Briefporto: Deutsche Post plant 20 Cent mehr für Standardbrief
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 12:27 Uhr | dpa, AD HOC NEWSPortoentscheidung für 2027 und 2028
- Die Bundesnetzagentur soll das Briefporto der Deutschen Post um etwa ein Fünftel anheben.
- Der Standardbrief im Inland soll zum Jahreswechsel 20 Cent mehr und damit 1,15 Euro kosten.
- Eine endgültige Genehmigung des Briefportos für 2027 und 2028 steht noch aus.
Monopolkommission kritisiert geplante Portoerhöhung
Die Monopolkommission lehnt die geplante Anhebung des Briefportos ab, die zum Jahreswechsel so stark ausfallen soll wie noch nie. Vorsitzender Tomaso Duso wirft der Bundesnetzagentur vor, zu viele Kosten der Deutschen Post als sogenannte Lasten anzuerkennen.
Standardbrief soll 1,15 Euro kosten
Die Bundesnetzagentur möchte der Post erlauben, das Briefporto um etwa ein Fünftel zu erhöhen. Nach den Plänen der Deutschen Post soll der Versand eines Standardbriefs im Inland zum Jahreswechsel 20 Cent mehr und damit 1,15 Euro kosten.
Auch das Porto für die Postkarte sowie für Kompakt-, Groß- und Maxi-Briefe soll deutlich steigen. Eine finale Genehmigung des für die Jahre 2027 und 2028 gültigen Briefportos steht noch aus.
Streit über anrechenbare Kosten
Nach Einschätzung der Monopolkommission müsste die Regulierungsbehörde bestimmte Lasten strenger prüfen und gegebenenfalls streichen. Duso erklärte, es solle sichergestellt werden, dass Kundinnen und Kunden nur notwendige Lasten tragen.
Die Monopolkommission sieht durch eine strengere Prüfung keine Gefahr für die Postversorgung in ländlichen Bereichen. Je mehr Kosten die Post geltend machen kann, desto höher fällt das von der Bundesnetzagentur freigegebene Porto aus.
Weniger Briefe erhöhen Stückkosten
Die Briefmenge sinkt, weil private Haushalte und Unternehmen zunehmend per E-Mail oder Chatnachricht kommunizieren. Dadurch verteilen sich die Kosten für Personal, Infrastruktur und Energie auf weniger Sendungen, wodurch die Beförderung und Zustellung eines einzelnen Briefs teurer wird.
Die Deutsche Post kann das Porto nicht eigenständig erhöhen und benötigt dafür die Zustimmung der Bundesnetzagentur. Im Briefmarkt ist sie mit großem Abstand Marktführerin, während ihr Vorsprung im Paketsegment, zu dem DHL gehört, geringer ist.
Die Debatte über das Briefporto steht im Spannungsfeld zwischen sinkender Nachfrage und steigenden Zustellkosten. Wenn weniger Briefe verschickt werden, verteilen sich Aufwendungen für Personal, Filialnetz, Transport und Zustellwege auf eine kleinere Sendungsmenge. Dieser Effekt erhöht die Kosten je Brief und verstärkt den Druck auf die regulierten Preise.
Gleichzeitig betrifft eine Portoerhöhung nicht nur private Absender. Behörden, Unternehmen, Vereine und Haushalte ohne verlässlichen digitalen Zugang nutzen Briefe weiterhin für Rechnungen, Bescheide, Verträge und wichtige Fristsachen. Besonders in ländlichen Gebieten ist die flächendeckende Versorgung deshalb ein zentraler Bezugspunkt der Regulierung.
Regulierung und Wettbewerb
Die Monopolkommission richtet ihren Einwand gegen die Kostenberechnung der Bundesnetzagentur. Nach ihrer Einschätzung könnten anerkannte Lasten das Porto stärker erhöhen, als es für die notwendige Briefversorgung erforderlich wäre. Dahinter steht auch die Frage, ob der marktbeherrschende Briefbereich andere Geschäftsfelder indirekt mitfinanzieren kann.
Für Verbraucherinnen und Verbraucher entscheidet sich mit der noch ausstehenden finalen Genehmigung, wie stark sich der Versand zum Jahreswechsel verteuert. Für die Post bleibt der Briefmarkt trotz sinkender Mengen ein regulierter Bereich, in dem Preisentscheidungen unmittelbar mit Versorgungspflichten und Wettbewerbsbedingungen verbunden sind.
