Ökolandbau, Bio-Lebensmittel

Bio-Markt wächst auf 14,08 Milliarden Euro, Höfe gehen zurück

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 13:34 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln steigt 2026 auf 14,08 Milliarden Euro, während die Zahl der Bio-Höfe leicht sinkt. Die neue Statistik zeigt zudem einen großen Abstand zum früheren Ziel von 30 Prozent Öko-Fläche bis 2030.

Bio-Anteil bleibt weit hinter Ziel

  • Das Bundeslandwirtschaftsministerium weist für das vergangene Jahr rund 1,9 Millionen Hektar Öko-Fläche aus.
  • 28.150 Bio-Höfe entsprechen 11,2 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe.
  • Das Ziel von 30 Prozent Öko-Fläche bis 2030 stammt noch von der Ampel-Koalition.
Der Ökolandbau auf deutschen Feldern wächst weiterhin nur verhalten. (Archivbild) - Bild: picture alliance / Julian Stratenschulte/dpa

Bio-Nachfrage steigt schneller als Öko-Fläche

Der deutsche Bio-Markt wächst, doch die ökologische Landwirtschaft kommt auf den Feldern nur langsam voran. Im vergangenen Jahr wurden 11,4 Prozent der gesamten Agrarfläche ökologisch bewirtschaftet, während die Zahl der Bio-Höfe auf 28.150 sank.

Neue Statistik erfasst Betriebe einheitlich

Das entspricht 11,2 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe. Erstmals beruhen die Angaben auf der Datengrundlage des Statistischen Bundesamtes, die für ökologische und konventionelle Betriebe dieselben Erfassungsgrenzen verwendet.

Zuvor wurden bei Bio auch sehr kleine Höfe mit weniger als fünf Hektar berücksichtigt. Deshalb sind die neuen Werte nicht unmittelbar mit früheren Angaben vergleichbar. Die Öko-Fläche nahm zugleich leicht auf rund 1,9 Millionen Hektar zu.

Weniger Höfe bewirtschaften mehr Fläche

Das Ministerium führt die Entwicklung auf den allgemeinen Strukturwandel in der Landwirtschaft zurück. Weniger Betriebe bewirtschaften im Durchschnitt größere Flächen, während weiterhin Höfe auf ökologische Produktion umstellen.

Andere Bio-Betriebe werden aufgegeben, etwa weil eine Nachfolge fehlt oder die Bewirtschaftung wieder konventionell erfolgen soll. Für die Umstellung spielen auch die Kosten eine Rolle: Mechanische Bodenbearbeitung kann mehr Diesel- und Maschinenaufwand verursachen, während chemisch-synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel im Ökolandbau nicht eingesetzt werden.

Bio-Umsatz steigt auf 14,08 Milliarden Euro

Die Nachfrage nach Bio-Produkten wächst trotz eines Dämpfers im Inflationsjahr 2022 weiter. In den ersten neun Monaten 2026 stieg der Umsatz um 4,3 Prozent auf 14,08 Milliarden Euro.

Der Bio-Anteil am Lebensmittelmarkt erreichte im dritten Quartal 2026 erstmals 8,1 Prozent. Die Verbandschefin Tina Andres forderte bessere Bedingungen für heimische Bio-Produktion und mehr Unterstützung für umstellungswillige Höfe.

Foodwatch warnt vor schneller Massenmarkt-Eroberung

Foodwatch fordert einen umfassenderen Umbau der Landwirtschaft. Geschäftsführer Chris Methmann sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Bio bleibt eine Nische.“ Die Organisation verlangt unter anderem eine Halbierung der Tierbestände und ein Ende des Pestizideinsatzes.

Das frühere politische Ziel eines Öko-Flächenanteils von 30 Prozent bis 2030 bleibt weit entfernt. Die Umstellung der Statistik macht zugleich deutlich, dass die Entwicklung künftig auf einer einheitlicheren Grundlage gemessen werden soll.

Der deutsche Bio-Markt und die heimische Erzeugung entwickeln sich derzeit unterschiedlich. Während der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln in den ersten neun Monaten 2026 um 4,3 Prozent auf 14,08 Milliarden Euro stieg, nahm die ökologisch bewirtschaftete Fläche nur leicht auf rund 1,9 Millionen Hektar zu.

Die neue Statistik erschwert den direkten Vergleich mit früheren Angaben. Weil nun für ökologische und konventionelle Betriebe dieselben Erfassungsgrenzen gelten, werden sehr kleine Bio-Höfe nicht mehr einbezogen. Der ausgewiesene Flächenanteil von 11,4 Prozent liegt deshalb nicht unmittelbar auf derselben methodischen Grundlage wie die zuletzt nach alten Kriterien ermittelten 11,5 Prozent für 2024.

Strukturwandel bremst Wachstum

Der Rückgang auf 28.150 Bio-Betriebe steht zugleich für einen allgemeinen Strukturwandel: Weniger Höfe bewirtschaften im Durchschnitt größere Flächen. Für die Versorgung des wachsenden Marktes ist entscheidend, ob diese Entwicklung die heimische Produktion ausreichend wachsen lässt oder ob Händler zusätzliche Ware aus dem Ausland beziehen müssen.

Für Betriebe bleibt die Umstellung eine wirtschaftliche Abwägung. Mechanische Unkrautbekämpfung kann mehr Arbeits- und Maschinenaufwand verursachen, während Bio-Produkte höhere Erlöse ermöglichen. Hohe Lebensmittelpreise begrenzen zugleich die Nachfrage bestimmter Haushalte und erschweren einen schnellen Übergang vom Nischen- zum Massenmarkt.

Große Lücke zum politischen Ziel

Der Abstand zum Ziel eines Öko-Flächenanteils von 30 Prozent bis 2030 bleibt erheblich. Dafür müsste die Fläche in wenigen Jahren deutlich schneller wachsen als zuletzt. Entscheidend sind daher verlässliche Absatzmöglichkeiten, Beratung, Investitionssicherheit und eine Nachfrage, die höhere Produktionskosten dauerhaft trägt.

Deutschlandfunk: „Zahl der Bio-Bauernhöfe geht leicht zurück“ (03.11.2026)

Der Beitrag bestätigt den leichten Rückgang der Zahl der Bio-Betriebe und ordnet ein, dass etwa ein Neuntel der landwirtschaftlichen Betriebe ein Biosiegel trägt. Einen eigenen Schwerpunkt auf die Umsatzentwicklung des Bio-Marktes setzt der Artikel nicht.

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