Biontech-Betriebsrat: Brief an den Vorstand beklagt Angst und Stillstand
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 01:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer Betriebsrat des Mainzer Unternehmens Biontech hat in einem Brief an den Vorstand schwere Vorwürfe gegen die Führungsebene erhoben. In dem Schreiben, das der Unternehmensleitung am Montagabend, dem 2. November 2026, zugestellt wurde, übt die Arbeitnehmervertretung deutliche Kritik am Umgang mit den Mitarbeitenden.
Neben bestehenden Zukunfts- und Arbeitsplatzängsten beklagt das Gremium einen Zustand des Stillstands bei wichtigen Entscheidungen und fordert mehr Klarheit sowie Verlässlichkeit von den Verantwortlichen.
Vorwürfe über Diskriminierung und Untätigkeit der Führung
In dem Schreiben verweist der Betriebsrat auf erschütternde Berichte über Rassismus und Drohungen innerhalb des Betriebs. Mitarbeitende fühlten sich mit ihren Belastungen und Sorgen von den Verantwortlichen allein gelassen. Zudem führt die Arbeitnehmervertretung konkrete Meldungen über Sexismus, Diskriminierung und toxische Situationen am Arbeitsplatz an.
Aus Furcht vor Repressalien hätten betroffene Beschäftigte viele Vorfälle nicht offiziell gemeldet. Führungskräfte hätten interne Anliegen nicht gelöst, sondern vertröstend darauf verwiesen, dass man auf den künftigen Vorstandsvorsitzenden Guido Oelkers warten müsse. Dadurch habe sich ein Vakuum gebildet, das die Belegschaft verunsichere.
Reaktion des Vorstands auf die Vorwürfe
Das Unternehmen reagierte auf das Schreiben mit der Erklärung, die vorgebrachten Kritikpunkte sehr ernst zu nehmen. Man suche aktiv den Dialog mit der Belegschaft und dem Betriebsrat, um die aufgeworfenen Probleme aufzuarbeiten. Zudem betonte die Unternehmensführung, dass im Haus keinerlei Diskriminierung toleriert werde.
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Zugleich wies Biontech den Vorwurf eines operativen Stillstands zurück. Zur Begründung verwies das Unternehmen auf die erzielten Fortschritte in der Forschung und Entwicklung: In den ersten neun Monaten des Jahres 2026 habe das Unternehmen 15 klinische Meilensteine erreicht, was die Handlungsfähigkeit im operativen Tagesgeschäft unterstreiche.
Umfangreicher Umbau und personelle Zäsur
Die interne Auseinandersetzung fällt in eine phase tiefgreifender Umstrukturierungen. Biontech hatte zuvor die Schließung mehrerer Standorte angekündigt: Der Standort Tübingen soll Ende 2027 geschlossen werden, das Werk in Marburg Anfang 2028 und die Niederlassung in Idar-Oberstein Ende 2028. Von diesen Maßnahmen sind insgesamt rund 1.800 Beschäftigte betroffen.
Parallel dazu steht ein personeller Führungswechsel an. Die Mitbegründer U?ur ?ahin und Özlem Türeci scheiden spätestens Ende 2026 aus dem Vorstand aus, um zum Unternehmen Arife zu wechseln. Die Nachfolge für Türeci ist derzeit noch offen.
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Die operative Führung des Konzerns übernimmt Guido Oelkers, der von Swedish Orphan Biovitrum kommt und spätestens zum 1. Februar 2027 den Vorstandsvorsitz antritt. Ob mRNA-Rechte von Biontech in das Unternehmen Arife eingebracht werden, ist nach Unternehmensangaben noch unklar; entsprechende Gespräche laufen, wobei eine solche Vereinbarung optional sei.
Finanzielle Entwicklung im laufenden Geschäftsjahr
Trotz der internen Spannungen verzeichnete Biontech im dritten Quartal 2026 eine Erholung des operativen Ergebnisses. Das Unternehmen erzielte im dritten Quartal einen Nettogewinn von 184,5 Millionen Euro, nachdem im Vorjahresquartal noch ein Verlust von 28,7 Millionen Euro angefallen war.
Über die gesamten ersten neun Monate 2026 summiert sich der Verlust hingegen auf 1,17 Milliarden Euro, verglichen mit einem Fehlbetrag von 831,1 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr 2026 hob das Management die Umsatzprognose leicht an und rechnet nun mit Erlösen zwischen 1,7 und 1,9 Milliarden Euro, nachdem zuvor 1,6 bis 1,9 Milliarden Euro erwartet worden waren.
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