Betriebssicherheit: Aufzüge alle zwei Jahre zur Prüfung verpflichtet
12.06.2026 - 13:31:41 | boerse-global.de
Aktuelle Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigen: Im ersten Quartal 2026 waren bundesweit rund 1,15 Millionen Stellen unbesetzt. Das sind etwa 105.800 weniger als im vierten Quartal 2025.
Trotz dieser Abkühlung verschärft sich die Lage für Unternehmen. Der Grund: eine wachsende qualitative Lücke zwischen Angebot und Nachfrage.
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Qualifikation trifft auf harte Realität
Die IAB-Erhebung offenbart ein strukturelles Problem. Fast die Hälfte aller Arbeitssuchenden (48 Prozent) hat keinen Berufsabschluss. Doch nur 24 Prozent der ausgeschriebenen Stellen verlangen keine abgeschlossene Ausbildung.
Rechnerisch kommen derzeit 264 Arbeitslose auf 100 offene Stellen. Ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr und dem vorangegangenen Quartal.
Besonders in technischen Berufen wie dem Elektrohandwerk fehlen spezialisierte Kräfte. Der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) reagiert mit einer Qualifizierungsoffensive. Im Fokus: Teilqualifizierungs-Sets für Elektroniker im Bereich Energie- und Gebäudetechnik. Sie richten sich an Quereinsteiger ab 25 Jahren. Über sieben Module sollen sie zur Externenprüfung für den Gesellenbrief geführt werden. Ende Juni 2026 starten dazu Informations-Webinare für Betriebe.
Rüstungsindustrie boomt – Personalsuche auch
Während der Gesamtmarkt schrumpft, zeigt die Rüstungsbranche eine gegenteilige Entwicklung. Eine Analyse des Stellenportals Indeed ergab: Seit 2021 sind die Ausschreibungen in diesem Sektor EU-weit um 65 Prozent gestiegen. In Deutschland liegt das Plus bei 60 Prozent.
Unternehmen wie Rheinmetall, Airbus, KNDS und Thyssenkrupp suchen verstärkt Personal. Der restliche Arbeitsmarkt verzeichnete im gleichen Zeitraum einen Rückgang der Ausschreibungen um 15 Prozent.
Auch das Elektrohandwerk meldet Rekordzahlen: Rund 46.400 Auszubildende befinden sich derzeit in den entsprechenden Berufen. Der höchste Stand seit zwei Jahrzehnten.
Neue Zertifikate für Krisenmanager
Die steigenden Anforderungen an Betriebssicherheit und Risikomanagement treiben neue Weiterbildungsangebote hervor. Der Bundesverband für den Schutz Kritischer Infrastrukturen (BSKI) bietet ab Ende Juli 2026 einen Zertifizierungslehrgang für KRITIS-Krisen- und Notfall-Manager an. Das Programm fokussiert gesetzliche Vorgaben wie das KRITIS-Dachgesetz und die NIS2-Richtlinie.
Regional werden weitere Formate erprobt. Das Kunststoff-Institut Lüdenscheid (KIMW) startet Ende Juni und Anfang Juli 2026 Veranstaltungen in Lüdenscheid und Nürnberg. Ziel: Unternehmen bei der Qualifizierung gegen den Fachkräftemangel unterstützen. Die IHK Rheinhessen bietet zudem Ende Juni ein Webinar zu Urlaubsansprüchen und Entgeltfortzahlung für Personalverantwortliche an.
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Strengere Regeln für Betriebssicherheit
Neben der Personalakquise rückt die Einhaltung regulatorischer Standards in den Fokus. Die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) – zuletzt im Dezember 2025 geändert – definiert strikte Prüffristen für Arbeitsmittel. Aufzüge müssen alle zwei Jahre durch eine zugelassene Überwachungsstelle (ZÜS) geprüft werden, Gabelstapler jährlich durch befähigte Personen. Bei ortsfesten elektrischen Betriebsmitteln ist eine Prüfung alle vier Jahre durch eine Elektrofachkraft vorgesehen.
Verstösse können mit Bußgeldern von bis zu 20.000 Euro geahndet werden. Und es kommt noch dicker: Stand Juni 2026 ist eine Novellierung der Verordnung unter dem Namen Arbeitsmittelbenutzungsverordnung (AMBV) geplant.
Die regulatorischen Rahmenbedingungen erhöhen den Druck auf Unternehmen. Sie brauchen qualifiziertes Personal für Health, Safety und Environment (HSE) sowie für die technische Instandhaltung. Entsprechend suchen Firmen wie ISS Deutschland oder spezialisierte Labordienstleister wie Eurofins verstärkt nach Servicetechnikern und Probenehmern für technische Überwachungsaufgaben.
