Betriebsräte, Pflichten

Betriebsräte: Neue Pflichten bei KI und Ergonomie

15.05.2026 - 20:58:16 | boerse-global.de

Arbeitnehmervertreter müssen sich zunehmend mit KI-Transparenz, ergonomischen Standards und psychischer Prävention auseinandersetzen.

Betriebsräte: Neue Pflichten bei KI und Ergonomie - Foto: über boerse-global.de
Betriebsräte: Neue Pflichten bei KI und Ergonomie - Foto: über boerse-global.de

Am 13. Mai 2026 beriet der EU-Unterausschuss des Nationalrats über einen Fahrplan für hochwertige Arbeitsplätze. Die Themen: Arbeitsschutz, Telearbeit und Lohntransparenz. Für Arbeitnehmervertreter heißt das: Sie müssen sich intensiv mit Ergonomie-Standards und den rechtlichen Rahmenbedingungen der Digitalisierung auseinandersetzen.

Ergonomie im Homeoffice wird Pflicht

Die Zunahme des mobilen Arbeitens stellt Betriebsräte vor neue Herausforderungen. Stephan Sandrock vom Institut für angewandte Arbeitswissenschaft (IfAA) stellt klar: Herkömmliche Küchenstühle taugen nicht für einen achtstündigen Arbeitstag. Empfohlen werden Bürostühle mit fünf Rollen und einer Rückenunterstützung in S-Form.

Arbeitnehmervertreter müssen auf die Einhaltung technischer Mindeststandards achten. Ein ergonomischer Arbeitsplatz braucht einen höhenverstellbaren Tisch. Der Monitor sollte in 60 bis 70 Zentimetern Abstand stehen, die Oberkante leicht unterhalb der Augenhöhe.

Doch die Ausstattung allein reicht nicht. Die Arbeitsmedizinerin Vera Stich-Kreitner vom Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW) warnt vor den Folgen fehlender Abgrenzung im Homeoffice. Ohne klare Struktur drohe Erschöpfung. Betriebsräte sind gefordert, Rahmenvereinbarungen zu treffen – etwa zu Raumteilern bei knappem Platzangebot oder zu festen Pausenzeiten.

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KI-Transparenz: Neue Kontrollpflichten

Die digitale Dimension des Arbeitsschutzes gewinnt an Bedeutung. Die EU-Kommission legte am 8. Mai 2026 den Entwurf der Leitlinien zu Transparenzpflichten gemäß Artikel 50 der KI-Verordnung vor. Ab dem 2. August 2026 sind die Regeln verbindlich.

Für den Betriebsrat ergeben sich neue Kontrollaufgaben. Er muss prüfen, ob KI-Outputs korrekt gekennzeichnet werden. Deepfakes und Emotionserkennungssysteme dürfen Persönlichkeitsrechte nicht verletzen. Verstöße können teuer werden: Sanktionen von bis zu 15 Millionen Euro oder drei Prozent des weltweiten Jahresumsatzes sind möglich.

Gleichzeitig schreitet die Hardware-Entwicklung voran. AMD kündigte Mitte Mai die Radeon AI Pro R9700 an – eine Workstation-Grafikkarte für leistungsstarke KI-Entwicklung direkt am Arbeitsplatz. Für Arbeitnehmervertreter stellt sich die Frage: Wie beeinflusst diese Rechenleistung die kognitive Belastung der Angestellten?

Arbeitszeiterfassung: Das Spannungsfeld

Arbeitsschutz ist auch ein Wirtschaftlichkeitsfaktor. In der Industrie kommen vermehrt Exoskelette, Hebehilfen und Wearables zum Einsatz. Der Betriebsrat muss sicherstellen, dass diese Technologien der Entlastung dienen – und nicht zur lückenlosen Leistungsüberwachung.

Ein problematisches Feld bleibt die Arbeitszeiterfassung. Eine Umfrage von Consumerfieldwork unter 1.000 Beschäftigten zeigt: 13 Prozent erfassen ihre Arbeitszeit regelmäßig falsch. 75 Prozent haben bereits private Erledigungen während der Arbeitszeit getätigt. Sascha Stowasser vom IfAA weist auf die volkswirtschaftlichen Auswirkungen von Arbeitszeitbetrug hin.

Für Betriebsräte entsteht ein Spannungsfeld: Sie müssen die Flexibilität moderner Arbeitsformen schützen. Aber die korrekte Dokumentation ist Voraussetzung für die Einhaltung von Arbeitsschutzgesetzen und Ruhezeiten.

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Prävention: Einfache Übungen, große Wirkung

Professor Tobias Görge vom Universitätsklinikum Münster (UKM) warnt: Langes, starres Sitzen führt zu schweren Beinen und Venenproblemen. Er empfiehlt Übungen direkt am Schreibtisch – etwa das Heben und Senken der Füße oder das Anspannen der Waden.

Betriebsräte können solche Hinweise in interne Gesundheitskampagnen integrieren.

Analyse: Der Wandel der Prioritäten

Die Entwicklungen zeigen eine deutliche Verschiebung. Früher stand die Vermeidung von Unfällen in der Produktion im Fokus. Heute dominieren die ergonomische Gestaltung von Bildschirmarbeitsplätzen und der Schutz der psychischen Gesundheit.

Die regulatorische Ebene wird komplexer. Der EU-Fahrplan für hochwertige Arbeitsplätze und die KI-Transparenzrichtlinien zwingen Arbeitnehmervertreter, sich juristisches und technisches Expertenwissen anzueignen.

Weiterbildung für Betriebsräte

Die kontinuierliche Qualifizierung bleibt unerlässlich. Vom 30. Juni bis 3. Juli 2026 findet in Kassel ein Seminar zum Arbeits- und Gesundheitsschutz statt. Es richtet sich explizit an Betriebsratsmitglieder.

In den kommenden Monaten wird die finale Fassung der EU-Leitlinien zur KI-Transparenz erwartet. Die Konsultationsphase läuft noch bis zum 3. Juni 2026. Für Betriebsräte bietet dieser Zeitraum die Chance, sich auf die neuen Überwachungspflichten vorzubereiten. Die Kombination aus ergonomischer Hardware, rechtlicher Transparenz und psychischer Prävention wird das Fundament für die Betriebsratsarbeit der nächsten Jahre bilden.

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