BMW-Chef fordert höhere Preise für chinesische Autos in Europa
Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 12:18 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDer neue BMW-Vorstandsvorsitzende Milan Nedeljkovic fordert höhere Preise für chinesische Autohersteller auf dem europäischen Markt. Gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sagte er, die Preise vieler chinesischer Autos seien nicht nach marktwirtschaftlichen Mechanismen entstanden und erzeugten deshalb einen enormen Preisdruck in Europa.
Die europäische Politik müsse gegenüber China auf "marktadäquate Preise" pochen, sagte Nedeljkovic. Er wirbt für freiwillige Vereinbarungen auf Grundlage fairer Rahmenbedingungen und warnt zugleich, andernfalls könnten weitere EU-Zölle auf chinesische Autoimporte folgen.
BMW warnt vor Wettbewerbsverzerrung
"Wir stellen uns dem Wettbewerb. Aber eine Wettbewerbsverzerrung durch nicht nachvollziehbare Preise ist gefährlich", sagte der BMW-Chef. Die notwendigen Verhandlungen müssten nun auf politischer Ebene geführt werden.
Nedeljkovic kritisierte außerdem die in der Branche seit Jahrzehnten geltende 35-Stunden-Woche. Sie sei "ein Hindernis für innovative neue Industrien, die im globalen Wettbewerb um Schnelligkeit stehen". Zugleich bezeichnete er die Arbeitskosten in Deutschland als zu hoch.
Warnung vor Folgen von AfD-Erfolgen
Mit Blick auf die Wahlerfolge der AfD warnte Nedeljkovic vor Folgen für die deutsche Wirtschaft. "Rechtspopulismus und Nationalismus sind Gift für einen weltoffenen Wirtschaftsstandort, der vom Welthandel lebt", sagte er.
Wer Abschottung und Isolationismus fordere, könne nicht im Interesse des Standorts Deutschland und des Wohlstands handeln, so der BMW-Vorstandsvorsitzende.
Der Vorstoß fällt in eine Phase, in der europäische Hersteller gleichzeitig gegen hohe Produktionskosten in Europa und den wachsenden Preisdruck chinesischer Anbieter ankämpfen. Der Wettbewerb betrifft dabei nicht nur einzelne Modelle, sondern die gesamte industrielle Wertschöpfungskette von Batterien und Software bis zu Fertigung, Vertrieb und Service.
Die EU hat chinesische Elektroautoimporte bereits mit zusätzlichen Ausgleichszöllen belegt. Nedeljkovics Forderung nach marktadäquaten Preisen zielt auf eine politische Lösung zwischen Handelsschutz und offenem Wettbewerb. Freiwillige Preisvereinbarungen könnten den Preisdruck begrenzen, wären aber nur tragfähig, wenn sie transparent, kontrollierbar und mit dem europäischen Wettbewerbsrecht vereinbar sind.
Arbeitskosten erhöhen den Anpassungsdruck
Parallel verschärft sich die Debatte über die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Werke. Die 35-Stunden-Woche und hohe Arbeitskosten werden von Teilen der Industrie als Standortnachteil bewertet, während Gewerkschaften den Erhalt von Arbeitszeitstandards und Beschäftigungssicherheit verlangen. Die anstehenden Tarifverhandlungen in der Metallindustrie geben dieser Auseinandersetzung zusätzliche Bedeutung.
Für Autokäufer könnten stärkere Handelsbarrieren chinesische Fahrzeuge verteuern und damit den Preiswettbewerb dämpfen. Zugleich besteht das Risiko, dass geringerer Wettbewerbsdruck die Auswahl und den Anreiz zu weiteren Preissenkungen reduziert. Für BMW und andere europäische Hersteller bleibt entscheidend, ob sie Kosten senken, günstige Elektrofahrzeuge anbieten und technologische Nachteile bei Software und Batterien ausgleichen können.
