Brandrisiko, Gebäudesysteme

Brandrisiko: 35,9% der Gebäudesysteme haben erhebliche Mängel

04.06.2026 - 08:12:32 | boerse-global.de

Neue Landesbauordnung erleichtert Dachgeschossausbauten, während TÜV-Report hohe Mängelquote bei Gebäudetechnik offenbart.

Brandrisiko: 35,9% der Gebäudesysteme haben erhebliche Mängel - Bild: über boerse-global.de
Brandrisiko: 35,9% der Gebäudesysteme haben erhebliche Mängel - Bild: über boerse-global.de

Gleichzeitig zeigt ein neuer TÜV-Report: Jedes dritte technische System in deutschen Gebäuden hat erhebliche Mängel.

Am 2. Juni verabschiedete das Kabinett in Kiel eine Novelle der Landesbauordnung. Kernstück ist die neue Umbauregelung §51a, die den Bestandsschutz stärkt. Künftig müssen Eigentümer bei Umbauten historische Elemente wie hölzerne Treppenhäuser aus der Gründerzeit nicht mehr auf moderne Standards nachrüsten.

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Innenministerin Magdalena Finke betont das Ziel: weg vom Neubau, hin zur ressourcenschonenden Nutzung des Bestands. Für Dachgeschossausbauten entfällt die Pflicht zu neuen Abstandsflächen – solange keine Balkone oder andere Anbauten hinzukommen. Auch die Anforderungen an den Schallschutz werden auf das aktuelle Niveau des Gebäudes begrenzt.

Feuerwehreinsätze zeigen die Gefahren

Doch die Praxis mahnt zur Vorsicht. Gleich zwei Brände am 2. Juni machen die Risiken deutlich: In einer Dachgeschosswohnung in der Kölner Severinstraße wurden sechs Menschen verletzt, darunter zwei Kinder. Die Wohnung ist unbewohnbar. Stunden später rückten in Dresden-Söbrigen 80 Einsatzkräfte zu einem Dachstuhlbrand aus – fünf Bewohner erlitten eine Rauchvergiftung.

Bereits am Vortag hatte ein Dachdecker in Augsburg durch Schweißarbeiten einen Brand ausgelöst, der eine Photovoltaikanlage zerstörte und einen Schaden von rund 80.000 Euro verursachte.

TÜV-Report: Alarmierende Mängelquote

Der TÜV-Verband legte am 3. Juni seinen Baurechtsreport 2026 vor. Das Ergebnis: 35,9 Prozent der geprüften technischen Anlagen wiesen erhebliche Mängel auf – ein Anstieg um neun Prozentpunkte gegenüber 2024. Nur 26,9 Prozent der Systeme waren komplett mangelfrei.

Besonders betroffen:
- Lüftungsanlagen: 44,2 Prozent mit erheblichen Mängeln
- Feuerlöschanlagen: 40,6 Prozent mit erheblichen Mängeln
- Notstromversorgung: 35,2 Prozent mit erheblichen Mängeln
- Sicherheitsbeleuchtung: 35,0 Prozent mit erheblichen Mängeln

Der TÜV-Verband fordert einheitliche Prüfstandards und eine konsequentere Mängelbeseitigung.

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Neue Technik gegen alte Probleme

Ausgerechnet am Tag der Brandkatastrophe in Köln brachte Siemens eine neue Generation von Brandmeldern auf den Markt. Die Sinteso Nova-Detektoren nutzen eine kontinuierliche Rauchüberwachung und KI-gestützte Technik zur Vermeidung von Fehlalarmen. Die IoT-fähigen Geräte lassen sich in cloudbasierte Gebäudemanagementsysteme einbinden.

Weitere Innovationen sind auf der Messe FeuerTrutz in Nürnberg (24. bis 25. Juni) zu erwarten. Neben erweiterten Brandversuchen stehen Holzbau, Lithium-Ionen-Batterien und digitale Anwendungen im Fokus. Oppermann Regelgeräte will dort einen Kanalrauchmelder vorstellen, der Luftströmungen in Lüftungsanlagen überwacht und Kaltrauchpartikel frühzeitig erkennt.

Das GEG bleibt eine Hürde

Wer dennoch einen Dachausbau plant, muss auch das Gebäudeenergiegesetz (GEG) beachten. Das Ingenieurbüro Ziegler erinnert daran, dass Dachflächen, Fenster, Gauben und Anschlüsse geprüft werden müssen. Besonders der sommerliche Wärmeschutz entscheidet über die tatsächliche Wohnqualität im Dachgeschoss.

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