Blitz-Umfrage unter 400 Immobilienprofis: Das erwarten Makler nach der Berlin-Wahl
Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 10:39 Uhr | presseportal, AD HOC NEWS“Für einen Immobilienmarkt kann politische Unsicherheit damit zum Problem werden, lange bevor überhaupt ein entsprechendes Gesetz existiert”, erklärt Herausgeber Georg Ortner. Nachfolgend ordnet er die Ergebnisse seiner Blitz-Umfrage ein und erklärt, warum Anleger bereits auf die politische Entwicklung reagieren, welche Veränderungen Berliner Makler seit der Wahl bei Eigentümern und Käufern beobachten und was die neue Unsicherheit für Preise, Neubau und Investitionen in Berlin bedeuten könnte.
Warum Investoren trotz geringer Vergesellschaftungsgefahr zögern
Dass nur wenige Immobilienprofis mit einer tatsächlichen Vergesellschaftung rechnen, überrascht angesichts der rechtlichen Voraussetzungen kaum. Denn die gesetzlichen Hürden sind hoch, und selbst bei einer politischen Entscheidung für entsprechende Maßnahmen wäre mit einem langwierigen Verfahren zu rechnen. Für Investoren spielt allerdings nicht nur die Wahrscheinlichkeit einer Umsetzung eine Rolle, sondern auch die Frage, wie verlässlich sich künftige Rahmenbedingungen einschätzen lassen.
Georg Ortner, Herausgeber des IMMOBILIEN-PROFI und Gründer der Maklersprechstunde, erklärt den scheinbaren Widerspruch: “Ein Risiko können Investoren einpreisen, Unsicherheit nicht.” Während sich bekannte Risiken kalkulieren lassen, erschweren unklare politische Rahmenbedingungen die langfristige Planung. Anleger müssen deshalb nicht zwangsläufig mit einer Vergesellschaftung rechnen, um ihre Investitionen zu überdenken. Stattdessen verschieben sie Entscheidungen oder weichen auf andere Standorte aus, die ihnen mehr Planungssicherheit bieten. Das erklärt auch, warum 87 Prozent der befragten Immobilienprofis einen Rückzug von Kapitalanlegern aus Berlin erwarten.
Berliner Makler berichten von verschobenen Kaufentscheidungen
Die Verunsicherung erreicht inzwischen auch Eigentümer und Kaufinteressenten. Laut der Umfrage beobachten 56 Prozent der Berliner Makler konkrete Kundenreaktionen seit der Wahl. Dabei gehen die Meinungen auseinander: Während manche Eigentümer die politische Entwicklung begrüßen, betrachten andere sie mit Sorge. Wie Ortner berichtet, steht das Thema in Gesprächen mit Eigentümern derzeit weit oben auf der Tagesordnung. Während manche die politische Entwicklung begrüßen, betrachten andere sie mit Sorge. Hinzu kommen unterschiedliche öffentliche Einschätzungen, die es Marktteilnehmern erschweren, die möglichen Konsequenzen für ihre Immobilien einzuschätzen.
Diese Unsicherheit hat nach Beobachtung der befragten Makler bereits praktische Folgen: Kaufentscheidungen und geplante Investments werden aufgeschoben. Statt unmittelbar zu handeln, warten Interessenten zunächst ab, wie sich die politische Situation weiterentwickelt. Ein solcher Aufschub bedeutet allerdings noch keinen endgültigen Rückzug vom Berliner Markt. Wie viele Transaktionen tatsächlich ausfallen, lässt sich aus der Befragung nicht ableiten. Sie zeigt jedoch, dass die politische Diskussion bereits Einfluss auf das Verhalten der Marktteilnehmer nimmt.
Investoren orientieren sich zunehmend an anderen Standorten
Während einige Anleger in Berlin abwarten, gewinnen nach Ortners Beobachtung andere Immobilienmärkte an Bedeutung. Innerhalb Deutschlands nennt er insbesondere Leipzig. Im Ausland rücken vor allem Spanien und Zypern in den Fokus, teilweise auch die USA und Kanada. Für risikobereitere Investoren werde zudem Dubai wieder interessanter. Langfristig könnte diese Entwicklung den Berliner Immobilienmarkt belasten. Denn Kapital, das in andere Städte oder Länder fließt, steht für hiesige Projekte nicht unmittelbar wieder zur Verfügung.
Besonders im Wohnungsneubau, der langfristige Planungs- und Finanzierungsentscheidungen erfordert, könnte sich eine anhaltende Zurückhaltung bemerkbar machen. Allerdings handelt es sich bei den Umfrageergebnissen zunächst um Erwartungen der Immobilienprofis. Ein tatsächlicher Kapitalabfluss in der genannten Größenordnung ist damit nicht nachgewiesen.
Was bedeutet die Unsicherheit für Neubau und Immobilienpreise?
Gerade für Bauträger kommt die politische Unsicherheit zu einem schwierigen Zeitpunkt. Hohe Kaufpreise und Finanzierungskosten erschweren bereits die Umsetzung neuer Wohnungsbauprojekte. Ortner berichtet zudem von Gesprächen mit Berliner Projektentwicklern, die die aktuelle Situation überwiegend kritisch bewerten und alternative Standorte prüfen. Sollten deshalb weniger Neubauprojekte entstehen, könnte sich das Wohnungsangebot langfristig weiter verknappen.
Bei Bestandsimmobilien zeichnet sich dagegen eine andere Entwicklung ab: Nach Ortners Beobachtung entscheiden sich einzelne Eigentümer angesichts der politischen Lage dafür, ihre Immobilien jetzt zu verkaufen. Für die Preisentwicklung sind damit unterschiedliche Szenarien denkbar. Ein größeres Angebot an Bestandsobjekten könnte bei gleichzeitig zurückhaltender Nachfrage den Preisdruck erhöhen. Bleibt der Neubau hingegen hinter dem Bedarf zurück, könnte dies die Wohnraumknappheit langfristig verschärfen.
Fazit:
Wie stark sich diese Entwicklungen tatsächlich auswirken, bleibt abzuwarten. Die Blitz-Umfrage zeigt jedoch bereits, dass politische Unsicherheit Investitions- und Kaufentscheidungen beeinflussen kann – selbst wenn die befürchteten gesetzlichen Veränderungen von den meisten Immobilienprofis für unwahrscheinlich gehalten werden.
Über Georg Ortner:
Georg Ortner ist Herausgeber des Fachmagazins IMMOBILIEN-PROFI sowie Gründer der Maklersprechstunde und der Immobilien-Makler-Akademie (IMA). Mit der Maklersprechstunde bietet er Immobilienprofis aus Deutschland, Österreich und der Schweiz eine Plattform für fachlichen Austausch, aktuelle Marktentwicklungen und praxisnahe Weiterbildung. Weitere Informationen: https://maklersprechstunde.com/
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