BGM-Reform, Teilarbeitsunfähigkeit

BGM-Reform: Neue Teilarbeitsunfähigkeit kommt

01.05.2026 - 05:57:37 | boerse-global.de

Bundeskabinett beschließt Teilarbeitsunfähigkeit für schrittweise Rückkehr. Studien zeigen steigende psychische und ergonomische Belastungen im Homeoffice.

BGM-Reform: Neue Teilarbeitsunfähigkeit kommt - Foto: über boerse-global.de
BGM-Reform: Neue Teilarbeitsunfähigkeit kommt - Foto: über boerse-global.de

Kernstück: die Einführung einer Teilarbeitsunfähigkeit. Das soll langzeiterkrankten Mitarbeitern die schrittweise Rückkehr an den Arbeitsplatz erleichtern.

Parallel dazu zeigen aktuelle Studien: Psychosoziale Belastungen und ergonomische Defizite im Homeoffice nehmen zu. Unternehmen stehen unter Druck, Gesundheitsförderung als strategischen Faktor zu begreifen – nicht mehr nur als nettes Extra.

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Teilarbeitsunfähigkeit: Schrittweise Rückkehr statt Vollbelastung

Das Bundeskabinett beschloss die Neuregelung am 29. April. Arbeitnehmer mit einer voraussichtlichen Arbeitsunfähigkeit von über vier Wochen können künftig ihre Tätigkeit schrittweise wieder aufnehmen. Ärztlich festgestellte Arbeitsumfänge von 25, 50 oder 75 Prozent der regulären Zeit sind vorgesehen.

Der Arbeitgeber muss einem entsprechenden Vorschlag innerhalb von sieben Tagen zustimmen. Experte Prof. David Matusiewicz spricht von einem notwendigen Paradigmenwechsel – besonders bei psychischen Erkrankungen, Wirbelsäulenproblemen oder Krebserkrankungen.

Branchenvertreter wie Bastian Schmidtbleicher-Lück bezeichnen die Regelung als überfällig. Gleichzeitig warnen sie vor der administrativen Komplexität. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) sieht zudem Mehraufwand für Mediziner. Unternehmen sollten auf das Prinzip der doppelten Freiwilligkeit setzen, um Präsentismus zu vermeiden.

Physische Ergonomie: Tech Neck schon bei Zwanzigjährigen

Muskuloskelettale Erkrankungen (MSK) bleiben eine enorme Belastung. 2024 machten sie fast 20 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage aus. Jährlich verursachen sie vermeidbare Kosten von rund 90 Milliarden US-Dollar.

Orthopäden beobachten: Schmerzsymptome treten aufgrund von prolongiertem Sitzen und schlecht ausgestatteten Homeoffice-Plätzen bereits in den 20ern und 30ern auf. Ein ansatz zur Prävention kommt aus der Sportmedizin: Nackentrainingsprogramme, wie bei Rennfahrern üblich, sollen dem sogenannten „Tech Neck“ entgegenwirken.

Schon eine Kopfneigung von 15 Grad verdoppelt die Belastung für die Halswirbelsäule. Experten empfehlen spezifische Übungen von 10 bis 15 Minuten, zwei- bis dreimal pro Woche.

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Wenn langes Sitzen im Homeoffice zu Nackenschmerzen und Verspannungen führt, hilft oft schon ein minimaler zeitlicher Aufwand, um gegenzusteuern. Orthopädie-Experte Prof. Dr. Wessinghage verrät in diesem Gratis-Ratgeber 17 einfache Übungen, die in nur 3 Minuten täglich die Muskulatur stärken. 3-Minuten-Wunderübungen kostenlos herunterladen

Der höhenverstellbare Schreibtisch hat sich zum Standard entwickelt. Laut Daten der Digitec Galaxus AG sind aktuell acht von zehn verkauften Schreibtischen höhenverstellbar – 2021 waren es nur 22 Prozent. Im Homeoffice sieht das anders aus: Eine SECO-Studie zeigt, dass zwei Dritteln der dort Arbeitenden ein entsprechender Tisch fehlt.

Psychische Risiken: Jeder Zweite fühlt sich belastet

Das Ende April veröffentlichte „DGUV Barometer Arbeitswelt 2026“ zeigt: Die Hälfte der Erwerbstätigen empfindet Belastungen durch die Arbeitsorganisation – häufige Unterbrechungen, hohe Intensität. 45 Prozent sehen Zeitdruck als wesentliche Unfallursache.

Der Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen (BÖP) bestätigt: 60 Prozent der Erwerbstätigen fühlen sich psychischen Risiken ausgesetzt. 2025 waren bereits elf Prozent aller Krankenstände psychisch bedingt. Frauen sind bei Langzeitkrankenständen besonders betroffen.

Die EU-OSHA reagiert mit der Kampagne „Healthy Workplaces 2026-2028“ unter dem Motto „Gemeinsam für psychische Gesundheit am Arbeitsplatz“.

Auch die psychologische Sicherheit im Team wird messbar. In einer britischen Untersuchung fühlen sich 77 Prozent der Mitarbeiter sicher, ihre Meinung offen zu äußern – aber nur 63 Prozent der Führungskräfte glauben das. In Unternehmen mit hohem Reifegrad bei Sicherheitskulturen steigt der Wert auf 90 Prozent.

Strategische Gesundheitsförderung: Wirtschaftlicher Faktor

Investitionen in Mitarbeitergesundheit rechnen sich. Versteckte Personalkosten durch Krankheitstage, Fluktuation und Vakanzen können bis zu 20 Prozent der Lohnsumme ausmachen. Eine betriebliche Krankenversicherung (bKV) kann Fehlzeiten um 0,1 bis 0,8 Tage pro Jahr reduzieren.

Eine Roland-Berger-Studie zeigt: Unternehmen nutzen im Durchschnitt sechs verschiedene Gesundheits-Benefits. Ziele sind Mitarbeiterbindung (89 Prozent) und Wohlbefinden (77 Prozent). 68 Prozent der Beschäftigten wünschen sich eine betriebliche Krankenversicherung mit Leistungen wie Facharztvermittlung oder psychologischem Coaching.

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) richtet ihre Strategie neu aus. Das Forschungsprogramm 2026-2029 widmet sich dem Erhalt der Arbeitsfähigkeit („Stay at Work“) und den Auswirkungen künstlicher Intelligenz auf das Stresslevel.

Ausblick: Digitale Arbeitsmedizin für KMU

Für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) wird die Integration digitaler Anwendungen entscheidend sein. Sie beschäftigen rund 55 Prozent der Arbeitnehmer. Organisationen wie die BGW und die DGAUM starten Projekte zu telemedizinischen Sprechstunden und digitalen Gefährdungsbeurteilungen.

Das betriebliche Gesundheitsmanagement entwickelt sich weg von Einzelmaßnahmen hin zu einer ganzheitlichen Präventionskultur. Dazu gehören ergonomische Möbel, Ernährungssensibilisierung und angepasste Arbeitszeiten in der Schichtarbeit. Die Verknüpfung von Arbeitssicherheit, psychischer Gesundheit und Technologie wird darüber entscheiden, wie resilient Unternehmen künftigen Herausforderungen begegnen.

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