Bonpflicht-Reform, Kleine

Bonpflicht-Reform: Kleine Händler entlastet ab 30-Euro-Grenze

04.06.2026 - 20:32:32 | boerse-global.de

Bundesregierung lockert Bonpflicht für Beträge unter 30 Euro. Kleine Betriebe profitieren, während große Kassen strengere Regeln erwartet.

Bonpflicht-Reform: Neue 30-Euro-Grenze entlastet kleine Händler
Bonpflicht-Reform - A baker's hands holding a pretzel, with a blurred digital tablet displaying a QR code and a modern POS system in the background. 04.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Finanzminister Klingbeil legte am 4. Juni 2026 einen Gesetzesentwurf vor, der die umstrittene Bonpflicht grundlegend reformiert. Kern der Neuregelung: Für Beträge unter 30 Euro entfällt künftig die Pflicht zur Ausgabe eines Papierbons.

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Die 30-Euro-Grenze als erste Stufe

Der Entwurf sieht eine schrittweise Lockerung der Belegausgabepflicht vor. Die sogenannte Bagatellgrenze von 30 Euro soll kleinen Geschäften den täglichen Verwaltungsaufwand ersparen. Wer einen Kaffee zum Mitnehmen oder eine Brötchentüte kauft, bekommt nur noch auf Wunsch einen Bon.

Langfristig strebt das Finanzministerium eine vollständige Digitalisierung der Belege an. QR-Codes oder der Versand per E-Mail sollen den klassischen Papierbon ersetzen. Für Vereine und gemeinnützige Organisationen sind zudem Härtefallregelungen vorgesehen, um die Umstellung abzufedern.

Strengere Regeln für große Kassen

Während die Regierung bei Kleinstbeträgen nachgibt, zieht sie bei großen Umsätzen die Zügel an. Ab Januar 2027 müssen Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 100.000 Euro fälschungssichere elektronische Kassen einsetzen.

Die Strafen bei Verstößen sind empfindlich: Wer die vorgeschriebenen Systeme nicht nutzt, muss mit Bußgeldern von bis zu 25.000 Euro rechnen. Bei Manipulation elektronischer Aufzeichnungen drohen sogar bis zu fünf Jahre Haft. Die Botschaft ist klar: Weniger Papier für den Bäcker um die Ecke, aber lückenlose Kontrolle bei den Großen.

Millionenkosten und Milliardeneinsparungen

Die Umstellung wird zunächst teuer. Die Regierung veranschlagt einmalige Kosten von rund 98 bis 99 Millionen Euro für die gesamte deutsche Wirtschaft. Doch die Rechnung geht auf: Langfristig sollen die Einsparungen bei Papier und Bearbeitung bei etwa 89 Millionen Euro pro Jahr liegen.

Besonders das Bäckerhandwerk hatte auf Entlastung gedrängt. Eine Umfrage der IHK Freiburg vom 3. Juni 2026 unter 107 Betrieben zeigt das ganze Ausmaß des Bürokratiedrucks. 83 Prozent der befragten Bäckereien klagten über gestiegenen Personalaufwand, mehr als 60 Prozent meldeten Umsatzrückgänge im To-go-Geschäft. Hauptverbandspräsident Ermer fordert deshalb eine Aussetzung kommunaler Verpackungssteuern, um die Gesamtbelastung zu senken.

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Teil einer großen Bürokratie-Offensive

Die Bonpflicht-Reform ist nur ein Mosaikstein in einer umfassenden Verwaltungsmodernisierung. Bereits am 3. Juni 2026 beschloss das Bundeskabinett Erleichterungen bei Ausweisen: Menschen über 70 müssen ihren Personalausweis nicht mehr verlängern, und nach einem Umzug entfällt die Pflicht, die Adresse im Pass ändern zu lassen.

Auch auf europäischer Ebene tut sich etwas. Die EU-Kommission will am 24. Juni 2026 einen „Tax Omnibus" vorlegen, der verschiedene Steuerrichtlinien vereinfachen soll. Branchenexperten rechnen mit jährlichen Bürokratieeinsparungen von sieben Milliarden Euro in der gesamten Union – das könnte das Bruttoinlandsprodukt um bis zu 0,2 Prozentpunkte ankurbeln.

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