Betriebliche Hochwasservorsorge: 60% der DAX-Unternehmen unterschätzen Wasserrisiken
Veröffentlicht am: 20.08.2026 um 15:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im Rahmen des bevorstehenden Museumsuferfestes Ende August verstärkt die Stadt Frankfurt ihre Bemühungen zur Aufklärung über Starkregen- und Hochwasserschutz. Mit einem spezialisierten Informationsangebot reagieren Behörden und Verbände auf die steigende Notwendigkeit, sowohl private Grundstücke als auch betriebliche Infrastrukturen gegen extreme Wetterereignisse abzusichern.
Während des Museumsuferfestes, das vom 28. bis zum 30. August 2026 stattfindet, bietet die Stadt Frankfurt einen zentralen Infostand zur Überflutungsvorsorge an. Vertreter des Umweltamtes, der Branddirektion sowie der Stadtentwässerung beraten gemeinsam mit Experten des HochwasserKompetenzCentrums (HKC) Köln über präventive Maßnahmen gegen Starkregen und Hochwasser.
Der Stand befindet sich am nördlichen Mainufer im Bereich zwischen der Untermainbrücke und dem Eisernen Steg. Interessierte können sich am Freitag von 15 bis 19 Uhr sowie am Samstag und Sonntag jeweils von 11 bis 19 Uhr informieren. Ergänzend dazu stellt die Stadt einen digitalen Überflutungscheck zur Verfügung, mit dem die Gefährdungslage für einzelne Grundstücke online geprüft werden kann.
Diskrepanz zwischen Wasserrisiko und unternehmerischer Wahrnehmung
Die Relevanz solcher Beratungsangebote wird durch aktuelle Studienergebnisse unterstrichen. Eine Untersuchung der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft BDO unter 160 Unternehmen aus dem DAX, MDAX und SDAX zeigt, dass rund 60 Prozent der untersuchten Betriebe stark von Wasserressourcen abhängig sind. Dennoch stufen etwa 34 Prozent der besonders betroffenen Unternehmen das Thema Wasser nicht als wesentlich für ihr Geschäft ein.
Vor diesem Hintergrund empfehlen die Experten der Gesellschaft eine systematische Wasserrisikoanalyse, um potenzielle Bedrohungen für den Betrieb frühzeitig zu identifizieren. Eine ähnliche Tendenz bei der Risikoeinschätzung beobachten Analysten von BDO Schweiz auch bei dort ansässigen Unternehmen.
Parallel dazu betont die Wirtschaft die allgemeine Notwendigkeit einer professionellen Krisenvorsorge. Die IHK München und Oberbayern hat hierzu eine kostenfreie Broschüre veröffentlicht, die Betrieben Hilfestellung bei der Vorbereitung auf verschiedene Szenarien wie Naturkatastrophen, Lieferkettenstörungen oder Spionage bietet. Der Hauptgeschäftsführer der Kammer, Manfred Gößl, hob hervor, dass eine fundierte Vorbereitung für die Resilienz der Unternehmen unerlässlich sei.
Investitionen in technische Schutzanlagen und Infrastruktur
Die BDO-Studie zeigt: 60% der DAX-Unternehmen sind stark wasserabhängig – doch 34% der Betroffenen stufen das Risiko als unwesentlich ein. Diese Fehleinschätzung kann teuer werden. Sichern Sie sich jetzt den Leitfaden mit Checkliste für Ihre Wasserrisikoanalyse. Jetzt kostenlosen Leitfaden anfordern
In der Region Frankfurt und darüber hinaus investieren Kommunen und technische Betriebe massiv in die Modernisierung ihrer Entwässerungssysteme. Der Eigenbetrieb Hanau Infrastruktur Service (HIS) tauschte jüngst eine über 40 Jahre alte Schieberanlage am Entlastungskanal zum Main aus.
Da das 590 Kilogramm schwere Schieberblatt korrodiert war, kamen für die Montage Spezialtaucher aus Thüringen zum Einsatz. Die Anlage ist darauf ausgelegt, bis zu 3.600 Liter Wasser pro Sekunde abzugeben.
In Dillenburg wurde zudem das Hochwasser-Rückhaltebecken „Schelde“ offiziell in Betrieb genommen. Mit einem Fassungsvermögen von 69.000 Kubikmetern soll es die Bewohner und Sachwerte im Scheldetal vor Fluten schützen.
Auch die Stadt Wadern investiert rund eine Million Euro in die Regenwasser-Entflechtung im Stadtteil Gehweiler. Das Projekt umfasst den Bau eines 350 Meter langen Regenwasserkanals sowie 700 Meter Muldengräben. Hierfür wurden bereits 4.000 Kubikmeter Boden bewegt; das Land fördert die Maßnahme mit 272.000 Euro.
Langfristige Wiederaufbau- und Präventionsprojekte
Während Kommunen Millionen in Hochwasserschutz investieren, bleibt die betriebliche Vorsorge oft auf der Strecke. Der Leitfaden zeigt, wie Sie Ihre Infrastruktur und Lieferketten mit konkreten Maßnahmen absichern – bevor das nächste Extremwetter kommt. Leitfaden zur Hochwasservorsorge jetzt sichern
Fünf Jahre nach der Hochwasserkatastrophe von 2021 dauern die Sanierungs- und Schutzmaßnahmen in den betroffenen Gebieten an. Der Erftverband plant für den Zeitraum von Herbst 2026 bis zum Sommer 2029 die Wiederherstellung der Siedlungsentwässerung in Erftstadt-Blessem. In der Radmacher Straße sollen unter anderem ein Regenrückhaltebecken und eine Flutmulde entstehen. Vor Baubeginn sind Begehungen der angrenzenden Gebäude vorgesehen.
In der Gemeinde Dahlem fließen weitere 1,7 Millionen Euro in den Wiederaufbau. Von den bisher investierten 9,5 Millionen Euro hat das Land Nordrhein-Westfalen 7,9 Millionen Euro zugesagt. Ein Schwerpunkt liegt auf der Sanierung des Stauwerks am Kronenburger See, für die ein Großteil der benötigten Mittel bereits bewilligt wurde. Weitere Anträge für den Ausbau des Hochwasserschutzes in Höhe von drei Millionen Euro befinden sich in der Prüfung.
