Berufliche Bildung: ZDH-Chef Dittrich warnt vor Kürzungen im Handwerk
Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 06:17 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSZum Tag des Handwerks am kommenden Samstag hat ZDH-Präsident Jörg Dittrich für seine Branche geworben und die Politik vor Einschnitten im Bildungsbereich gewarnt. Er sieht akademische und berufliche Bildung als gleichwertig an und kritisiert Spardebatten bei der Ausbildung.
Dittrich warnt vor Kürzungen
Dittrich hält weitere Einsparungen bei der beruflichen Bildung für nicht nachvollziehbar. Er verweist dabei auf die Folgen der Pisa-Ergebnisse, auf rückläufige Ausbildungsverträge in der Industrie und auf die Erwartung, dass das Handwerk einen Teil dieses Rückgangs ausgleichen soll.
Nach seiner Darstellung prägt ein jahrzehntelanges Bildungsverständnis die Debatte, nach dem Wohlstand und beruflicher Erfolg vor allem über Abitur und Studium erreichbar seien. Diese Sicht setze dem Handwerk bis heute zu.
Handwerk wirbt um Nachwuchs
Der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks sieht zugleich mehr Zuspruch junger Menschen für die Branche. Er begründet das mit der wachsenden Sehnsucht nach Tätigkeiten, die sichtbar und greifbar sind, sowie mit dem sozialen Miteinander im Betrieb.
Dittrich verweist außerdem auf Vergleiche aus Sachsen, nach denen sich die Vergütungen von Meisterinnen und Meistern und von Menschen mit Bachelorabschluss praktisch nicht unterschieden. Das Handwerk versuche damit, stärker als bisher als gleichwertiger Bildungsweg wahrgenommen zu werden.
Die Aussagen von Jörg Dittrich treffen einen Bildungspolitik-Nerv, weil sie zwei Debatten bündeln: den Fachkräftemangel im Handwerk und die seit Jahren umstrittene Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Bildung. Gerade am Tag des Handwerks bekommt diese Linie zusätzliche Sichtbarkeit, weil der Verband den Berufsnachwuchs nicht nur als Branchen-, sondern als Standortfrage rahmt.
In Deutschland gilt die duale Ausbildung zwar seit Langem als zentrales Modell, doch sie steht unter Druck: Viele Jugendliche orientieren sich weiter stark Richtung Studium, während Betriebe um Auszubildende werben müssen. Wenn parallel über Kürzungen bei der beruflichen Bildung gesprochen wird, verschärft das aus Sicht des Handwerks ein Problem, das bereits durch sinkende Bewerberzahlen und wachsenden Ersatzbedarf geprägt ist.
Bedeutung für Betriebe und Nachwuchs
Für kleine und mittlere Handwerksbetriebe ist die Frage besonders relevant, weil Ausbildung dort unmittelbar an Produktivität, Übernahmechancen und regionale Versorgung gekoppelt ist. Die von Dittrich betonte Attraktivität handwerklicher Arbeit verweist zudem auf einen gesellschaftlichen Wandel: Praktische Tätigkeit, sichtbare Ergebnisse und persönliche Begegnungen werden für viele junge Menschen wieder wichtiger.
Politisch bedeutet das, dass Fördermittel, Berufsorientierung und die Ausstattung von Berufsschulen stärker zusammen gedacht werden müssen. Wer an dieser Stelle spart, riskiert nicht nur weniger Ausbildungsverträge, sondern mittelbar auch Engpässe in Branchen, die für Wohnen, Energie, Sanierung und Infrastruktur zentral sind.
