Bundesbank erwartet Inflation bis 2027 auf erhöhtem Niveau
Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 12:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSEnergiepreise prägen den Inflationsausblick
- Die Bundesbank erwartet bis ins kommende Jahr hinein eine merklich erhöhte Inflationsrate.
- Die Analyse wurde am Montag für den Monatsbericht der Bundesbank veröffentlicht.
- Eine Wiederholung der Hochinflationsphase von 2021/22 hält die Bundesbank für unwahrscheinlich.
- Bei anhaltenden Energiepreisanstiegen könnten Gesamt-, Nahrungsmittel- und Kerninflation stärker steigen.
Bundesbank sieht anhaltenden Preisdruck
Die Deutsche Bundesbank geht davon aus, dass die Inflationsrate bis ins nächste Jahr hinein merklich erhöht bleibt. Verbraucherpreise für Gas, Strom, Nahrungsmittel, andere Waren und Dienstleistungen dürften sich nach ihrer Einschätzung erst nach und nach erhöhen.
Dienstleistungen und Löhne treiben Preise
In einer am Montag veröffentlichten Analyse für den Monatsbericht verweist die Bundesbank darauf, dass sich Dienstleistungen bereits vor dem Krieg im Nahen Osten überdurchschnittlich verteuert hatten. Dazu trage derzeit besonders das weiterhin ausgeprägte Lohnwachstum bei.
Eine Wiederholung der Hochinflationsphase von 2021/22 erscheint nach Ansicht der Bundesbank jedoch "unwahrscheinlich". Der aktuelle Energiepreisschock konzentriere sich stärker auf Öl und raffinierte Produkte, während die für Deutschland besonders wichtigen Gas- und Stromschocks bislang erheblich kleiner seien.
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Warum die frühere Dynamik ausbleiben könnte
Nach Einschätzung der Bundesbank fehlen derzeit gleichzeitig große Nahrungsmittelrohstoff- und Wechselkursschocks. Zudem seien die Nachfrage schwächer, die Arbeitsmarktlage weniger angespannt und die Lieferkettensituation günstiger.
Unter diesen Ausgangsbedingungen sei die Wahrscheinlichkeit geringer, dass Unternehmen Preise häufiger anpassen und Kostenschocks stärker als üblich weitergeben. Die Risiken für die Inflation seien dennoch "klar aufwärtsgerichtet".
Energie bleibt entscheidender Unsicherheitsfaktor
Sollten sich die bisherigen Energiepreisanstiege fortsetzen, könnten sie nach Einschätzung der Bundesbank deutlich stärker auf die Gesamt-, Nahrungsmittel- und Kerninflation durchschlagen als bislang geschätzt. Damit bleibt die weitere Entwicklung der Energiepreise ein zentraler Faktor für die Preisentwicklung in Deutschland.
Die Bundesbank beschreibt ein Inflationsbild, das sich von der Hochinflationsphase 2021/22 unterscheidet, aber für Haushalte und Unternehmen weiterhin relevant bleibt. Der aktuelle Preisdruck konzentriert sich nach ihrer Analyse stärker auf Öl und raffinierte Produkte, während besonders große Schocks bei Gas und Strom bislang ausbleiben. Damit fällt ein zentraler Verstärker der früheren Inflationswelle weniger stark aus.
Gleichzeitig wirken Preissteigerungen nicht nur unmittelbar an Tankstellen oder bei Energieversorgern. Höhere Energiekosten können mit Verzögerung in Transport, Produktion, Lebensmittel und Dienstleistungen einfließen. Besonders bedeutsam ist dabei das von der Bundesbank hervorgehobene Lohnwachstum, weil es die Kostenentwicklung im personalintensiven Dienstleistungssektor beeinflussen kann.
Risiken für Verbraucher und Geldpolitik
Für Verbraucher bedeutet die Einschätzung, dass Entlastungen bei einzelnen Energiepreisen nicht automatisch zu einer schnellen Rückkehr zu niedriger Inflation führen. Preise können sich in mehreren Schritten anpassen, während Dienstleistungen bereits unabhängig vom jüngsten Energiepreisschock überdurchschnittlich teurer geworden sind. Eine länger erhöhte Inflation schmälert die Kaufkraft, wenn Einkommen nicht im gleichen Maß steigen.
Die Bundesbank sieht die Risiken klar nach oben gerichtet. Entscheidend wird daher, ob die bisherigen Energiepreisanstiege anhalten und stärker auf die Gesamt-, Lebensmittel- und Kerninflation durchschlagen. Zugleich sprechen schwächere Nachfrage, ein weniger angespannter Arbeitsmarkt und günstigere Lieferketten gegen eine Wiederholung der Dynamik von 2021/22.
