Brauerei-Krise: Insolvenzen in Baden-Württemberg um 25% gestiegen
Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 22:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die angekündigte Schließung der Mannheimer Eichbaum-Brauerei eskaliert. Der Betriebsrat wirft der Unternehmensführung vor, das Ende des Traditionsbetriebs mit Kalkül herbeigeführt zu haben. Am heutigen Mittwoch versammelten sich erneut Mitarbeiter zu Protesten auf dem Betriebsgelände.
„Das Aus war gewollt“
Die Arbeitnehmervertreter ließen keinen Zweifel an ihrer Einschätzung: Die Eigenverwaltung habe die Schließung strategisch betrieben. Schon am Dienstag hatten Angestellte mit einer Fotoaktion ihren Unmut gezeigt. Nun folgten erneute Demonstrationen – rund 240 Mitarbeiter verlieren ihre Jobs.
Die Gewerkschaft NGG schaltete sich ein und forderte einen schnellen Sozialplan. Zudem setzt sich die Arbeitnehmerseite für eine Transfergesellschaft ein. Die soll den Betroffenen bei der Jobsuche helfen. Die Stimmung gilt als am Tiefpunkt – vor allem, seit das Unternehmen am 13. Juli das endgültige Aus verkündete.
Sanierung gescheitert
Die Brauerei blickt auf eine über 340-jährige Geschichte zurück – die Wurzeln reichen bis ins Jahr 1679. Seit Oktober 2025 lief ein Insolvenzverfahren. Die Hoffnung: Sanierung in Eigenverwaltung. Doch die Verkaufsverhandlungen scheiterten. Die finanzielle Lage lässt keine Fortführung zu.
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Das heutige Betriebsgelände in der Käfertaler Straße entstand bereits im 19. Jahrhundert. Heinrich Forschner erwarb die Brauerei 1827. Mit der Schließung endet eine Ära für die gesamte Region.
Branche unter Druck
Der Fall Eichbaum steht nicht allein. In Baden-Württemberg kämpfen viele Betriebe. Eine Umfrage des Verbands Südwestmetall zeigt: Metall- und Elektrounternehmen im Südwesten bewerten ihre Lage schlechter als der Bundesdurchschnitt. Rund 50 Prozent rechnen mit sinkender Beschäftigung. Im ersten Halbjahr 2026 meldeten über 1.600 Unternehmen im Land Insolvenz an – ein Anstieg von mehr als 25 Prozent.
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Auch andere Brauereien stecken in der Krise. Die Colbitzer Heide-Brauerei GmbH und die Wolters Service GmbH stellten am Dienstag Insolvenzanträge beim Amtsgericht Braunschweig. Die Gehälter der Mitarbeiter sind zunächst für drei Monate gesichert.
Verschärfend kommt ein Urteil des VGH München vom 1. Juli hinzu: Insolvente Unternehmen haben keinen Anspruch auf Überbrückungshilfen. Die Insolvenz gilt als subventionserhebliche Tatsache. Experten warnen: Diese Regelung trifft vor allem kleine und mittelständische Betriebe hart – und könnte die Zahl der Insolvenzen weiter treiben.
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