Betriebsrente: 82 Prozent der Deutschen trauen der Rente nicht
05.06.2026 - 10:18:57 | boerse-global.de
82 Prozent der Deutschen glauben nicht mehr daran, ihren Lebensstandard im Alter allein durch die gesetzliche Rente zu sichern. Eine aktuelle Umfrage unter 37 DAX- und MDAX-Unternehmen zeigt: Großkonzerne reagieren mit immer attraktiveren Betriebsrenten-Modellen.
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Hohe Beteiligung, großzügige Zuschüsse
Die betriebliche Altersvorsorge (bAV) ist in den großen Konzernen längst zum Standardinstrument der Mitarbeiterbindung geworden. 21 der befragten Unternehmen bieten vollständig arbeitgeberfinanzierte Bausteine an. Besonders beliebt: die Direktzusage. 29 Konzerne – darunter BMW, Rheinmetall, Evonik und die Allianz – setzen darauf.
Die Höhe der Zuschüsse variiert enorm. Rheinmetall stockt Eigenbeiträge der Mitarbeiter um 30 Prozent auf. Bei Evonik sind es sogar 70 bis 80 Prozent. Rund ein Drittel der Unternehmen nutzt Matching-Modelle, bei denen der Arbeitgeber die Eigeninitiative belohnt. Die Rechnung geht auf: In 23 Konzernen nutzen mehr als 75 Prozent der Belegschaft die Angebote.
BAG stärkt Rechte von Azubis
Ein aktuelles Urteil des Bundesarbeitsgerichts sorgt für Klarheit. Auszubildende haben grundsätzlich Anspruch auf betriebliche Altersvorsorge, wenn eine Betriebsvereinbarung pauschal „Betriebsangehörige“ begünstigt. Der Begriff umfasst alle im Betrieb Tätigen – inklusive Azubis. Unternehmen müssen künftig explizit ausschließen, wenn sie Nachwuchskräfte von der Vorsorge ausnehmen wollen.
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Fallende Zinsen treiben Kosten
Doch die betriebliche Vorsorge wird teurer. Der „German Pension Finance Watch“ von Willis Towers Watson zeigt: Die Pensionsverpflichtungen im DAX stiegen um 7 Prozent auf 428,8 Milliarden Euro. Grund ist der fallende Rechnungszins – er sank im zweiten Quartal 2026 um 42 Basispunkte auf 1,70 Prozent.
Die Folgen sind massiv: Für eine lebenslange monatliche Betriebsrente von 1.000 Euro müssen Unternehmen je nach Kalkulation zwischen 240.000 und 400.000 Euro zurücklegen. Vor allem Mittelständler könnte das abschrecken.
Debatte um Frührente und neue Modelle
Parallel zur Unternehmensentwicklung tobt die politische Diskussion. BDA-Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter fordert die Abschaffung der abschlagsfreien Frührente. Laut DIW-Berechnungen vom 3. Juni könnte das den Staat pro Rentnerjahrgang um 9,5 Milliarden Euro entlasten. Die SPD lehnt das mit Verweis auf körperlich belastete Berufe ab.
Die IHK Halle-Dessau schlug ein Wahlrentenmodell vor: Versicherte könnten bereits in jungen Jahren ihren Renteneintritt zwischen 65 und 70 wählen – mit direkter Auswirkung auf die Beitragshöhe.
Wächst hier die Lösung? Eine Studie von Sirius Campus und Aeiforia prognosticitiert für 2027 bis zu 10 Millionen Abschlüsse beim geplanten Altersvorsorgedepot. Fest steht: Die Rentenbeiträge sollen bis 2028 auf 19,9 Prozent steigen. Die Zukunft der Altersvorsorge liegt in der Kombination aus betrieblichen Leistungen und eigenverantwortlichen Investments.
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