BSH, Zalando, SAP: Deutsche Arbeitswelt im Umbruch
30.04.2026 - 21:58:12 | boerse-global.deWährend sich Betriebsräte gegen Werksschließungen stemmen, stehen neue Führungen bei SAP und Rheinbahn für einen Wandel der Arbeitnehmervertretung. Und pünktlich zum 1. Mai rücken die Regeln für Feiertagsarbeit in den Fokus.
Feiertagsarbeit: Was gilt am 1. Mai?
Der 1. Mai ist in ganz Deutschland ein gesetzlicher Feiertag – doch nicht alle dürfen frei machen. Das Arbeitszeitgesetz verbietet grundsätzlich die Beschäftigung an Feiertagen, erlaubt aber 16 Ausnahmen für systemrelevante Bereiche wie Gesundheitswesen, Notdienste, Verkehr und Gastgewerbe. Wer an diesen Tagen arbeiten muss, hat Anspruch auf einen Ersatzruhetag innerhalb von acht Wochen.
Die Bezahlung regelt das Entgeltfortzahlungsgesetz: Fällt der Feiertag auf einen regulären Arbeitstag, gibt es den vollen Lohn. Das gilt auch für Minijobber – sie müssen ausgefallene Stunden nicht nacharbeiten. Einen generellen Anspruch auf Feiertagszuschläge gibt es in der Privatwirtschaft nicht, Tarifverträge oder Arbeitsverträge regeln das individuell. Steuerfrei bleiben Zuschläge von 125 bis 150 Prozent, solange der Grundlohn 50 Euro pro Stunde nicht übersteigt.
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Im öffentlichen Dienst gibt es ab dem 1. Mai 2026 eine Gehaltserhöhung von 2,8 Prozent für rund 2,5 Millionen Beschäftigte.
BSH Bretten: Rettungskonzept gegen Werksschließung
Am 30. April 2026 präsentierte der Betriebsrat von Bosch-Siemens-Hausgeräte (BSH) in Bretten ein umfassendes Rettungskonzept. Betriebsrat Kristian Kipcic-Suta schlägt vor, die Produktion von Dunstabzugshauben auszubauen und ausgelagerte Aufträge zurückzuholen. Die Herstellung von Herden würde bis 2030 auslaufen, der Standort aber als „Sicherungsfabrik“ ohne betriebsbedingte Kündigungen erhalten bleiben. Das Management prüft den Vorschlag bis zum 12. Mai 2026.
Anders die Lage im BSH-Werk Nauen: Dort wurde bereits ein Sozialplan vereinbart. Die Waschmaschinenfabrik mit 440 Beschäftigten soll bis Juni 2027 schließen. Der Plan sieht eine Transfergesellschaft und Abfindungen vor.
Zalando Erfurt: Schlichtungsausschuss soll vermitteln
Auch im Logistiksektor wird hart verhandelt. Das Arbeitsgericht Erfurt setzte am 30. April einen Einigungsausschuss unter Leitung des früheren Staatssekretärs Josef Molkenbur ein. Es geht um die geplante Schließung des Zalando-Logistikzentrums mit 2.700 Mitarbeitern. Das Unternehmen will den Standort bis Ende September 2026 dichtmachen, der Betriebsrat wehrt sich.
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SAP: Neue Betriebsratschefin setzt auf Unabhängigkeit
Bei SAP SE wurde Nathalie Boulay am 30. April zur neuen Vorsitzenden des Gesamtbetriebsrats gewählt. Sie löst Eberhard Schick (IG Metall) ab. Beobachter werten dies als Signal für eine gewerkschaftsunabhängigere Vertretung. Während IG Metall die Wahl als Rückschlag bezeichnete, führte Schick die Niederlage auf Vorbehalte der Belegschaft gegenüber traditionellen Gewerkschaftsstrukturen zurück.
Rheinbahn Düsseldorf: Klarer Sieg für Betriebsratsliste
Bei den Betriebsratswahlen der Rheinbahn in Düsseldorf errang die Liste „Einheit der Rheinbahn“ am 30. April die absolute Mehrheit mit 13 von 25 Sitzen. Das Votum gilt als deutliches Signal der Belegschaft an den Vorstand, insbesondere in Fragen der künftigen Unternehmensstrategie.
Scheu-Dental: Gewerkschaft erzwingt Betriebsratswahl
In Iserlohn gelang IG Metall die Gründung eines Betriebsrats bei Scheu-Dental. Mehr als die Hälfte der 200 wahlberechtigten Mitarbeiter stimmten am 30. April in geheimer Wahl für einen Wahlvorstand. Zuvor hatte das Unternehmen einen Initiatoren der Wahl suspendiert – ein Versuch, Druck auszuüben, wie die Gewerkschaft kritisierte.
Gericht stärkt Betriebsräte: Kein Ersatz durch KI
Das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein entschied bereits am 25. September 2025: Betriebsräte haben einen Rechtsanspruch auf Büropersonal. Im konkreten Fall sprach das Gericht einem 13-köpfigen Gremium 27 Wochenstunden administrative Unterstützung zu. Künstliche Intelligenz und Spracherkennung könnten den Menschen nicht ersetzen, so das Gericht. Besonders in sensiblen Bereichen wie der Rüstungsindustrie sei menschliche Protokollführung unverzichtbar. Betriebsräte sollten zudem die Einführung von KI im Unternehmen kritisch begleiten – diese falle oft unter Mitbestimmungsrechte bei Leistungskontrollen.
Ausblick: Was bringt der Mai 2026?
Die Bundesregierung wird die Frist zur Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie am 6. Juni 2026 verpassen. Dabei klafft in Deutschland eine Lohnlücke von 16 Prozent zwischen Männern und Frauen, und nur 16 Prozent der Stellenanzeigen nennen Gehaltsspannen.
Bis zum Ende der Wahlperiode am 31. Mai 2026 stehen die Umsetzung des Betriebsrätemodernisierungsgesetzes und die Vergütungsreform von 2024 im Fokus. Beamte erwartet im Mai eine grundlegende Reform des Besoldungssystems: Das geplante Bundesalimentationsgesetz will Ehegattenzuschläge streichen und stattdessen die Kinderzuschläge erhöhen. Die Reform könnte über sieben Milliarden Euro kosten und soll im Mai ins Kabinett.
Kirchenvertreter und Gewerkschaften appellieren an die Beschäftigten, sich an Betriebsratswahlen zu beteiligen. Digitalisierung und steigende Arbeitsverdichtung machten eine starke Interessenvertretung notwendiger denn je. Die kommenden Wochen werden zeigen, welche Industriestandorte in Deutschland eine Zukunft haben.
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