Bertelsmann baut bei RTL und Sky rund 500 Stellen ab
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 12:22 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSBertelsmann-Chef Thomas Rabe verteidigt den geplanten Abbau von rund 500 Stellen bei RTL Deutschland und Sky. Nach der Übernahme von Sky Deutschland sollen damit Doppelstrukturen in Köln und München abgebaut werden.
Rabe begründet Stellenabbau mit Integration
„Die 500 Stellen sind natürlich eine große Zahl, aber unsere Einschätzung ist, dass diese Einsparung erforderlich ist, um die Doppelstrukturen abzubauen und ein noch schlagkräftigeres Unternehmen aufzubauen“, sagte Rabe dem „Handelsblatt“. „Wir schneiden hier keineswegs in die Substanz.“
Der Abbau solle sorgfältig und sozialverträglich umgesetzt werden. Dazu verhandle das Unternehmen derzeit mit den Arbeitnehmervertretern.
Bertelsmann kündigt weitere Zukäufe an
Rabe stellte zugleich weitere größere Transaktionen in Aussicht. Bertelsmann arbeite weiterhin an ein bis zwei Zukäufen; möglicherweise werde sich noch in diesem Jahr ein Geschäft konkretisieren.
Im Fokus steht dabei der französische Fernsehsender M6, der zur RTL-Gruppe gehört. Bertelsmann suche für M6 nach einer Lösung, „um weiter skalieren zu können, ähnlich wie wir es bei RTL Deutschland und Sky bereits machen“. Dies sei notwendig, um im Wettbewerb mit US-Plattformen bestehen zu können.
Umsatz soll auf 23 Milliarden Euro steigen
Mit der Übernahme von Sky Deutschland sowie dem Zusammenschluss der Musikunternehmen BMG und Concord hat Bertelsmann in diesem Jahr bereits zwei größere Transaktionen abgeschlossen. Durch die geplante Fusion der brasilianischen Bildungsanbieter Afya und YDUQS soll der Konzern weiter wachsen.
Rabe erwartet danach einen Konzernumsatz von 23 Milliarden Euro und ein Ergebnis von mehr als vier Milliarden Euro.
Der geplante Abbau von rund 500 Stellen steht im Zusammenhang mit der Integration von Sky Deutschland in die RTL-Strukturen. Im Mittelpunkt steht dabei die Zusammenführung von Aufgaben an den Standorten Köln und München. Solche Überschneidungen entstehen insbesondere bei Verwaltung, Technik, Vermarktung und Teilen der Programmorganisation, wenn zwei Medienunternehmen organisatorisch enger verbunden werden.
Für Bertelsmann ist der Schritt Teil einer größeren Wachstums- und Konsolidierungsstrategie. Der Konzern will mit der Verbindung von RTL Deutschland und Sky seine Position im deutschsprachigen Fernseh- und Streamingmarkt stärken. Zugleich erhöht der Wettbewerb durch internationale Plattformen den Druck, Inhalte, Technik und Vermarktung effizienter zu organisieren.
Wachstum trotz Stellenabbau
Die angekündigten weiteren Zukäufe zeigen, dass der Stellenabbau nicht als Rückzug aus dem Mediengeschäft angelegt ist. Bertelsmann prüft nach eigenen Angaben weitere Transaktionen und sucht für den französischen Sender M6 nach einer Möglichkeit, zusätzliches Wachstum zu ermöglichen. Dabei geht es um größere Reichweite, gemeinsame Strukturen und eine bessere wirtschaftliche Ausgangslage gegenüber globalen Streaminganbietern.
Für die Beschäftigten hängt die konkrete Ausgestaltung nun von den Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern ab. Entscheidend wird sein, welche Bereiche zusammengelegt werden, über welchen Zeitraum der Abbau erfolgt und in welchem Umfang freiwillige Lösungen, Versetzungen oder Abfindungen eingesetzt werden. Für Zuschauer und Kunden dürfte die Integration zunächst vor allem organisatorische Folgen haben; mittelfristig kann sie sich auch auf Angebote, Sportrechte und die Bündelung von Streamingdiensten auswirken.
