BIP-Ranking, Länder

BIP-Ranking der Länder: NRW wächst nur um 0,3 Prozent im Halbjahr

Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 20:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Im ersten Halbjahr wuchs Hessens Wirtschaft um 1,8 Prozent, während Thüringen ein Minus von 0,8 Prozent verbuchte.

BIP-Wachstum 2026: Hessen vorn, Thüringen verzeichnet Rückgang
Weite Ansicht einer modernen deutschen Industrielandschaft mit Logistikzentren, Produktionsanlagen und Windrädern bei Sonnenaufgang. Illustration mit AI erstellt.

Die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland zeigt im ersten Halbjahr 2026 ein deutliches regionales Gefälle. Während das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Bundesdurchschnitt um 0,9 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum stieg, variieren die Wachstumsraten zwischen den einzelnen Bundesländern erheblich. Das geht aus ersten Berechnungen der statistischen Landesämter sowie der aktuellen Gemeinschaftsdiagnose führender Wirtschaftsforschungsinstitute hervor, die am 24. September 2026 veröffentlicht wurde.

Hessen und der Norden führen das Wachstumsranking an

Hessen verzeichnete im ersten Halbjahr 2026 mit einem preisbereinigten Plus von 1,8 % den bundesweit stärksten Zuwachs. Damit lag das Land 0,9 Prozentpunkte über dem Bundesdurchschnitt. Wesentlicher Treiber dieser Entwicklung war der Dienstleistungssektor, der rund drei Viertel der hessischen Wertschöpfung ausmacht.

Insbesondere der Finanzsektor stützte das Ergebnis, da Institute wie die Deutsche Bank, die Commerzbank und die DZ Bank Rekordgewinne für die ersten sechs Monate meldeten. Auch das verarbeitende Gewerbe in Hessen legte bei den Umsätzen um 3,8 % zu.

Hinter Hessen folgen Schleswig-Holstein mit einem Zuwachs von 1,7 % und Hamburg mit 1,5 %. Schleswig-Holstein profitierte dabei maßgeblich von Aufträgen für Marinewerften und einer im Vergleich zu anderen Regionen geringeren Abhängigkeit von der Automobil- und Chemieindustrie.

Industrieimpulse in Brandenburg und Baden-Württemberg

Brandenburg registrierte ein preisbereinigtes BIP-Wachstum von 1,4 %. Laut dem Amt für Statistik Berlin-Brandenburg kamen starke Impulse aus der Industrie, wobei das Tesla-Werk in Grünheide erneut als eines der wirtschaftlichen Zugpferde fungierte. Das benachbarte Berlin wuchs zeitgleich um 0,9 %.

Auch Baden-Württemberg erreichte ein Plus von 1,4 %. Für das Land bedeutet dies eine Kehrtwende nach drei Jahren mit rückläufiger Wirtschaftsleistung. Während die Industrie deutlich zulegte und der Dienstleistungssektor moderat wuchs, blieb das Baugewerbe in Baden-Württemberg weiterhin rückläufig.

Nordrhein-Westfalen und Ostdeutschland bleiben zurück

Deutlich schwächer fiel das Wachstum in Nordrhein-Westfalen aus, wo das BIP im ersten Halbjahr lediglich um 0,3 % stieg. Für das Gesamtjahr prognostiziert das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung ein Plus von 0,5 %.

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Die vorläufigen Halbjahreszahlen der Landesämter zeigen ein Wachstumsgefälle von 1,8 Prozent in Hessen bis minus 0,8 Prozent in Thüringen. Wer Investitionen oder Standorte bewertet, braucht diese Spanne statt des Bundesdurchschnitts. Der Report ordnet die 16 Länder ein und liefert fünf Kennzahlen für die eigene Standortprüfung. Kostenlosen Standort-Report anfordern

Am Ende der Skala finden sich vor allem ostdeutsche Bundesländer. Während Sachsen-Anhalt mit 0,6 % erstmals seit 2022 wieder ein positives Halbjahresergebnis erreichte, schrumpfte die Wirtschaft in Sachsen (-0,3 %) und Thüringen (-0,8 %). In Sachsen führten überdurchschnittliche Verluste im verarbeitenden Gewerbe und im Baugewerbe zum Rückgang. Auch das Saarland verzeichnete im Berichtszeitraum ein Minus.

Forscher sehen Aufschwung auf schmalem Fundament

Die am 24. September 2026 vorgelegte Gemeinschaftsdiagnose der Wirtschaftsforschungsinstitute hebt die Prognose für das deutsche BIP-Wachstum im Jahr 2026 auf 1,3 % an. Für 2027 wird ein Zuwachs von 1,1 % erwartet. Als positive Faktoren nennen die Experten die robuste Weltwirtschaft, den KI-Boom sowie staatliche Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung.

Allerdings mahnen die Forscher zur Vorsicht. Der Konjunkturchef des IWH bezeichnete den Aufschwung als eine Entwicklung auf schmalem Fundament. Hohe Energiepreise, Fachkräftemangel und schwache Investitionen belasteten den Standort.

Monatlich gehen demnach rund 15.000 Arbeitsplätze in der Industrie verloren, insbesondere im Automobilbau und Maschinenbau. Zudem wird das staatliche Defizit laut Prognose bis 2028 auf 4,7 % der Wirtschaftsleistung steigen.

Strukturelle Unterschiede bei Löhnen und Demografie

Flankierend zur wirtschaftlichen Lage verdeutlichen Daten der Bundesagentur für Arbeit und soziologische Studien die tieferliegenden Disparitäten. Ende 2025 arbeiteten in Deutschland 15,5 % der Vollzeitbeschäftigten im Niedriglohnsektor (unter 2.811 Euro monatlich). In Ostdeutschland lag dieser Anteil mit 21,7 % signifikant höher als im Westen (14,2 %).

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Rund 15.000 Industriearbeitsplätze gehen monatlich verloren, das staatliche Defizit steigt laut Prognose bis 2028 auf 4,7 Prozent der Wirtschaftsleistung. Für Finanzentscheider wird damit die Frage zentral, welche Regionen diese Belastung tragen können und welche nicht. Der Report prüft die Länderprofile gegen genau diese Risikofaktoren. Standort-Risiken jetzt einordnen

Zusätzlich verschärft sich die demografische Situation. Eine Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung prognostiziert eine Vertiefung der Gräben zwischen Stadt und Land sowie Ost und West. In Regionen wie Sachsen-Anhalt wird bis 2040 ein massiver Bevölkerungsverlust erwartet, bei dem das Durchschnittsalter auf fast 50 Jahre steigen könnte.

Angesichts dieser Entwicklungen forderte die Linke kurz vor dem Tag der Deutschen Einheit eine Neugestaltung der Finanzverteilung zwischen den Ländern, um strukturelle Ungleichheiten stärker zu berücksichtigen.

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