BNPL-Regulierung: Neue Kreditregeln für Klarna und PayPal ab November
04.06.2026 - 18:42:24 | boerse-global.de
Die europäische Finanzaufsicht zieht die Zügel an. Mit der neuen EU-Verbraucherkreditrichtlinie (CCD II) werden „Buy Now, Pay Later“-Angebote (BNPL) künftig als reguläre Verbraucherkredite eingestuft. Bisher konnten Anbieter wie Klarna oder PayPal mit zinsfreien Kurzzeitkrediten weitgehend ohne Aufsicht agieren – das ändert sich jetzt grundlegend.
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Strengere Prüfpflichten für jeden Einkauf
Das Kernstück der Reform: Verpflichtende Bonitätsprüfungen vor jedem Vertragsabschluss. Selbst bei Kleinstbeträgen müssen Anbieter künftig prüfen, ob der Kunde den Kredit tatsächlich zurückzahlen kann. Branchenberichten zufolge können bereits Einkäufe ab 30 Euro eine formelle Prüfung auslösen.
Bisher waren zinsfreie, kurzfristige Zahlungsaufschübe von der strengen Regulierung ausgenommen. Diese Lücke wird nun geschlossen. Auch in Österreich zeigt sich der Trend: Der Bundesrat verabschiedete am 3. Juni 2026 das Verbraucherkreditgesetz 2026, das unentgeltliche Finanzierungshilfen und sehr kurze Zahlungsziele explizit in den Kreditbegriff einbezieht.
Neue Pflichten für Online-Händler
Für E-Commerce-Unternehmen bringt die Richtlinie erhebliche Änderungen im Checkout-Prozess:
- Transparenz am Bezahlvorgang: Händler müssen ihre digitalen Kassensysteme anpassen, um erweiterte Informationspflichten zu erfüllen
- Bonitätsauswirkungen: Schon kleine Ratenkäufe können künftig bei Auskunfteien landen und den Score beeinflussen
- Werbebeschränkungen: Strengere Regeln für die Vermarktung von Zahlungsaufschüben sollen verhindern, dass Verbraucher unbedacht Schulden aufnehmen
- Kulanzregelungen: Anbieter müssen Hilfsangebote für Zahlungsschwierige bereitstellen, bevor sie Mahnverfahren einleiten
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Politische Kontroversen um die Umsetzung
Die nationale Umsetzung verläuft nicht ohne Konflikte. In Österreich stimmten ÖVP, SPÖ und NEOS für das Gesetz, während die FPÖ von „Bürokratie-Wahn“ sprach. Die Grünen kritisierten das Fehlen von Zinsobergrenzen – ein Punkt, der in Deutschland ebenfalls für Diskussionen sorgen dürfte.
Großbritannien zieht parallel nach
Auch jenseits der EU wird reguliert: Die britische Finanzaufsicht FCA beginnt am 15. Juli 2026 mit der formellen Überwachung von BNPL-Produkten. Bereits im Mai trat ein Sicherungsregime für Zahlungsinstitute in Kraft, das tägliche Abstimmungen und Prüfungen zum Schutz von Kundengeldern vorschreibt.
Was bedeutet das für Verbraucher?
Die neue Regulierung wird aller Voraussicht nach zu häufigeren Kreditanfragen und strengeren Limits führen. Analysten erwarten steigende Ablehnungsraten an der Kasse, da Anbieter das Ausfallrisiko minimieren müssen.
Das dürfte spannend werden: Die Geschäftsmodelle der Fintech-Branche basierten bisher auf der Reibungslosigkeit unregulierter Kurzzeitkredite. Künftig müssen sie Frühwarnsysteme für Zahlungsschwierigkeiten entwickeln und gleichzeitig ihre Prozesse umstellen. Für Verbraucher bedeutet das mehr Schutz vor Überschuldung – aber auch weniger Spontaneität beim Bezahlen.
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