BioNTech, Werksschließungen

BioNTech schließt drei Werke: 1.800 Beschäftigte betroffen

Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 14:20 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

BioNTech schließt nach erfolgloser Käufersuche drei deutsche Standorte. In Idar-Oberstein, Marburg und Tübingen sind rund 1.800 Beschäftigte betroffen; die Schließungen sollen zwischen Ende 2027 und Ende 2028 erfolgen.

  • Das Werk in Marburg hatte Biontech einst selbst von Novartis übernommen, nun dürften dort Anfang 2028 die Lichter ausgehen. (Archivfoto) - Bild: Boris Roessler/dpa
    Das Werk in Marburg hatte Biontech einst selbst von Novartis übernommen, nun dürften dort Anfang 2028 die Lichter ausgehen. (Archivfoto) - Bild: Boris Roessler/dpa
  • Der Standort Tübingen war der Hauptsitz des übernommenen Konkurrenten Curevac. - Bild: Marijan Murat/dpa
    Der Standort Tübingen war der Hauptsitz des übernommenen Konkurrenten Curevac. - Bild: Marijan Murat/dpa
  • Das Werk in Idar-Oberstein soll von den drei betroffenen Standorten noch am längsten erhalten bleiben - und zwar bis Ende 2028. (Archivfoto) - Bild: Boris Roessler/dpa
    Das Werk in Idar-Oberstein soll von den drei betroffenen Standorten noch am längsten erhalten bleiben - und zwar bis Ende 2028. (Archivfoto) - Bild: Boris Roessler/dpa
  • Spätestens Ende des Jahres werden die Biontech-Mitbegründer Sahin und Türeci das Unternehmen verlassen. (Archivfoto) - Bild: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
    Spätestens Ende des Jahres werden die Biontech-Mitbegründer Sahin und Türeci das Unternehmen verlassen. (Archivfoto) - Bild: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
Das Werk in Marburg hatte Biontech einst selbst von Novartis übernommen, nun dürften dort Anfang 2028 die Lichter ausgehen. (Archivfoto) - Bild: Boris Roessler/dpa Der Standort Tübingen war der Hauptsitz des übernommenen Konkurrenten Curevac. - Bild: Marijan Murat/dpa Das Werk in Idar-Oberstein soll von den drei betroffenen Standorten noch am längsten erhalten bleiben - und zwar bis Ende 2028. (Archivfoto) - Bild: Boris Roessler/dpa Spätestens Ende des Jahres werden die Biontech-Mitbegründer Sahin und Türeci das Unternehmen verlassen. (Archivfoto) - Bild: Sebastian Christoph Gollnow/dpa

BioNTech schließt nach erfolgloser Suche nach Käufern seine Werke in Idar-Oberstein, Marburg und Tübingen; betroffen sind nach Unternehmensangaben rund 1.800 Beschäftigte.

Schließungen bis Ende 2028

In Tübingen soll Ende 2027 Schluss sein, in Marburg Anfang 2028 und in Idar-Oberstein Ende 2028. BioNTech begründet die Entscheidung im Wesentlichen mit dem schwierigen Markt- und Investitionsumfeld.

Für eine sozialverträgliche Gestaltung vereinbarte das Unternehmen mit dem Konzernbetriebsrat ergänzende Abfindungskonditionen. Einzelheiten dazu wurden zunächst nicht genannt.

Standorte mit unterschiedlichen Aufgaben

Im Marburger Werk wurden bislang Covid-19-Impfstoffe auf mRNA-Basis sowie Plasmid-DNA hergestellt. Das Werk liegt auf dem Gelände der historischen Behringwerke und war einst von Novartis übernommen worden.

In Idar-Oberstein produziert BioNTech unter anderem Therapeutika für frühe klinische Entwicklungsphasen. Der Tübinger Standort ist der Sitz von Curevac, dessen Übernahme BioNTech im Sommer 2025 angekündigt hatte.

