Brücken-Krise, Friedrich-Ebert-Brücke

Brücken-Krise: Friedrich-Ebert-Brücke in Bonn komplett gesperrt

04.06.2026 - 18:42:24 | boerse-global.de

Mehrere Großbrücken in Deutschland müssen gesperrt werden. Pendler und Wirtschaft leiden unter den Folgen der maroden Infrastruktur.

Deutsche Brückenkrise: Sperrungen legen Verkehr lahm
Brücken-Krise - Eine leere, gesperrte Betonbrücke mit Absperrungen und Warnschildern in einer deutschen Stadt bei Nacht. 04.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Gleich mehrere Großbrücken mussten aus Sicherheitsgründen gesperrt oder eingeschränkt werden – mit dramatischen Folgen für Pendler und Wirtschaft.

A565 in Bonn: Komplettsperrung mit Folgen

Am Dienstag, dem 3. Juni 2026, ordneten die Behörden die Totalsperrung der Friedrich-Ebert-Brücke auf der A565 in Bonn an. Der Grund: massive Schäden an der Tragkonstruktion. Risse im Beton und Korrosion am Bewehrungsstahl machten die sofortige Schließung unumgänglich. Die Autobahn GmbH des Bundes stellte klar: Sicherheit gehe vor.

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Die 660 Meter lange Brücke aus den 1960er-Jahren ist ein Nadelöhr. Rund 100.000 Fahrzeuge nutzten sie täglich – obwohl Lastwagen über 7,5 Tonnen bereits seit Februar 2026 ein Fahrverbot hatten. Jetzt müssen sich Autofahrer und Spediteure über die A3 und A61 quälen.

Die wirtschaftlichen Folgen sind enorm. Eine ADAC-Studie beziffert die jährlichen Mehrkilometer auf 50 Millionen für Pkw und 5,5 Millionen für Lkw. Der Gesamtschaden: über 170 Millionen Euro pro Jahr. Ein Neubau? Frühestens in den 2030er-Jahren. Bundesverkehrsminister Schnieder will sich am Freitag vor Ort ein Bild machen. Ein umfassendes Gutachten zur möglichen Sanierung oder dauerhaften Stilllegung soll in zwei Wochen vorliegen.

Dresden und Göttingen: Nächste Baustellen

Die Krise in Bonn ist kein Einzelfall. In Dresden begannen am selben Tag Arbeiten zur Notstützung der Budapester Straße-Brücke. Bei Tests rissen 40 Spannstähle – die Gefahr eines Einsturzes war akut. Die Brücke verwendet denselben Spannstahltyp wie die teilweise eingestürzte Carola-Brücke. Die Kosten für die Hilfskonstruktion liegen im hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Millionenbereich. Ein kompletter Ersatz würde über 100 Millionen Euro verschlingen.

In Niedersachsen sorgt eine Gewölbebrücke auf der B3 bei Göttingen für Ärger. Seit dem 3. Juni gilt dort Einbahnverkehr. Ingenieure entdeckten tiefe Risse und offene Fugen im Naturstein. Schwerlasttransporte sind verboten, die Brücke wird überwacht und abgestützt. Ein Ersatzneubau ist in Planung.

Brandenburg: Fast jede zweite Landstraße ist marode

Nicht nur Brücken, auch das allgemeine Straßennetz bereitet Sorgen. In Brandenburg sind laut Landesdaten von 2023 46,6 Prozent der Landstraßen in sehr schlechtem Zustand, weitere 18 Prozent gelten als mangelhaft. Besonders dramatisch: In Cottbus liegt der Anteil der sehr schlechten Straßen bei 97 Prozent, in Brandenburg an der Havel bei 84 Prozent und in Potsdam bei 35 Prozent. Landesverkehrsminister Crumbach kündigte eine systematische Sanierung an. Aktuelle Zahlen für 2026 werden in Kürze erwartet.

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Wasserwege: Modernisierung mit Verspätung

Auch die deutschen Wasserstraßen sind betroffen. In Elsfleth läuft der Bau der Ersatz-Huntebrücke, die seit Februar 2024 außer Betrieb ist. Eine neue Hub- und Drehbrücke soll 2028 fertig sein.

Am 9. Juni will Dr. Jan Kayser, Präsident der Bundesanstalt für Wasserbau, in Stuttgart Innovationskonzepte für die Binnenwasserstraßen vorstellen. Schwerpunkte: Digitalisierung und schnellere Planungsverfahren. Der Hintergrund: Die Weser-Wirtschaftsvereinigung beklagt die Vernachlässigung von Wasserwegen, die jährlich über 800.000 Tonnen Güter bewegen.

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