Betrug, Praktika

Betrug bei Praktika: Kriminelle nutzen KI für perfide Maschen

25.05.2026 - 01:30:26 | boerse-global.de

Kriminelle Netzwerke nutzen gefälschte Praktikumsangebote für Identitätsdiebstahl und finanzielle Ausbeutung in Deutschland.

Betrug bei Praktika: Kriminelle nutzen KI für perfide Maschen - Foto: über boerse-global.de
Betrug bei Praktika: Kriminelle nutzen KI für perfide Maschen - Foto: über boerse-global.de

Praktika galten lange als risikoarmer Einstieg ins Berufsleben – doch genau diese Positionen werden jetzt zur gefährlichen Falle. Kriminelle Netzwerke haben den deutschen Arbeitsmarkt als lukratives Ziel entdeckt.

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Von der Phishing-Mail zur KI-gesteuerten Masche

Die Methoden der Betrüger haben sich rasant weiterentwickelt. Was vor Jahren noch mit schlecht formulierten E-Mails begann, ist heute eine hochprofessionelle Industrie. Generative Künstliche Intelligenz (KI) erstellt täuschend echte Stellenanzeigen, perfekte HR-Profile auf LinkedIn und Xing – und sogar Deepfake-Videointerviews.

Die Fallzahlen sprechen eine deutliche Sprache: Zwischen Mai und Juli 2025 stiegen die Beschwerden über betrügerische Jobangebote weltweit um über 1.000 Prozent. Besonders betroffen: Deutschland, wo sich Kriminelle häufig als bekannte DAX-Konzerne oder renommierte Mittelständler ausgeben.

Die Kommunikation läuft längst nicht mehr per E-Mail. Erster Kontakt erfolgt heute meist über Messenger-Dienste wie WhatsApp oder Telegram. Die vermeintliche Ungezwungenheit dieser Kanäle nutzen Betrüger aus, um Bewerber schnell durch einen fingierten Onboarding-Prozess zu schleusen – bevor diese die Seriosität des Angebots prüfen können.

Die Video-Ident-Falle: Wenn die Bewerbung zum Albtraum wird

Eine der perfidesten Methoden zielt auf die Identität der Opfer ab. Die Verbraucherzentralen warnen seit Anfang 2026 vor der sogenannten „Video-Ident-Falle".

Der Ablauf: Ein Bewerber erhält ein vermeintliches Remote-Praktikum. Für die „Compliance-Prüfung" wird ein Video-Ident-Verfahren verlangt – doch der Bewerber führt dieses nicht für das Unternehmen durch, sondern zur Eröffnung eines Bankkontos bei einem digitalen Institut. Dieses Konto nutzen die Betrüger dann als „Money-Mule"-Konto für illegale Geschäfte.

Die Folgen für die Betroffenen sind verheerend: Ihre persönlichen Daten sind gestohlen, und sie geraten selbst unter Geldwäscheverdacht. Die Polizeiliche Kriminalstatistik für 2024 verzeichnete in Deutschland 131.391 registrierte Cybercrime-Fälle, hinzu kommen über 200.000 weitere Taten aus dem Ausland.

„Task Scamming": Wenn kleine Aufgaben zur Kostenfalle werden

Neben Identitätsdiebstahl bleibt die direkte finanzielle Ausbeutung ein Kerngeschäft der Betrüger. Ein wachsendes Phänomen ist das sogenannte „Task Scamming": Bewerber erhalten einfache, gut bezahlte Aufgaben – Hotels bewerten, Social-Media-Beiträge liken, Apps testen.

Die Masche: Für die ersten Aufgaben wird tatsächlich gezahlt. So entsteht Vertrauen. Dann folgt die Aufforderung, in höhere Gehaltsstufen aufzusteigen – gegen eine Vorauszahlung oder „Sicherheitsleistung" in Kryptowährung. Die versprochenen hohen Rückflüsse bleiben aus, das Geld ist weg.

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Häufig verlangen Betrüger auch Zahlungen für angebliche „Homeoffice-Ausrüstung" oder „Pflichtschulungen". Die versprochene Rückerstattung mit dem ersten Gehalt? Fehlanzeige. Der „Arbeitgeber" ist verschwunden.

Deutsche Gesetze – gut gemeint, aber oft wirkungslos

Das deutsche Arbeitsrecht bietet eigentlich Schutz: Nach dem Mindestlohngesetz müssen die meisten Praktika vergütet werden. Ausnahmen gelten nur für Pflichtpraktika oder Orientierungspraktika unter drei Monaten.

Doch genau diese Ausnahmen nutzen Betrüger. Sie bezeichnen die Stelle als „unbezahltes Orientierungspraktikum" oder „freiwillige Erprobung". Da die Täter meist außerhalb der EU agieren, sind deutsche Behörden machtlos.

Deutschland ist laut einem Bericht aus dem Jahr 2025 das zweithäufigste Ziel von Phishing-Angriffen weltweit – 14 Prozent aller globalen Phishing-Mails zielen auf den deutschen Markt. Besonders gefährdet sind junge Erwachsene zwischen 20 und 29 Jahren: Sie sind digital aktiv, auf Jobsuche und oft zu vertrauensselig.

Wirtschaftlicher Schaden in Milliardenhöhe

Die Entwicklung ist kein Einzelfall, sondern Symptom einer professionalisierten Schattenwirtschaft. Kriminelle Organisationen arbeiten mit industrieller Effizienz und spezialisierten „Initial Access Brokern", die gezielt nach verwundbaren Kandidaten suchen.

Die finanziellen Schäden sind enorm: Das Bundesinnenministerium bezifferte die Schäden durch Cyberangriffe für das Jahr 2024 auf 178,6 Milliarden Euro. Hinzu kommt der Vertrauensverlust: Seriöse Unternehmen leiden unter „Markenentführung", wenn ihr Name für Betrugsmaschen missbraucht wird.

Ausblick: Der Kampf wird härter

Experten rechnen mit einer weiteren Eskalation. Die neue Instant-Payment-Verordnung der EU ist ein zweischneidiges Schwert: Sie erleichtert zwar legitime Geschäfte, ermöglicht Betrügern aber den sofortigen, irreversiblen Abfluss von Geldern. Erste Daten aus dem Jahr 2025 zeigen einen Anstieg von Instant-Payment-Betrug um 110 Prozent in Regionen mit schneller Einführung.

Die Bundesagentur für Arbeit und Sicherheitsbehörden setzen auf „präventive Digitalkompetenz". Geplant sind strengere Verifikationspflichten für Jobportale und der verstärkte KI-Einsatz in Personalabteilungen, um Identitätstäuschungen zu erkennen.

Für Bewerber gilt: Ein gesundes Misstrauen gegenüber unaufgeforderten Angeboten ist der beste Schutz. Niemals Identitätsverfahren oder Zahlungen über Messenger-Dienste oder ungeprüfte Plattformen abwickeln.

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