BMW-Abfindungen, Freiwillige

BMW-Abfindungen: Freiwillige Ausstiege bringen teils mehr als 650.000 Euro

Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 00:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
BMW beendete die Anmeldung vorzeitig; Mercedes startet sein Freiwilligenprogramm im Dezember erneut und bietet auch Fertigungsmitarbeitern Abfindungen.
Leere, moderne Industriehalle mit hohen Decken und Stahlträgern bei Dämmerlicht. Illustration mit AI erstellt.

Die deutschen Premiumhersteller BMW und Mercedes-Benz setzen bei ihren aktuellen Spar- und Umstrukturierungsplänen auf kostspielige Personalprogramme. Wie aus Medienberichten hervorgeht, erreichten die freiwilligen Abfindungen bei BMW in Einzelfällen Beträge von mehr als 650.000 Euro.

Bei Mercedes-Benz konnten langjährige Beschäftigte je nach Alter und Einkommen Summen von bis zu einer halben Million Euro erzielen. Branchenkenner analysieren diese Entwicklung vor dem Hintergrund des anhaltenden Spardrucks in der deutschen Automobilindustrie.

Experten sehen hohe Folgekosten verspäteter Anpassungen

Das Ausmaß der Abfindungsprogramme stößt in der Fachwelt auf geteilte Reaktionen. Frank Schwope von der FHM Berlin betonte laut einem Bericht der Berliner Zeitung, das grundlegende Problem bestehe darin, dass die Konzerne die Situation überhaupt so weit hätten kommen lassen.

Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut in Bochum merkte wiederum an, dass schnelles Handeln beim Umbau viel Geld koste. Um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden und Personalkürzungen rasch umzusetzen, greifen die Autobauer daher tief in die Kasse.

Vorzeitiges Anmeldeende nach starker Nachfrage bei BMW

Bei BMW stieß das freiwillige Programm auf enormes Interesse. Der Konzern schloss die Anmeldephase nach knapp drei Wochen vorzeitig ab, da die intern festgelegte Zielgröße bereits erreicht war. Schätzungen gehen von rund 5.000 Teilnehmenden aus.

Anzeige

Wenn Unternehmen Personal abbauen oder Strukturen verändern, ist eine rechtssichere Vereinbarung für beide Seiten entscheidend. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie Aufhebungsverträge ohne teure Rechtsstreitigkeiten gestalten. Gratis-E-Book mit Musterformulierungen jetzt herunterladen

Der Münchener Autobauer, der weltweit rund 154.000 Beschäftigte zählt, plant bis Ende 2027 den Abbau von rund 8.000 Stellen, von denen mehr als die Hälfte auf Standorte in Deutschland entfallen soll.

Der Abbau betrifft ausschließlich indirekte Bereiche außerhalb der Produktion, etwa Verwaltung, Planung sowie Forschung und Entwicklung. Rund 40.000 Beschäftigte in Deutschland erhielten ein entsprechendes Angebot.

BMW stellte für das Programm gut eine Milliarde Euro zurück, wobei bereits im laufenden Jahr Kosten im dreistelligen Millionenbereich anfallen. Ab 2028 peilt das Management jährliche Einsparungen von rund einer Milliarde Euro an. Die Höhe der Entschädigungen orientiert sich an Betriebszugehörigkeit und Gehalt, wobei die Maximalbeträge bei über 650.000 Euro liegen.

Mercedes-Benz weitet Angebote auf Werke und Verwaltung aus

Auch Mercedes-Benz reorganisiert seine Belegschaft und reaktiviert ab Dezember erneut sein Freiwilligenprogramm für indirekte Arbeitsbereiche bis Ende September des Folgejahres. Das Angebot richtet sich an Beschäftigte mit mindestens drei Jahren Betriebszugehörigkeit, vor allem in Finanzen, Verwaltung und Entwicklung.

In früheren Runden erhielten langjährige Angestellte ab 45 Jahren Abfindungen von 30 Monatsgehältern plus 22.500 Euro, womit inklusive Bonuszahlungen Beträge von über 300.000 Euro und bei älteren Kräften fast eine halbe Million Euro möglich waren.

Zusätzlich bietet der Stuttgarter Konzern in den Komponentenwerken Stuttgart-Untertürkheim und Berlin Abfindungen von bis zu 330.000 Euro für freiwillig ausscheidende Fertigungsmitarbeiter an.

Anzeige

Ein kleiner Fehler in der Formulierung eines Aufhebungsvertrags kann bereits zu hohen Nachzahlungen oder rechtlichen Problemen führen. Erfahren Sie in diesem Experten-Report, wie Sie Arbeitsverhältnisse einvernehmlich und rechtssicher beenden. Zum kostenlosen Ratgeber für Aufhebungsverträge

Ziel des Konzerns ist es, jährlich rund 800 Millionen Euro einzusparen und die Zahl der Leiharbeitskräfte in Deutschland um mehrere Tausend zu reduzieren, während die Beschäftigungssicherung für Stammkräfte noch rund zehn Jahre läuft.

Hintergrund der Sparmaßnahmen ist auch das schwierige Marktumfeld: Von Juli bis September ging der Absatz von Mercedes-Benz auf dem chinesischen Markt im Vorjahresvergleich um 31 Prozent zurück.

Arbeitsgerichte bestätigen Spielregeln für Abfindungsverfahren

Die rechtlichen Rahmenbedingungen solcher Massenprogramme beschäftigten bereits mehrfach die Gerichte. Das Landesarbeitsgericht Düsseldorf bestätigte, dass das Prinzip einer Vergabe nach Eingang der Meldung rechtens ist, nachdem ein Teamleiter eine mögliche Abfindung von 298.777 Euro verpasst hatte, weil seine Anmeldung nach sieben Minuten und 38 Sekunden einging.

Das Landesarbeitsgericht Köln wies die Klage eines Mitarbeiters ab, der eine summe von 110.587,62 Euro erhalten hatte und nachträglich die Anwendung später eingeführter, günstigerer Konditionen einforderte.

Disclaimer...
de | wirtschaft | 70423666 |