Betriebsrat-Weiterbildung, Schlüsselkompetenz

Betriebsrat-Weiterbildung: 72% sehen KI als Schlüsselkompetenz

Veröffentlicht am: 15.08.2026 um 07:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Fachverlage setzen auf maßgeschneiderte KI-Schulungen für Betriebsräte. Studien zeigen: Hoher Bedarf, aber oft fehlende Strategien und Budgets.

Weiterbildung 2026: KI-Trainings und Inhouse-Seminare für Betriebsräte im Fokus
Eine Gruppe von Menschen sitzt in einem modernen Büro an einem Konferenztisch bei einer professionellen Inhouse-Schulung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Um den spezifischen Anforderungen in den Betrieben gerecht zu werden, setzen Fachverlage verstärkt auf individualisierte Weiterbildungsangebote. Anstatt auf standardisierte Formate zu vertrauen, bieten Dienstleister zunehmend Inhouse-Seminare an, die direkt vor Ort oder in digitalen Formaten auf die konkreten Anliegen von Betriebsräten zugeschnitten sind.

Individualisierung als Antwort auf komplexe Betriebsratsaufgaben

Fachverlage wie der Verlag Dashöfer passen ihre Strategie an den Bedarf nach maßgeschneiderten Lösungen an. Das Unternehmen bietet Inhouse-Seminare an, deren Planung in einem strukturierten Prozess über vier Schritte erfolgt, um die individuellen Weiterbildungsziele der Arbeitnehmervertreter zu erreichen. Ziel ist es, die Gremien bei ihren spezifischen Herausforderungen unmittelbar in ihrer Arbeitsumgebung zu unterstützen.

Auch die Wbildung Akademie adressiert den Bedarf an praxisnahen Schulungen, wobei ein Schwerpunkt auf dem Bereich Assistenz und Office Management liegt. Die Akademie bietet Seminare sowie Live-Online-Seminare an, die sich mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) befassen.

Zu den thematischen Schwerpunkten gehören unter anderem die Erstellung von KI-Prompts, die Nutzung von KI in Microsoft Office sowie die KI-gestützte Protokollierung und Texterstellung. Nach Angaben der Verantwortlichen, darunter Kathrin Tremmel, liege der Fokus auf einer verantwortungsbewussten Anwendung unter Berücksichtigung von Datenschutz und Qualitätskontrolle.

Fokus auf Künstliche Intelligenz im zweiten Halbjahr

Die dpa-Akademie richtet ihr Programm für das zweite Halbjahr 2026 ebenfalls gezielt auf technologische Entwicklungen aus. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf KI-bezogenen Trainings, die auch als Inhouse-Variante angeboten werden.

Die Schulungsinhalte umfassen Themen wie Bildrechte, den Einsatz von KI im Journalismus sowie die Integration dieser Technologien in die betriebliche Wertschöpfungskette. Marcus Heumann, Leiter der dpa-Akademie, verwies darauf, dass Anmeldungen für diese spezifischen Formate bereits möglich seien.

Dass der Bedarf an technologischer Kompetenz wächst, unterstreichen aktuelle Erhebungen. Laut einer Studie des TÜV aus dem Jahr 2026 betrachten 72 Prozent der 500 befragten Unternehmen KI-Kompetenz als das wichtigste Feld der künftigen Personalentwicklung.

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Eine Studie des VDI aus demselben Jahr kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: 87 Prozent der befragten Mitglieder sehen KI und Automatisierung als wesentliche Treiber für die notwendige Erweiterung von Kompetenzen.

Diskrepanz zwischen Bedarf und betrieblicher Realität

Trotz der Relevanz von Weiterbildung zeigen Studien eine Lücke in der Umsetzung auf. Während 87 Prozent der vom TÜV befragten Unternehmen Fortbildungen für wichtig halten, verfügen lediglich 29 Prozent über eine entsprechende Strategie. In der Mehrheit der Betriebe (74 Prozent) werden lediglich ein bis fünf Tage pro Jahr für Weiterbildungen eingeräumt, wobei das Budget bei 65 Prozent der Befragten unter 1.000 Euro pro Person liegt.

Diese angespannte Situation spiegelt sich auch in der Wahrnehmung der Arbeitnehmervertreter wider. Eine Umfrage der Arbeitskammer Saarland, die Anfang des Jahres unter Betriebsräten durchgeführt wurde, zeigt deutliche Defizite auf.

Mehr als die Hälfte der Teilnehmer bewertete ihre Einbindung in betriebliche Prozesse als schlecht, während über 80 Prozent von einer gestiegenen Arbeitsbelastung berichteten. In der Folge werden Forderungen nach erweiterten Mitbestimmungsrechten und der verstärkten Hinzuziehung von Sachverständigen laut.

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Einsparungen im Bereich der Qualifizierung verschärfen die Lage zusätzlich. Eine Untersuchung von McKinsey für das Jahr 2026 belegt, dass ein Drittel der Beschäftigten im vorangegangenen Jahr keine Zeit in Weiterbildung investierte. Die durchschnittlichen Ausgaben sanken demnach von 1.579 Euro auf 1.204 Euro.

Branchenspezifische Angebote und rechtliche Anforderungen

Neben generischen KI-Themen etablieren sich auch hochspezialisierte Fachschulungen. Die Syntegon OSD Academy führte etwa im Juni 2026 in Schopfheim dreitägige Trainings zu den Themen Granulierung und Coating durch. Für Oktober ist eine weitere Academy zum Thema Coating geplant, die Theorie und Praxis in einem spezialisierten Kundenzentrum verbindet.

Zusätzlich zu freiwilligen Weiterbildungen rücken gesetzliche Verpflichtungen in den Fokus der Unternehmensführung. Im Rahmen der NIS2-Richtlinie besteht gemäß Paragraph 38 BSIG eine Schulungspflicht für Geschäftsführungen kritischer Einrichtungen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik stellt hierfür Handreichungen bereit, nachdem die letzte Nachmeldefrist für betroffene Einrichtungen Ende Juli 2026 abgelaufen ist.

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