Betriebsräte: Neue Anforderungen in Sanierung und Krisenkompetenz
05.06.2026 - 06:19:33 | boerse-global.de
Aktuelle Entwicklungen im Sanierungsrecht, massive Personalabbaumaßnahmen und neue Schulungsangebote zeigen: Arbeitnehmervertreter müssen heute sowohl ökonomische als auch psychosoziale Kompetenzen mitbringen.
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Wenn die Psyche kriselt
Ein zentrales Aufgabenfeld bleibt der Umgang mit persönlichen Krisen der Beschäftigten. Die Bildungskooperation biko bewarb Anfang Juni ein spezielles Seminar zur Krisenkompetenz für Ende Juli 2026. Themen: Krankheit, Trauer, Sucht und Schulden.
Dass solche Problemlagen den Betriebsfrieden gefährden können, zeigt ein aktueller Fall aus Rheda-Wiedenbrück. Ein Mitarbeiter eines Bauunternehmens wurde wegen Veruntreuung von über 73.000 Euro zu einer Haftstrafe verurteilt. Spielsucht war die Ursache.
Das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) gewinnt daher an Bedeutung. Seit 2004 ist es für Mitarbeiter mit mehr als sechs Wochen Arbeitsunfähigkeit pro Jahr gesetzlich vorgeschrieben. Der Saarpfalz-Kreis wurde kürzlich für seine BEM-Umsetzung ausgezeichnet.
Prävention lohnt sich auch wirtschaftlich: Laut Bundesinstitut für Berufsbildung liegen die Abbruchkosten pro Auszubildendem bei 6.478 Euro. Der BKK Dachverband beziffert den Return on Investment beim Betrieblichen Gesundheitsmanagement auf 2,70 Euro pro investiertem Euro.
Sanierung mit Risiken
Neben individuellen Krisen fordern strukturelle Probleme die Gremien heraus. Das Sanierungs- und Insolvenzrechtsfortentwicklungsgesetz (SanInsFoG) verschärft die Anforderungen an Unternehmenssanierungen. Für den Zugang zur Eigenverwaltung sind ein sechsmonatiger Finanzplan und ein Durchführungskonzept mit Krisenanalyse nötig.
Die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs zu Kettensanierungen macht die Sache nicht einfacher. Ein Sanierungsversuch gilt erst dann als gescheitert, wenn aus Ex-ante-Perspektive keine Erfolgsaussicht mehr besteht. Kippt die Fortbestehensprognose, drohen Haftungsansprüche für Geschäftsführung und beratende Gremien.
Jobabbau in Österreich
Die praktische Belastung von Betriebsräten wurde Anfang Juni am Beispiel der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) deutlich. In der Zentrale sollen bis Ende 2027 rund 200 von 800 Stellen gestrichen werden. Der Betriebsrat kritisierte die fehlende Einbindung des Gremiums und das Fehlen eines Sozialplans.
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Während die Leitung die Maßnahme als alternativlos bezeichnete, fordert die Arbeitnehmerseite Transparenz über Kündigungen und Nicht-Nachbesetzungen.
Auch im Verkehrssektor bleibt die Lage angespannt. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) berichtete am 3. Juni über Warnstreiks bei Dienstleistern wie Vossloh Rail Services und der GBM Gleisbaumechanik. Ziel: Tarifabschlüsse in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld erzwingen.
Resilienz als Daueraufgabe
Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) startet am 9. Juni eine Veranstaltungsreihe zum Thema Resilienz im Epochenbruch. Direktor Michael Hüther diskutiert dort unter anderem über die Zukunft der Sozialpartnerschaft und der Staatsfinanzen.
Die Herausforderungen sind global. Auf dem 14. Nationalkongress der vietnamesischen Gewerkschaften in Hanoi befassten sich Delegierte Anfang Juni mit ähnlichen Themen: digitale Transformation, Künstliche Intelligenz am Arbeitsmarkt und soziale Absicherung in nichtstaatlichen Unternehmen.
Experten raten Betrieben zudem, sich auf „All-Hazards“-Szenarien vorzubereiten. Dazu zählen Cyberangriffe, geoökonomische Spannungen und Extremwetterereignisse. Empfohlen werden quantitative Risikoanalysen auf Basis von Versicherungsdaten und Cyber-Threat-Intelligence – als Grundlage für wirtschaftlich tragfähige Resilienzpläne.
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