Bodycams, Verkehrsbetriebe

Bodycams im ÖPNV: Verkehrsbetriebe rüsten Sicherheitskräfte auf

Veröffentlicht am: 03.09.2026 um 19:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Frankfurts VGF erprobt 18 lautlose Körperkameras, während Bahn, ÖBB und protec ihre Sicherheitskonzepte mit weiteren Geräten ausbauen.

VGF testet Bodycams ohne Ton gegen Aggressionen im Nahverkehr
Eine moderne, menschenleere U-Bahn-Station mit beleuchtetem Bahnsteig und Tunnelzugang in einer deutschen Großstadt. Illustration mit AI erstellt.

Die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) hat am 1. September 2026 ein Pilotprojekt zur Nutzung von Bodycams gestartet. Im Rahmen dieses Versuchs setzt das Unternehmen 18 Kameras ein, die von 30 speziell geschulten Mitarbeitern des Ordnungsdienstes getragen werden.

Wie aus Berichten von frankfurt.de vom 2. September 2026 und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 3. September 2026 hervorgeht, verzichtet der Betreiber bei den Aufnahmen auf eine Tonspur.

Sicherheitskonzept und Prävention in Frankfurt

Hintergrund der Erprobung ist eine registrierte Zunahme von Aggressionen gegenüber dem Personal. Die VGF reagiert damit auf eine Entwicklung, die bereits zuvor zu verstärkten Sicherheitsmaßnahmen geführt hat. Seit einem Jahr besteht eine Ordnungspartnerschaft mit der Deutschen Bahn und der Polizei, in deren Folge ein Rückgang der Diebstahlsdelikte verzeichnet wurde.

Ergänzend gilt seit dem 1. Mai ein Alkoholverbot im Frankfurter Hauptbahnhof. Das Sicherheitsnetz umfasst zudem bereits rund 260 stationäre Kameras, die im Schienennetz der Stadt im Einsatz sind.

Pilotprojekt der Üstra-Tochter in Hannover

Ähnliche Maßnahmen werden derzeit in Hannover umgesetzt. Die Üstra-Tochter protec führt ein auf sechs Monate angelegtes Pilotprojekt durch, in dem 50 Kameras zum Einsatz kommen. Die Kosten für die Anschaffung belaufen sich auf 65.000 Euro, ergänzt durch jährliche Folgekosten von 15.000 Euro. Der Einsatz ist auf Tunnelstationen und Fahrzeuge beschränkt und erfolgt ausschließlich auf Basis des Hausrechts.

Rund 80 Mitarbeiter sind an dem Projekt beteiligt, wobei der Sicherheitsdienst jährlich etwa 15.000 Einsätze absolviert. Auch in Hannover erfolgt die Aufzeichnung ohne Ton; die Daten werden nach einer Frist von drei Tagen gelöscht.

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Strategien der Deutschen Bahn und der ÖBB

Auch überregional gewinnen Körperkameras an Bedeutung. Die Deutsche Bahn hat bereits rund 2.000 Geräte im Einsatz, kombiniert mit Notfallknöpfen und Deeskalationstrainings für das Personal.

Auslöser für die forcierte Ausrüstung war unter anderem ein tödlicher Angriff auf einen Zugbegleiter in Rheinland-Pfalz in den ersten Monaten des Jahres 2026. Eine Änderung im Betriebsablauf ist zudem für das kommende Frühjahr geplant: Ab März sollen Pflicht-Identitätskontrollen in Regionalzügen entfallen.

In Österreich planen die ÖBB eine Endausbaustufe mit insgesamt 325 Bodycams. Für die rund 530 Security-Mitarbeiter werden zudem Stichschutzwesten bereitgestellt, wobei die Kosten für die Schutzausrüstung bis zu 500.000 Euro erreichen. Bemerkenswert ist, dass Zugbegleiter laut Unternehmensangaben aus kosmetischen Gründen keine entsprechende Schutzausrüstung erhalten sollen.

Die ÖBB verzeichneten im Zeitraum von 2020 bis 2025 insgesamt 1.834 Übergriffe auf Mitarbeiter, bei denen 459 Personen verletzt wurden. Ein Großteil dieser Vorfälle ereigne sich bei Fahrkartenkontrollen, beispielhaft wurde hier der Standort St. Pölten genannt.

Wirksamkeit und Akzeptanz der Überwachungsmaßnahmen

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Die Relevanz der Kameras zur Strafverfolgung zeigte sich erst kürzlich in Hessen. Am 3. August 2026 bedrohte ein 29-jähriger Mann in der Regionalbahnlinie RB68 bei Bensheim einen 53-jährigen Zugbegleiter mit einem Teppichmesser. Dank der Aufnahmen einer Bodycam konnte der Tatverdächtige identifiziert werden und befindet sich nun wegen des Vorwurfs der räuberischen Erpressung in Untersuchungshaft.

Neben der Aufklärung dient die Technik vor allem der Prävention. Laut einer Umfrage des Branchenverbandes VDV befürworten 77 % der Befragten eine Videoüberwachung und 74 % explizit Ticketkontrollen. Eine ältere Studie aus Nordrhein-Westfalen aus dem Jahr 2019 belegt zudem einen psychologischen Effekt: Die Spiegelfunktion der Geräte, bei der sich das Gegenüber selbst auf einem Monitor sieht, deeskaliere Situationen in bis zu 70 % der Fälle.

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