Betriebsrente: Finanzminister unterstützt Pflichtmodell für 20 Mio.
10.06.2026 - 23:25:54 | boerse-global.de
In einer TV-Debatte am Montag unterstützte er den Vorschlag des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), die betriebliche Altersvorsorge (bAV) als dritte Säule neben gesetzlicher und privater Rente verbindlich zu machen.
Derzeit erreichen betriebliche Vorsorgemodelle nur etwa die Hälfte der Beschäftigten. Das will die Politik ändern.
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Gewerkschaften fordern Tarifbindung
Der DGB-Vorschlag sieht vor, die betriebliche Alterssicherung per Tarifvertrag für alle Arbeitnehmer verpflichtend zu machen. DGB-Chefin Yasmin Fahimi wies darauf hin, dass rund 20 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte ohne betriebliche Zusatzvorsorge dastehen. Ende 2023 verfügten laut Statistik nur 52 Prozent der Anspruchsberechtigten über eine bAV.
Klingbeil betonte, das Rentensystem müsse über alle drei Säulen zukunftsfähig werden. Eine Pflichtkomponente könne zur Stabilisierung beitragen. Parallel verwies der Minister auf die geplante „Frühstart-Rente“ – monatlich zehn Euro pro Kind, die bereits für die Jüngsten in die Vorsorge fließen sollen.
Unterstützung kommt auch von der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA). Deren Vorsitzender Dennis Radtke nannte den Schritt richtig.
Wirtschaft läuft Sturm gegen Zwang
Die Arbeitgeber reagierten scharf. Präsident Rainer Dulger forderte Kostendämpfung und eine Rückkehr zum Nachhaltigkeitsfaktor im Rentensystem. Das Rentenalter müsse steigen, der Beitragssatz dürfe 20 Prozent nicht überschreiten.
Gitta Connemann von der Mittelstandsunion (MIT) warnte vor einer finanziellen Überforderung kleiner Betriebe. Auch der CDU-Wirtschaftsrat lehnt den Zwang ab. Generalsekretär Wolfgang Steiger argumentierte, eine Verpflichtung schränke die Wahlfreiheit der Beschäftigten ein und verteuere den Faktor Arbeit. Arbeitgeberpräsident Stefan Langhof ergänzte, die langfristige Nachverfolgung von Ansprüchen bedeute erheblichen Verwaltungsaufwand.
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In der Koalition zeigen sich unterschiedliche Positionen: SPD und Grüne signalisieren Sympathie für ein obligatorisches Angebot, betonen aber, dass die Wahlmöglichkeit für Beschäftigte erhalten bleiben müsse.
Sommer der rentenpolitischen Entscheidungen
Die Betatte fällt in eine Phase intensiver Beratungen. Für heute ist ein Spitzentreffen zwischen Union, SPD und Sozialpartnern angesetzt. Ende Juni sollen die Empfehlungen der Rentenkommission vorgelegt werden – als Termine werden der 28. oder 30. Juni genannt. Der DGB will seine konkreten Eckpunkte für das Pflichtmodell ebenfalls Ende des Monats präsentieren.
Unabhängig davon steigt zum 1. Juli die Rente um 4,24 Prozent für rund 21 Millionen Rentner. Für das Folgejahr prognostiziert man eine Steigerung von 4,7 Prozent. Das Rentenniveau ist bis 2031 bei 48 Prozent fixiert. Vor der Sommerpause plant die Koalition zudem einen Ausschuss, bei dem die Betriebsrenten-Vorschläge und die Kommissionsergebnisse zur Abstimmung stehen dürften.
