Berlin-Wahl, Linke

Berlin-Wahl: Linke mit 25% stärkste Kraft, SPD auf Tiefstand

Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 22:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Linke erzielt in Berlin rund 25 Prozent, während CDU und SPD verlieren. Koalitionsgespräche und Streit um Enteignungen stehen bevor.

Berlin-Wahl: Linke wird erstmals stärkste Kraft
Das Berliner Reichstagsgebäude in der Abenddämmerung bei blauem Licht mit Spiegelung im Wasser der Spree. Illustration mit AI erstellt.

Die Linke ist bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus laut Hochrechnungen von ARD und ZDF mit 24,5 bis 26,0 Prozent erstmals als stärkste Kraft hervorgegangen.

Nach 12,2 Prozent bei der Wahl im Jahr 2023 markiert dieser Wert mit rund 25 Prozent einen historischen Höchststand für die Partei in Berlin, der den bisherigen Rekord der PDS aus dem Jahr 2001 von 22,6 Prozent übertrifft. Die Partei verzeichnete im Vorfeld 10.000 Neueintritte in der Hauptstadt und klopfte im Wahlkampf an einer Viertelmillion Türen.

Die bisher mitregierende CDU verzeichnete deutliche Einbußen und erreichte laut Hochrechnungen rund 20,0 Prozent nach 28,2 Prozent im Jahr 2023, womit sie auf dem zweiten Platz liegt.

Die Grünen kamen auf 14,9 bis 15,5 Prozent nach 18,4 Prozent vor drei Jahren. Die AfD legte auf 13,5 bis 16,0 Prozent zu, verglichen mit 9,1 Prozent bei der vorangegangenen Wahl.

Die SPD stürzte auf 11,9 bis 12,0 Prozent ab, nachdem sie 2023 noch 18,4 Prozent erreicht hatte. Für die Sozialdemokraten, die Berlin zuvor 37 Jahre lang regiert hatten und nun auf dem fünften Platz landen, bedeutet dies das historisch schlechteste Ergebnis in der Hauptstadt.

SPD-Kandidat Krach bezeichnete den Ausgang als katastrophal. Das BSW kam Hochrechnungen zufolge auf 5,0 Prozent, während die FDP nach Angaben der ARD 2,5 Prozent erzielte.

Verschiebungen im Berliner Parlament

Bei den Mandatsprognosen zeichnet sich eine deutliche Neuverteilung ab. Demnach erreicht die Linke 36 bis 43 Sitze, während die CDU auf 28 bis 34 Sitze kommt. Die Grünen können mit 22 bis 26 Sitzen rechnen, die AfD mit 20 bis 27 Sitzen, die SPD mit 17 bis 20 Sitzen und das BSW mit 7 bis 8 Sitzen.

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Die Wahlbeteiligung kletterte nach Angaben der Wahlleitung auf 72 bis 75,0 Prozent, was im Vergleich zu 63 Prozent im Jahr 2023 einem Plus von 12,1 Prozentpunkten entspricht. An der Wahl nahmen rund 2,5 Millionen Wahlberechtigte teil, darunter erstmals auch 16- und 17-Jährige.

Bereits im Tagesverlauf hatte sich der Anstieg abgezeichnet: Bis 12 Uhr lag die Beteiligung bei 27,9 Prozent gegenüber 23,4 Prozent im Jahr 2023, bis 16 Uhr stieg sie auf 58,2 Prozent nach 48,8 Prozent beim Urnengang zuvor. Die Wahllokale hatten um 8:00 Uhr geöffnet.

Streit um Wohnungspolitik und Koalitionsbildung

Das amtierende Regierungsbündnis aus CDU und SPD verliert damit seine parlamentarische Mehrheit. Als denkbare Optionen gelten ein Bündnis aus Linken, Grünen und SPD sowie eine Koalition aus CDU, Grünen und SPD, wobei eine Dreier-Koalition unter Führung der Linken als wahrscheinlich gilt. Die AfD bleibt außen vor.

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Schuster, äußerte sich beunruhigt über den Wahlsieg der Linken. Grünen-Chef Banaszak knüpfte Gespräche über ein rot-grün-rotes Bündnis an ein klares Statement der Linken gegen Antisemitismus, signalisierte jedoch grundsätzliche Gesprächsbereitschaft.

Auf dem Berliner Immobilienmarkt zeichnen sich durch das Wahlergebnis erhebliche wohnungspolitische Weichenstellungen ab. Die Spitzenkandidatin der Linken, Elif Eralp, beansprucht das Amt der Regierenden Bürgermeisterin für sich. Sie fordert die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne sowie die Einführung eines Mietendeckels, um Mietsteigerungen einzudämmen.

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Die Linke hat die Umsetzung des Volksentscheids zur Enteignung von Immobilienunternehmen mit mehr als 3.000 Wohnungen zur ausdrücklichen Bedingung für eine Koalition erklärt.

Eine solche Maßnahme würde 220.000 bis 240.000 Wohnungen betreffen, davon 220.000 kommunale Wohnungen. Seitens der SPD erteilte Krach der Enteignung großer Immobilienkonzerne jedoch eine Absage, was die anstehenden Verhandlungen vor große Hürden stellt.

Mehr zum Thema bei Handelsblatt: „Abgeordnetenhauswahl: Linke in Berlin klar stärkste Kraft“

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