Büroakustik, Trennwände

Büroakustik: Trennwände erhöhen Lautstärke statt zu senken

Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 01:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Kanadische Feldstudie zeigt: Raumteiler verstärken den Geräuschpegel. Akustische Zonierung und Absorptionsmaterialien gelten als effektivere Alternativen.

Büroakustik-Studie: Trennwände erhöhen Lärmpegel in Großraumbüros
Moderne Büroarbeitsplätze mit akustischen Trennwänden in einem hellen Großraumbüro. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Eine aktuelle Untersuchung der Concordia University in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Soft dB liefert neue Erkenntnisse zur akustischen Belastung in modernen Arbeitsumgebungen. Die Ergebnisse der Feldstudie, die Mitte August 2026 veröffentlicht wurden, stellen gängige Annahmen zur Lärmprävention in Großraumbüros infrage.

Entgegen der Erwartung vieler Unternehmen führen physische Trennwände zwischen den Arbeitsplätzen offenbar nicht zu einer Senkung, sondern zu einer messbaren Erhöhung des Geräuschpegels.

Trennwände als Verstärker des Schalldruckpegels

Für die Studie untersuchten die Forscher der Concordia University und Experten von Soft dB die Arbeitsbedingungen von 73 Beschäftigten an Standorten in Montreal und Québec City.

Die Messungen ergaben, dass Großraumbüros, die mit Trennwänden ausgestattet sind, den höchsten durchschnittlichen Schalldruckpegel aufweisen. Dieser lag bei 57,8 dBA. Im Vergleich dazu schnitten Bürokonzepte ohne Trennwände, die stattdessen über kleinere Meetingräume verfügen, mit einem Wert von 53,3 dBA deutlich besser ab.

Die Forscher führen dieses Ergebnis auf ein psychologisches und verhaltensbezogenes Phänomen zurück. Demnach animieren Trennwände die Beschäftigten unbewusst dazu, lauter zu sprechen.

Die optische Abschirmung vermittle ein falsches Gefühl von Privatsphäre, was dazu führe, dass Gespräche mit einer höheren Intensität geführt würden. Da herkömmliche Trennwände zudem oft keine ausreichende akustische Absorption bieten, steige die Gesamtlautstärke im Raum durch die Summe der lauteren Einzelgespräche signifikant an.

Akustische Zonierung statt isolierender Abschirmung

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Angesichts dieser Befunde rücken alternative Konzepte zur Gestaltung offener Büroflächen in den Fokus der Arbeitsplatzgestaltung. Das Unternehmen Baur Akustik empfiehlt in diesem Zusammenhang, den Fokus von einer reinen Abschottung hin zu einer strategischen akustischen Zonierung zu verschieben.

Anstatt Mitarbeitende durch starre Wände voneinander zu isolieren, sollten Räume so strukturiert werden, dass unterschiedliche Funktionsbereiche akustisch sinnvoll voneinander getrennt sind.

Als konkrete Lösung bietet das Unternehmen die textilen Akustikelemente der Serie "Woopies" an. Diese bestehen aus Schweizer Schafschurwolle und werden nach einem Zero-Waste-Prinzip in Deutschland gefertigt.

Das Portfolio umfasst verschiedene Ansätze zur Raumgestaltung, darunter Tischaufsätze, abgehängte Raumteiler sowie mobile Stellwände. Solche Lösungen zielen darauf ab, den Schall direkt am Entstehungsort zu absorbieren, anstatt ihn lediglich zu blockieren oder durch die visuelle Barriere das Sprechverhalten negativ zu beeinflussen.

Wirtschaftliche Relevanz der Büroakustik

Die Bedeutung einer optimierten Akustik geht über das Wohlbefinden der Mitarbeiter hinaus und hat messbare ökonomische Auswirkungen. Das Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP) hat ein Tool entwickelt, das die wirtschaftlichen Folgen akustischer Störungen in Büros quantifizierbar macht. Die Daten verdeutlichen, dass eine mangelhafte Akustik die Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigt und somit die Produktivität in Unternehmen direkt mindert.

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Wer sich mit der Optimierung moderner Arbeitswelten befasst, muss neben der Akustik auch alle anderen Risiken im Blick behalten. Ein kostenloser Leitfaden unterstützt Sie mit Checklisten dabei, Gefährdungsbeurteilungen für Büros professionell und behördlich anerkannt zu erstellen. Kostenlose Checklisten für die Gefährdungsbeurteilung jetzt herunterladen

Die Studienergebnisse aus Kanada bestätigen die Notwendigkeit, bei der Planung von Büroflächen nicht nur auf die visuelle Gliederung, sondern verstärkt auf die akustische Wirksamkeit der eingesetzten Materialien und die psychologischen Auswirkungen auf die Kommunikation der Beschäftigten zu achten.

Strategien, die auf absorption und Zonierung setzen, erweisen sich laut den vorliegenden Daten als effektiver als die reine Installation von Trennwänden.

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