Bosch, Nürnberg

Bosch Nürnberg: 1.700 Jobs in Gefahr, Standortsicherung endet 2026

Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 10:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Am Bosch-Standort Nürnberg droht ein Personalabbau im hohen dreistelligen Bereich. Die IG Metall kritisiert die Abhängigkeit vom Verbrennungsmotor und fehlende Zukunftskonzepte.

Bosch-Standort Nürnberg: IG Metall warnt vor massivem Stellenabbau
Industrielle Fertigungshalle in einem Automobilzulieferwerk mit metallischen Bauteilen und Maschinen im Hintergrund. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

1.700 Beschäftigte am Bosch-Standort Nürnberg bangen um ihre Zukunft. Die IG Metall warnt vor einem Personalabbau im „hohen dreistelligen Bereich“. Hintergrund sind auslaufende Verträge und interne Umbaupläne des Konzerns.

Abhängigkeit vom Verbrennungsmotor

Das Nürnberger Werk ist fast vollständig auf die Produktion für Verbrennungsmotoren angewiesen. Zwar gibt es moderne Technologien wie 3D-Metall-Drucker für die Prototypenfertigung. Doch nach Einschätzung der Arbeitnehmervertreter reicht das nicht aus, um die Arbeitsplätze dauerhaft zu sichern.

Die bestehende Standortsicherung läuft Ende 2026 aus. Bereits am Dienstag fand eine Betriebsversammlung statt, um die Belegschaft zu informieren. Eine vorherige Versammlung im Juni war vom Betriebsrat abgebrochen worden. Das Unternehmen selbst hat sich zu den Berichten bislang nicht geäußert.

Strukturwandel trifft Zulieferer hart

Der Fall Nürnberg ist kein Einzelfall. Eine aktuelle Umfrage der IG Metall Bayern unter 325 Betrieben zeigt: Der Verlagerungsdruck ins Ausland hat massiv zugenommen. 48 Prozent der befragten Metall- und Elektrobetriebe haben in den letzten zwölf Monaten Teile ihrer Produktion ins Ausland verlagert.

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Besonders krass ist die Lage in der Auto- und Zulieferbranche: 74 Prozent der Unternehmen haben Produktionskapazitäten verlagert, 65 Prozent sogar Entwicklungsleistungen aus Deutschland abgezogen. Der IG-Metall-Bezirksleiter Horst Ott kritisierte eine mangelnde Innovationskraft der Verantwortlichen. „Lohnverzicht hat noch nie einen Arbeitsplatz gerettet“, sagte er und lehnte Forderungen nach längeren Arbeitszeiten oder Gehaltseinbußen ab.

Der Arbeitgeberverband vbm wies die Kritik zurück. Die gestiegenen Arbeitskosten seien ein Hauptgrund für die Standortentscheidungen. Die Verbände bayme und vbm rechnen für 2025 mit dem Abbau von 20.000 Stellen in der Branche.

Ganze Industrie unter Druck

Die Krise bei Bosch ist Teil einer allgemeinen Talfahrt der deutschen Schlüsselindustrien. Eine Ifo-Umfrage vom April zeigt: 38 Prozent der Autobauer haben auf außereuropäischen Märkten an Wettbewerbsfähigkeit verloren. Hauptursachen sind die seit 2019 massiv gestiegenen Energiekosten sowie politische Rahmenbedingungen in den USA und China.

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Auch andere Branchenriesen stehen unter Druck. Bei Volkswagen werden Medienberichten zufolge der Abbau von bis zu 100.000 Stellen und mögliche Werkschließungen diskutiert. In Baunatal warten 15.000 Beschäftigte auf konkrete Informationen zum Sparkurs – eine Betriebsversammlung ist dort für den 28. August geplant.

Die Bundesregierung plant einen Energiepreisdeckel bis August 2026, um den Industriestandort zu stützen. Experten und Gewerkschaften fordern zudem eine abgestimmte EU-Industriestrategie. Eine Studie des Fraunhofer-Instituts prognostiziert, dass durch die Umstellung auf E-Mobilität bis 2040 EU-weit über 700.000 Arbeitsplätze wegfallen könnten.

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