Verkaufsversuche ohne Abschluss

Interne Experten und professionelle Makler loteten nach Unternehmensangaben Verkäufe aus. Angesprochen worden seien internationale, nationale und mittelständische Firmen sowie Investoren aus Bereichen wie mRNA, Antikörper, Plasmide, Zell- und Gentherapie. Für alle drei Standorte habe es Prüfungen und vertrauliche Gespräche gegeben, zu einem Abschluss sei es jedoch nicht gekommen.

Die geplanten Schließungen hatte BioNTech bereits im Frühjahr mit geringer Auslastung, Überkapazitäten, Kosteneinsparungen und dem Schwerpunkt auf Krebsmedizin begründet. Anders als die drei Werke wurde die Berliner Tochter JPT Peptide Technologies mit rund 130 Beschäftigten von der Münchner Dubag Group übernommen.

Hohe Verluste und Führungswechsel

BioNTech hatte gemeinsam mit Pfizer den ersten zugelassenen Covid-19-Impfstoff entwickelt und damit Milliarden verdient. Die Nachfrage nach dem Impfstoff geht jedoch seit Jahren zurück; ein weiteres zugelassenes Produkt hat das Unternehmen bislang nicht.

In den ersten sechs Monaten dieses Jahres verzeichnete BioNTech einen Verlust von 1,35 Milliarden Euro nach 802,4 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Die Mitgründer Ugur Sahin und Özlem Türeci sollen spätestens Ende 2026 ausscheiden und mit Arife ein neues Unternehmen für mRNA-Medikamente aufbauen, zugleich aber Anteilseigner von BioNTech bleiben.

Sahins Nachfolger als Vorstandsvorsitzender soll spätestens zum 1. Februar 2027 Guido Oelkers werden. Er kommt vom schwedischen Biopharma-Unternehmen Swedish Orphan Biovitrum.

Vom Impfstoffboom zur Neuordnung

Die angekündigten Schließungen markieren den tiefgreifenden Wandel des Geschäftsmodells von BioNTech. Während der Pandemie hatte die außergewöhnlich hohe Nachfrage nach Covid-19-Impfstoffen den schnellen Ausbau von Produktions- und Forschungskapazitäten wirtschaftlich getragen. Mit dem dauerhaften Rückgang der Impfstoffnachfrage werden diese Kapazitäten jedoch zum Kostenfaktor, wenn sie nicht ausreichend ausgelastet sind.

BioNTech richtet seine Entwicklung deshalb stärker auf die Onkologie und andere mRNA-basierte Therapien aus. Dieser strategische Wechsel erfordert hohe Investitionen, lange klinische Entwicklungszeiten und bringt zunächst erhebliche finanzielle Risiken mit sich. Die Verluste im laufenden Jahr erhöhen den Druck, Ausgaben zu senken und Ressourcen auf Projekte mit langfristigem Wachstumspotenzial zu konzentrieren.

Bedeutung für die Regionen

Für Idar-Oberstein, Marburg und Tübingen bedeutet die Entscheidung einen schrittweisen Abbau industrieller Wertschöpfung und den Verlust von rund 1.800 Arbeitsplätzen. Die langen Übergangsfristen bis Ende 2027 beziehungsweise 2028 schaffen Zeit für Abfindungen, neue Beschäftigungsmöglichkeiten und Gespräche mit möglichen Folgenutzern. Sie ändern jedoch nichts daran, dass spezialisierte Produktions- und Entwicklungskompetenzen an den Standorten perspektivisch verloren gehen können.

Besonders relevant ist die Entwicklung für Deutschland als Biotechnologie- und Pharmastandort. Die gescheiterten Verkaufsversuche zeigen, dass vorhandene Anlagen nicht automatisch neue Investoren anziehen, wenn Finanzierung, Nachfrage und regulatorische Anforderungen zugleich unter Druck stehen. Für die Beschäftigten und Kommunen wird entscheidend sein, ob sich bis zur Schließung neue industrielle Nutzungen oder qualifizierte Ersatzarbeitsplätze entwickeln.

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