Blick auf den aktuellen Füllstand, der zwar unter dem Niveau früherer Jahre liegt, aber nicht isoliert betrachtet werden kann. Entscheidend ist, dass bis zum Winter noch weitere Einspeicherungen möglich sind und zugleich zusätzliche Importwege über LNG-Terminals und Pipelines bestehen.
Markt statt staatlicher Eingriff
Für Haushalte und Unternehmen bedeutet das vor allem: Die Versorgung hängt weiter stark vom Zusammenspiel aus Markt, Importen und Speicherwirtschaft ab. Die Bundesnetzagentur setzt dabei auf die Verpflichtungen der Händler und lehnt staatliche Eingriffe derzeit ab, weil diese nach ihrer Darstellung teuer wären.
Ökonomisch bleibt die Lage dennoch heikel. Niedrige Füllstände können Preisschwankungen verstärken, besonders wenn Kälteperioden früh einsetzen oder der europäische Markt enger wird. Gleichzeitig zeigt die aktuelle Einschätzung der Behörde, dass die Speicher nicht allein über die absolute Prozentzahl bewertet werden sollten, sondern im Zusammenspiel mit Verbrauch, Importkapazitäten und der verbleibenden Zeit bis zum Winter.
Bedeutung für den Winter
Für Verbraucher ist die Botschaft vor allem, dass ein Mangel derzeit nicht als wahrscheinlich dargestellt wird. Für die Politik bleibt die Frage relevant, wie viel Regulierung nötig ist, ohne den Marktmechanismus zu schwächen.
