Berufseinstieg: 60% der Lernenden kämpfen mit psychischen Problemen
Veröffentlicht am: 13.09.2026 um 16:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Übergang von der Ausbildung in das Berufsleben stellt für viele junge Erwachsene eine erhebliche psychische Herausforderung dar. Neue Aufgabenbereiche und hohe Leistungsansprüche führen laut Experten vermehrt zu Überlastungserscheinungen. Aktuelle Daten verdeutlichen, dass insbesondere Zeitmangel in der Ausbildung und gesundheitliche Vorbelastungen den Start in die Karriere erschweren.
Der Berufseinstieg wird für viele Nachwuchskräfte von einer schleichenden psychischen Belastung begleitet. Warnsignale für einen drohenden Burnout sollten daher frühzeitig erkannt werden, um rechtzeitig gegenzusteuern.
Ein Beispiel für diese Dynamik zeigt sich bei einer 29-jährigen Physiotherapeutin, die nach einem Praxiswechsel Verunsicherung verspürte, obwohl sie bereits seit vier Jahren im Gesundheitswesen tätig ist. Diese individuellen Erfahrungen werden durch statistische Erhebungen gestützt, die auf strukturelle Defizite in der Ausbildung hinweisen.
Zeitnot in der Ausbildung belastet Lernende
Eine Studie der FHNW aus dem Jahr 2025 verdeutlicht die angespannte Lage in der betrieblichen Ausbildung. Demnach gaben 76 % der Berufsbildner an, über zu wenig Zeit für die Betreuung der Auszubildenden zu verfügen. Diese Situation hat messbare Auswirkungen auf das Wohlbefinden der Nachwuchskräfte: Gut 60 % der Lernenden berichteten über psychische Probleme während ihrer Lehrzeit.
Die Studie belegt zudem eine hohe Abbruchquote. 24 % der Lernenden erleben mindestens eine Auflösung ihres Lehrvertrags, wobei 62 % dieser Fälle bereits im ersten Lehrjahr auftreten. Trotz des hohen Leidensdrucks herrscht eine Kommunikationsbarriere in den Betrieben.
Lediglich 16 % der Lernenden gaben an, bei psychischen Problemen das Gespräch mit ihrem Berufsbildner suchen zu wollen. Vor diesem Hintergrund forderten die EHB-Professorin Nadia Lamamra und die SGB-Expertin Nicole Cornu eine bessere Qualifizierung des Ausbildungspersonals sowie mehr zeitliche Ressourcen für die Berufsbildung.
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Gesundheitliche Voraussetzungen verschlechtern sich
Die Basis für einen erfolgreichen Berufseinstieg wird bereits in der Schulzeit gelegt, doch aktuelle Daten des DAK-Präventionsradars für das Schuljahr 2025/2026 zeichnen ein besorgniserregendes Bild.
Rund 49 % der befragten Schüler klagten über Schlafstörungen – ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Wert von 36 % im Zeitraum 2019/2020. Zudem gaben 69 % der Schüler an, mindestens einmal pro Woche erschöpft zu sein. Vor drei Jahren lag dieser Wert noch bei 52 %.
Insgesamt berichtet fast die Hälfte der Schüler (49 %) von einem verminderten Wohlbefinden, und lediglich 57 % blicken positiv in die Zukunft. DAK-Chef Andreas Storm zog eine Verbindung zwischen diesen gesundheitlichen Defiziten und den schwachen Ergebnissen der Pisa-Studie 2025, an der rund 6.700 Jugendliche teilgenommen hatten.
Wirtschaftliche Folgen und Belastungen im Erwerbsleben
Nicht nur Berufseinsteiger, sondern die gesamte Erwerbsbevölkerung steht unter Druck. Laut einem Report der Techniker Krankenkasse fühlen sich zwei Drittel der Menschen in Deutschland häufig oder gelegentlich gestresst. Besondere Belastungen zeigen sich bei Alleinerziehenden.
Eine Umfrage der KKH Kaufmännische Krankenkasse unter 1005 Eltern ergab, dass sich 61 % der Alleinerziehenden psychisch stark belastet fühlen, während dies bei Paarfamilien auf 31 % zutrifft. Knapp zwei Drittel der Alleinerziehenden, von denen rund 90 % Mütter sind, gaben an, häufig gestresst zu sein.
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Auch geschlechtsspezifische Faktoren beeinflussen die Leistungsfähigkeit im Berufsleben. Eine Studie der Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht aus dem Jahr 2023 bezifferte die jährlichen Verluste für deutsche Unternehmen durch geringere Leistungsfähigkeit aufgrund von Wechseljahresbeschwerden auf 9,4 Milliarden Euro.
Ein Viertel der betroffenen Frauen reduziere die Arbeitszeit auf Teilzeit, knapp 20 % wechselten die Stelle und 10 % entschieden sich für einen früheren Renteneintritt.
Prävention durch gezielte Erholungsphasen
Um der Erschöpfung entgegenzuwirken, empfehlen Experten eine strikte Abendroutine zur Regulierung des Stresshormons Kortisol. Da der Tiefpunkt des Kortisolspiegels zwischen 22 und 24 Uhr liegt, sei eine Reduktion der Lichtexposition entscheidend. Laut einer Untersuchung im Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism kann bereits eine Stunde künstliche Beleuchtung am Abend den Melatoninspiegel um bis zu 50 % senken.
Fachleute raten daher zu einer Lichtreduktion auf unter 2700 Kelvin ab 21 Uhr sowie einer Raumtemperatur von 18 bis 20 Grad. Eine 20-minütige Entspannungsphase vor dem Schlafen, die Methoden wie das physiologische Seufzen oder das bewusste mentale „Offloading“ beinhaltet, könne den Übergang in den Schlaf unterstützen und die psychische Widerstandsfähigkeit im Berufsalltag fördern.
