Beruf, Pflege

Beruf und Pflege: Kreis Mettmann unterzeichnet Charta am 11. September

Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 23:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der Kreis Mettmann tritt einer NRW-Initiative bei und plant Pflege-Guides. Studien zeigen wachsende Bedeutung familienfreundlicher Arbeitsmodelle.

Kreis Mettmann stärkt pflegende Angehörige mit neuer Charta
Ein helles, modernes Büro mit einer ruhigen Sitzgruppe und natürlichem Tageslicht, das eine unterstützende Arbeitsatmosphäre vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

Der Kreis Mettmann setzt ein deutliches Zeichen für die Unterstützung pflegender Angehöriger im Berufsleben. Mit der offiziellen Unterzeichnung der Charta zum Landesprogramm Nordrhein-Westfalen am 11. September 2026 verpflichtet sich die Verwaltung gemeinsam mit regionalen Partnern zu konkreten Maßnahmen für eine bessere Balance zwischen Erwerbstätigkeit und häuslicher Pflege.

Die feierliche Unterzeichnung der Charta „Vereinbarkeit von Beruf und Pflege“ markiert den offiziellen Beitritt des Kreises Mettmann zu der landesweiten Initiative. An dem Termin am 11. September 2026 bei der Regiobahn Mettmann nahmen NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann und Kreisdirektor Philipp Gilbert teil.

Landrätin Dr. Bettina Warnecke hatte das Dokument bereits im Vorfeld unterzeichnet. Neben der Kreisverwaltung haben sich auch die Kreishandwerkerschaft, der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) und die Regiobahn der Initiative angeschlossen.

Ein zentraler Bestandteil der künftigen Umsetzung im Kreis Mettmann ist die Einführung geschulter Pflege-Guides. Diese spezialisierten Ansprechpartner sollen künftig in allen Verwaltungsgebäuden des Kreises eingesetzt werden, um betroffenen Mitarbeitenden beratend zur Seite zu stehen und Wege zur besseren Organisation von Beruf und Pflege aufzuzeigen.

Wirtschaftliche Bedeutung der Familienfreundlichkeit steigt

Die Relevanz solcher Maßnahmen wird durch aktuelle Studienergebnisse untermauert. Der IW-Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit 2026 zeigt, dass 88 % der Unternehmen in Deutschland das Thema Familienfreundlichkeit für wichtig halten – ein neuer Höchstwert. Selbst in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage bewerten noch rund 85 % der Betriebe diesen Faktor als bedeutsam.

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Laut der IW-Ökonomin Andrea Hammermann ist Familienfreundlichkeit mittlerweile ein fester Bestandteil der Personalpolitik. Während sich im Jahr 2015 gut 41 % der Unternehmen als ausgeprägt familienfreundlich bezeichneten, liegt dieser Wert aktuell bei 57 %.

Besonders im Schichtbetrieb werden Fortschritte sichtbar: 77 % der entsprechenden Betriebe erlauben inzwischen einen Schichtentausch, was von knapp drei Vierteln der dort Beschäftigten positiv bewertet wird.

Regionale Initiativen und fachlicher Austausch

Über den Kreis Mettmann hinaus verstärken weitere Regionen ihre Bemühungen. Im Vogelsbergkreis startete das auf fünf Jahre angelegte Projekt „Pflege im Fokus“, das von den Kreisverbänden der Arbeiterwohlfahrt, dem VdK, dem Deutschen Roten Kreuz und dem Familienbündnis getragen wird. In diesem Rahmen wies Prof. Dr. Oliver Lauxen vom IWAK-Institut der Goethe-Universität Frankfurt darauf hin, dass 80 % der zu Pflegenden zu Hause versorgt werden.

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Für den 22. September 2026 kündigte das Pflegeneuordnungsgesetz Oberberg zudem eine Fachveranstaltung im Innovation Hub Gummersbach an. Dort sollen rechtssichere Beschäftigungsmodelle für pflegende Angehörige diskutiert werden, um diesen eine sozialversicherungspflichtige Einbindung in den Arbeitsmarkt zu ermöglichen.

Hoher Belastungsdruck und politischer Reformbedarf

Die Notwendigkeit betrieblicher Unterstützung resultiert aus der hohen Belastung der Betroffenen. Von den knapp 5,7 Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland werden fast 55 % ausschließlich durch Verwandte, Freunde oder Ehrenamtliche versorgt. Eine Untersuchung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) vom Mai 2026 belegt, dass über 40 % der pflegenden Angehörigen körperlich und psychisch hoch belastet sind.

Auch in Österreich verdeutlichen Daten zum Nationalen Aktionstag für pflegende Angehörige am 13. September 2026 die Herausforderungen: Rund 85 % der Pflegegeldbezieher leben dort zu Hause. Eine Analyse der Stiftung ZQP zeigt zudem, dass 75 % der Angehörigen, die aus der Distanz pflegen, unter der Unmöglichkeit leiden, in Notsituationen rasch helfen zu können.

Angesichts jährlich steigender Kosten – aktuell liegen die Pflegeausgaben bei rund 75 Milliarden Euro – fordert Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann Einsparungen von zehn Prozent, um ein drohendes Defizit von 8 Milliarden Euro im Jahr 2027 abzuwenden.

Kritik an diesen Plänen kommt von der Linken-Vorsitzenden Ines Schwerdtner, die vor Leistungskürzungen und höheren Zuzahlungen für Pflegebedürftige warnt. Ein neues Pflegeneuordnungsgesetz soll noch im September im Kabinett beschlossen werden, um die Beiträge im kommenden Jahr stabil zu halten.

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