RCI, VdL

BG RCI und VdL: Freigabescheine für Schweißarbeiten sind Pflicht

Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 06:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Artikel erläutert Schutzmaßnahmen für Pressen, von Freigabeverfahren und Maschinensicherungen bis zur Wartung hydraulischer Anlagen.
Industrielle Fertigungshalle mit einer schweren Metallpresse und Sicherheitsabsperrungen in einer sauberen Arbeitsumgebung. Illustration mit AI erstellt.

Die Norm DIN EN ISO 10882-2 regelt zentrale Vorgaben für Gesundheit und Sicherheit beim Schweißen und verwandten Verfahren an industriellen Arbeitsplätzen. Zusammen mit berufsgenossenschaftlichen Regelwerken dient das Regelwerk dazu, Gefährdungen durch Schadstoffe, thermische Belastungen und mechanische Einwirkungen systematisch einzudämmen.

Neben den Fügeverfahren erfordern insbesondere Arbeiten an industriellen Pressen und Umformanlagen ein engmaschiges Geflecht aus technischen Barrieren, organisatorischen Schutzkonzepten und verbindlichen Freigabeverfahren.

Freigabescheinpflicht und Fremdfirmenkoordination nach Vision Zero

Für gefahrgeneigte Tätigkeiten gelten in Industrieunternehmen strikte organisatorische Abläufe. Die Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI) und der Verband der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie (VdL) definieren einen Freigabeschein als zwingende Pflicht für Schweißarbeiten sowie für Eingriffe an Elektroanlagen, Behältereinstiege, Arbeiten in engen Räumen, bei Absturzgefahr und im Umgang mit Gefahrstoffen.

Im Rahmen des Präventionskonzepts Vision Zero beschreiben BG RCI und VdL klare Vorgaben für den Einsatz von Fremdfirmen, etwa in Lack- und Druckfarbenbetrieben. Vor Arbeitsbeginn ist demnach stets eine fundierte Gefährdungsbeurteilung durchzuführen.

Zudem müssen Betriebe eine koordinierende Person benennen, schriftliche Freigabescheine ausstellen und standardisierte Lockout-Tagout-Verfahren (LOTO) zur sicheren Energietrennung anwenden. Als fachliche Grundlagen dieser Kooperation verweisen VdL und BG RCI auf die DGUV Information 215-830 sowie das BG RCI Merkblatt KB035 zur Umsetzung von LOTO.

Anzeige

Wer sich mit der Koordination externer Dienstleister befasst, trägt eine hohe Verantwortung für die Sicherheit auf dem Betriebsgelände. Diese kostenlose Vorlage unterstützt Sie dabei, die Unterweisung von Fremdfirmen rechtssicher zu dokumentieren und Haftungsrisiken zu minimieren. Unterweisung von Fremdfirmen: Jetzt rechtssicher dokumentieren – mit kostenloser Word-Vorlage

Maschinelle Schutzsysteme an industriellen Pressen

Im laufenden Betrieb von Pressen und Stanzen bildet die physische Trennung von Bedienpersonal und Gefahrenbereich das zentrale Schutzprinzip. Technische Barrieren umfassen permanente, feste Schutzgitter, die sich ausschließlich unter Einsatz von Werkzeug entfernen lassen, sowie verriegelte Vorrichtungen, die beim Öffnen einen sofortigen Maschinenstopp auslösen.

Ergänzend kommen verstellbare Abdeckungen und berührungslos wirkende Schutzeinrichtungen zum Einsatz. Hierzu zählen optoelektronische Lichtgitter auf Basis von Infrarotstrahlen, die den Arbeitszyklus bei einer Strahlunterbrechung unterbrechen, sowie Zwei-Hand-Steuerungen, die eine Betätigung beider Hände an räumlich getrennten Bedientasten verlangen. Rückzieh- und Rückhaltevorrichtungen gelten als weniger verbreitete Alternativen.

Für Arbeitsbereiche mit regelmäßigem Zugriff werden aktive Schutzsysteme als notwendig erachtet, flankiert von kontinuierlich dokumentierten Inspektionen. Im europäischen Binnenmarkt setzt das Inverkehrbringen und die CE-Kennzeichnung von Pressen die Erfüllung der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG voraus, wobei harmonisierte Sicherheitsnormen wie EN ISO 16092-1 maßgebliche Standards für den Maschinenschutz definieren.

Anzeige

Die Einhaltung technischer Schutzprinzipien an Pressen und Stanzen erfordert eine präzise Dokumentation und klare Anweisungen für das Personal. Mit dieser kostenlosen Word-Vorlage erstellen Sie in wenigen Minuten rechtssichere Betriebsanweisungen für Maschinen und schützen Ihren Betrieb vor Bußgeldern. Rechtssichere Betriebsanweisung für Maschinen in wenigen Minuten erstellen

Spezifische Risiken hydraulischer Systeme und Instandhaltung

Bei hydraulisch angetriebenen Pressen treten zu den mechanischen Quetschgefahren zusätzliche Risiken durch Betriebsmittel unter hohem Druck hinzu. Vorgeschrieben sind integrierte Druckbegrenzungsventile gegen unzulässigen Überdruck, gekoppelt mit verriegelten Schutzeinrichtungen, Zwei-Hand-Schaltungen und Not-Aus-Tastern.

Als erhebliche Gefahrenquelle gilt austretende Hochdruck-Hydraulikflüssigkeit, die schwere Injektionsverletzungen verursachen kann. Undichtigkeiten und Leckagen dürfen daher unter keinen Umständen mit der bloßen Hand geprüft werden.

Für die dauerhafte Betriebssicherheit hydraulischer Anlagen sind regelmäßige Prüfungen und Wartungen von Druckschläuchen, Dichtungen sowie tragenden Strukturteilen vorgesehen. Wartungsarbeiten verlangen die konsequente Absicherung über Lockout-Tagout-Verfahren, um unbeabsichtigte Wiederanläufe oder Druckentladungen auszuschließen.

Als Orientierung für die Beschaffung gilt unter anderem der Standard ANSI B11.2. Abgerundet werden die Schutzkonzepte durch persönliche Schutzausrüstung wie Schutzbrillen, schnittfeste Handschuhe und Sicherheitsschuhe sowie betriebliche Rahmenbedingungen wie ausreichende Belüftung, elektrische Anlagensicherheit und vorbereitete Notfallpläne.

Disclaimer...
de | wirtschaft | 70379167 |