Bildschirmarbeit: 20-20-20-Regel soll Augenbelastung im Job mindern
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 09:43 Uhr | Redaktion boerse-global.deFachquellen und Arbeitsschutzexperten rücken die Notwendigkeit von Sicherheitsschulungen an Bildschirmarbeitsplätzen sowie die gesundheitlichen Folgen hoher Bildschirmzeiten verstärkt in den Fokus.
Sowohl im beruflichen Alltag als auch im privaten Umfeld führt die intensive Nutzung digitaler Endgeräte zunehmend zu körperlichen und mentalen Belastungen. Fachleute weisen darauf hin, dass neben technischer Ausstattung vor allem verändertes Nutzungsverhalten und organisatorische Maßnahmen entscheidend sind.
Ergonomie am Arbeitsplatz: Bewegung wichtiger als Hardware
Dr. Britta Weber, Referatsleiterin für die Gestaltung neuer Arbeitsformen am Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), betont, dass die wirksamste ergonomische Maßnahme überhaupt keine Hardwarekosten verursache.
Während Hilfsmittel wie Vertikalmäuse, geteilte Tastaturen oder Geh-Laufbänder boomen, bleibe das Einlegen regelmäßiger Bewegungspausen ein seit Jahrzehnten ungelöstes Kernproblem.
Typische Beschwerden bei anhaltender Bildschirmarbeit seien Rückenschmerzen, Verspannungen im Nacken sowie brennende Augen. Durch den Trend zum Homeoffice verlagere sich die Tätigkeit zudem vermehrt auf kompakte Notebooks, wodurch die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit weiter verschwimme.
Zu den grundlegenden ergonomischen Empfehlungen der Krankenkasse DAK gehört eine angepasste Haltung: Die Füße sollten flach auf dem Boden stehen, die Oberschenkel waagerecht positioniert sein und der Monitor etwa eine Armlänge entfernt stehen. Die oberste Zeile des Bildschirms sollte knapp unterhalb der Augenhöhe liegen, während das Licht idealerweise von der Seite einfällt.
Im Homeoffice rät die Kasse davon ab, Laptops dauerhaft flach auf den Tisch zu stellen; statstereien separate Tastaturen und Laptopständer ratsam. Zudem sollten Beschäftigte etwa einmal pro Stunde aufstehen, da Erwachsene im Schnitt mehr als zehn Stunden täglich sitzend verbringen.
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Augenbelastung und digitale Erschöpfung nehmen zu
Laut Studien verbringen Menschen weltweit im Durchschnitt rund sieben Stunden pro Tag an Bildschirmen. Wie Fachberichte zeigen, kann sich eine digitale Überlastung der Augen bereits nach zwei Stunden bemerkbar machen.
Nach den Ergebnissen einer europäischen Umfrage aus dem Jahr 2024 litten 70 Prozent der Brillenträger unter Beschwerden durch digitale Augenbelastung. Nahezu jede zweite Person gab Kontaktlinsen aufgrund von mangelndem Komfort oder trockenen Augen auf.
Klinikexperten der indischen Yashoda Hospitals weisen darauf hin, dass IT-Beschäftigte besonders häufig unter digitaler Augenbelastung und dem Karpaltunnelsyndrom leiden. Verantwortlich dafür seien statische Haltungen, das Vorbeugen zum Monitor und repetitive Maus- sowie Tastaturbewegungen.
Als Gegenmaßnahme wird unter anderem die sogenannte 20-20-20-Regel genannt: Alle 20 Minuten sollten Beschäftigte für 20 Sekunden auf einen Punkt in sechs Metern Entfernung blicken.
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Neben körperlichen Beschwerden rückt auch die mentale Erschöpfung in den Blickpunkt. Nach Angaben von Ieva Sipavi?i?t?, Fachkraft für öffentliche Gesundheit bei der litauischen Organisation „Vilnius sveikiau“, resultiert digitale Fatigue nicht allein aus der reinen Bildschirmzeit, sondern vor allem aus ständiger Erreichbarkeit und permanenten Aufmerksamkeitswechseln.
Zu den Begleiterscheinungen zählen Konzentrationsprobleme, Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Reizbarkeit. Fachleute empfehlen daher bewusste Pausen ohne Smartphone und das Deaktivieren von Benachrichtigungen.
Gesetzliche Rahmenbedingungen und Vorsorgeangebote
In Deutschland schützt Paragraf 618 des Bürgerlichen Gesetzbuches Leben und Gesundheit der Beschäftigten, während das Arbeitsschutzgesetz und die Arbeitsstättenverordnung die Pflichten der Arbeitgeber konkretisieren.
Bei regelmäßiger Bildschirmarbeit besteht zudem Anspruch auf eine arbeitsmedizinische Vorsorge, die auch eine Überprüfung des Sehvermögens umfasst, da sich die Sehkraft ab Mitte vierzig oft schleichend verändert. Zur Orientierung in Betrieben hat die DGUV mit dem Erfahrungsschatz Arbeitsgestaltung ein kostenfreies Praxiswerkzeug zur Erfassung von Belastungen bereitgestellt.
