BioNTech meldet 184,5 Millionen Euro Gewinn im Quartal
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 14:34 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBioNTech ordnet Forschung und Führung neu
- BioNTech erzielte im dritten Quartal 2026 einen Nettogewinn von 184,5 Millionen Euro.
- Für die ersten neun Monate weist das Mainzer Unternehmen einen Verlust von 1,17 Milliarden Euro aus.
- Ugur Sahin und Özlem Türeci sollen bis spätestens Ende 2026 zu ihrem neuen Unternehmen Arife wechseln.
BioNTech erzielt Quartalsgewinn vor Gründer-Abschied
Wenige Wochen vor dem angekündigten Abschied der Mitbegründer Ugur Sahin und Özlem Türeci hat BioNTech für das dritte Quartal 2026 einen Nettogewinn von 184,5 Millionen Euro gemeldet. Für die ersten neun Monate steht bei dem Mainzer Pharmaunternehmen dennoch ein Verlust von 1,17 Milliarden Euro zu Buche.
Gewinn trotz rückläufiger Erlöse
Der Quartalsgewinn lag deutlich über dem Verlust von 28,7 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Die Erlöse sanken zugleich von 1,52 Milliarden auf 1,29 Milliarden Euro; im Vorjahr hatte BioNTech von Zahlungen des US-Konzerns Bristol Myers Squibb profitiert.
Forschung belastet Bilanz
BioNTech investiert umfangreich in Forschung und Entwicklung, vor allem in Krebstherapien. Das Geschäft mit Covid-19-Impfstoffen ist dagegen stark geschrumpft, weshalb das Unternehmen unter anderem die Schließung der Standorte Idar-Oberstein, Marburg und Tübingen angekündigt hat.
In Tübingen soll Ende 2027 Schluss sein, in Marburg Anfang 2028 und in Idar-Oberstein Ende 2028. Nach Unternehmensangaben sind etwa 1.800 Beschäftigte betroffen.
Umsatzprognose für 2026 angehoben
BioNTech grenzt seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr nun auf 1,7 bis 1,9 Milliarden Euro ein. Zuvor hatte die Spanne bei 1,6 bis 1,9 Milliarden Euro gelegen.
Finanzvorstand Ramón Zapata sagte laut Mitteilung, die Geschäftsentwicklung im dritten Quartal erlaube die Eingrenzung der Prognose im oberen Bereich.
Gespräche über Rechte und Technologien
Sahin und Türeci werden BioNTech bis spätestens Ende dieses Jahres verlassen und zu ihrem neuen Unternehmen Arife wechseln. Die ebenfalls in Mainz ansässige Firma soll sich mit der Erforschung, Entwicklung, Herstellung und Vermarktung pharmazeutischer Produkte befassen.
Gespräche darüber, ob Rechte und mRNA-Technologien von BioNTech in Arife eingebracht werden, laufen weiter. Im Gegenzug könnten BioNTech eine Minderheitsbeteiligung an Arife und Lizenzgebühren zufließen; eine bindende Vereinbarung ist nach Angaben des Unternehmens jedoch noch nicht beschlossen.
BioNTech steht vor einem ungewöhnlichen Übergang: Das Unternehmen erzielt im dritten Quartal wieder einen Gewinn, muss zugleich aber hohe Entwicklungskosten und den bevorstehenden Weggang seiner Gründer verkraften. Der Quartalsgewinn ändert deshalb wenig daran, dass die Neunmonatsbilanz tief im Minus liegt.
Der wirtschaftliche Druck hängt wesentlich mit dem Einbruch des Covid-19-Impfstoffgeschäfts zusammen. BioNTech versucht, die daraus entstandene Lücke mit einer breiten Pipeline in der Krebsmedizin zu schließen. Solche Programme erfordern über Jahre hohe Investitionen, bevor Zulassungen und nennenswerte Erlöse möglich werden.
Umbau mit Folgen für Standorte
Die angekündigten Schließungen in Idar-Oberstein, Marburg und Tübingen zeigen, dass der Konzern seine Kapazitäten an die veränderte Geschäftslage anpasst. Rund 1.800 Beschäftigte sind betroffen; die Stilllegungen sollen zwischen Ende 2027 und Ende 2028 erfolgen. Für die betroffenen Regionen bedeutet dies einen schrittweisen Abbau industrieller und wissenschaftlicher Arbeitsplätze.
Mit dem Wechsel von Ugur Sahin und Özlem Türeci zu Arife steht zusätzlich die Führungs- und Eigentümerstruktur im Mittelpunkt. Entscheidend ist, ob BioNTech Rechte oder Technologien in das neue Unternehmen einbringt und dafür eine Beteiligung sowie Lizenzzahlungen erhält. Eine solche Vereinbarung könnte die Verbindung zwischen beiden Firmen prägen, ist aber noch nicht beschlossen.
Finanzielle Perspektive
Die angehobene Umsatzprognose für 2026 signalisiert kurzfristig eine stabilere Entwicklung. Langfristig bleibt BioNTech jedoch darauf angewiesen, dass die Forschungspipeline in der Onkologie erfolgreich ist und neue Produkte den Rückgang bei Covid-19-Impfstoffen ausgleichen.
