Bosch Nürnberg, Stellenabbau

Bosch Nürnberg: 900 Stellen bis 2029 vor dem Aus

Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 15:35 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Bosch will im Nürnberger Werk bis 2029 rund 900 der derzeit 1.800 Stellen streichen. Der Zulieferer reagiert damit auf fehlende Aufträge für Verbrenner-Komponenten, die schwache Nachfrage in Europa und wachsenden Wettbewerbsdruck.

Der weltweit größte Auto-Zulieferer Bosch will die Belegschaft in seinem Nürnberger Werk halbieren und bis 2029 die Personalstärke um 900 Stellen reduzieren (Archivbild).  - Bild: Jan-Philipp Strobel/dpa
Der weltweit größte Auto-Zulieferer Bosch will die Belegschaft in seinem Nürnberger Werk halbieren und bis 2029 die Personalstärke um 900 Stellen reduzieren (Archivbild). - Bild: Jan-Philipp Strobel/dpa

Bosch will in seinem Nürnberger Werk bis 2029 rund 900 der derzeit 1.800 Stellen abbauen.

Zusätzlicher Abbau bei Bosch

Der Stellenabbau soll zusätzlich zu dem bereits angekündigten Abbau von konzernweit 22.000 Beschäftigten erfolgen. Der Großteil dieses Abbaus entfällt auf den Mobility-Sektor.

Zum Ende des ersten Halbjahres 2026 beschäftigte Bosch bereits rund 6.500 Menschen weniger als Ende 2025. Zugleich steigerte der Konzern seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3,6 Prozent.

Verbrenner-Komponenten verlieren an Bedeutung

Bosch begründet den Schritt mit dem Wandel der Automobilindustrie sowie zunehmendem Wettbewerbs- und Preisdruck. Der weltweite Automarkt stagniere, während die Nachfrage in Europa rückläufig sei. Besonders Konkurrenten aus China setzten dem Zulieferer zu.

In Nürnberg stellt Bosch vor allem Komponenten für Verbrennungsmotoren sowie Brennstoffzellen her. Mit dem Wandel hin zu mehr Elektromobilität verlieren Verbrenner an Bedeutung. Die Brennstoffzelle für Wasserstoffantriebe habe die Erwartungen bislang nicht erfüllt. Dadurch entstehe in Nürnberg ein Personalüberhang, der langfristig wirtschaftlich nicht tragfähig sei.

Abbau soll sozialverträglich erfolgen

Bosch kündigte sozialverträgliche Lösungen für den Stellenabbau an. Das Unternehmen müsse seine Strukturen an das veränderte Marktumfeld anpassen und seine Wettbewerbsfähigkeit wiederherstellen.

Im vergangenen Jahr hatte Bosch nach Steuern erstmals seit der Finanzkrise einen Verlust ausgewiesen.

Strukturwandel trifft Zulieferer

Der angekündigte Abbau in Nürnberg steht für die doppelte Belastung, unter der viele Automobilzulieferer stehen: Klassische Komponenten für Verbrennungsmotoren verlieren mit dem Hochlauf der Elektromobilität an Bedeutung, während neue Geschäftsfelder wie Brennstoffzellen bislang nicht genügend Nachfrage erzeugen. Für einen Standort, der auf diese Produkte spezialisiert ist, verändert sich damit nicht nur das Produktionsvolumen, sondern auch der Bedarf an Qualifikationen.

Bosch hat den konzernweiten Stellenabbau bereits mit einem schwierigen Marktumfeld begründet. Dass der Nürnberger Abbau zusätzlich zu den angekündigten 22.000 Stellen erfolgt, zeigt die Größenordnung der Anpassung. Der Umsatzanstieg im ersten Halbjahr trotz eines deutlichen Beschäftigungsrückgangs deutet zugleich darauf hin, dass der Konzern Wachstum und Kostensenkung parallel organisiert.

Bedeutung für Nürnberg

Für Nürnberg betrifft die Ankündigung unmittelbar 900 Arbeitsplätze bis 2029. Sozialverträgliche Lösungen können Entlassungen vermeiden oder abfedern, ändern aber nichts an der langfristigen Unsicherheit für Beschäftigte, Zulieferer und das regionale Umfeld. Entscheidend wird sein, ob Bosch am Standort neue Produkte und Tätigkeiten aufbauen kann oder ob der Standort schrittweise an wirtschaftlicher Bedeutung verliert.

Wettbewerbsdruck in Europa

Der Fall fügt sich in eine breitere Debatte über die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Autoindustrie ein. Neben dem Technologiewandel erhöhen stagnierende Märkte, rückläufige Nachfrage in Europa und der Preisdruck internationaler, insbesondere chinesischer Anbieter den Anpassungsdruck. Für Beschäftigte bedeutet das, dass Standortentscheidungen zunehmend von Kosten, Produktportfolio und der Fähigkeit abhängen, neue Antriebe wirtschaftlich zu fertigen.

Disclaimer...

de | wirtschaft | 70193189 |