Berlin-Cyberangriff: 1,44 Millionen Dateien im Darknet geleakt
Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 16:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nach dem schwerwiegenden Cyberangriff auf das Berliner Landesnetz hat der Regierende Bürgermeister Kai Wegner am 9. September 2026 weitreichende Konsequenzen angekündigt. Um künftige Angriffe abzuwehren, soll das Landesnetz massiv gehärtet und die IT-Strukturen der Verwaltung stärker zentralisiert werden.
Der Senat beabsichtige zudem, alle notwendigen Ressourcen bereitzustellen, um die Sicherheit der digitalen Infrastruktur zu gewährleisten. Aktuell lägen laut Wegner keine Hinweise auf eine weitere Infiltration der Systeme vor.
Ausmaß des Datenabflusses und Lösegeldforderungen
Der Cyberangriff, der am 14. August 2026 öffentlich bekannt wurde, wird der Angreifergruppe Rhysida zugeschrieben. Nach vorliegenden Informationen hatten die Täter im Zeitraum vom 7. bis zum 14. August 2026 unbemerkten Zugriff auf die Systeme.
Die Gruppierung forderte ein Lösegeld in Höhe von 30 BTC, was zum Zeitpunkt des Vorfalls etwa 2 Millionen Euro entsprach. Da Berlin die Zahlung verweigerte, veröffentlichte die Gruppe am 4. September 2026 einen umfangreichen Datensatz im Darknet.
Das geleakte Material umfasst laut Berichten etwa 1,44 Millionen Dateien mit einem Gesamtvolumen von rund 5,79 Terabyte. Betroffen sind insbesondere die Senatsverwaltungen für Stadtentwicklung und Bauen sowie für Mobilität und Verkehr.
Digitalstaatssekretär Florian Hauer gab bekannt, dass derzeit etwa 5,6 Terabyte der im Darknet aufgetauchten Daten analysiert werden. Die vollständige Auswertung der Informationen werde voraussichtlich mehrere Wochen in Anspruch nehmen.
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Sicherheitsrelevanz der entwendeten Dokumente
Die Analyse der veröffentlichten Daten offenbart erhebliche Sicherheitsmängel. Unter den Dokumenten befinden sich Personalakten, Gehaltsabrechnungen sowie Unterlagen zur Erweiterung des Bundeskanzleramts.
Zudem seien Notfallpläne, Dokumente zu Kasernen, Details zur kritischen Infrastruktur (KRITIS) und Baupläne von Justizvollzugsanstalten Teil des Datenpakets. Ein besonderes Sicherheitsrisiko stellte eine Datei mit dem Namen „Passwort.docx“ dar, in der Passwörter im Klartext gespeichert waren.
Hinsichtlich der Einstufung der Sensibilität der Daten herrscht Uneinigkeit. Digitalstaatssekretär Hauer betonte, dass die entwendeten Informationen lediglich der niedrigsten von vier Geheimhaltungsstufen angehörten. Es handle sich nicht um militärische Daten, wenngleich Informationen zur kritischen Infrastruktur enthalten sein könnten.
Im Gegensatz dazu bewertete der CDU-Abgeordnete Roderich Kiesewetter den Vorfall als Gefährdung der nationalen Sicherheit. Die Bundeswehr und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) prüfen derzeit die spezifischen Risiken.
Maßnahmen zur Schadensbegrenzung und künftigen Prävention
Um die betroffenen Mitarbeiter und Institutionen zu unterstützen, plant der Berliner Senat die Einrichtung einer zentralen Anlaufstelle. Bei der Analyse der Datenmengen setzt das Land Berlin auf den Einsatz von Künstlicher Intelligenz sowie Sicherheitssoftware des Anbieters CrowdStrike.
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In diesem Zusammenhang gab es politische Veränderungen: Der Bezirk Lichtenberg, der den Einsatz von CrowdStrike-Software zunächst abgelehnt hatte, stimme der Nutzung nun zu.
Der Angriff erfolgte laut Expertenberichten über die Schnittstelle TerminalFix. Um derartige Sicherheitslücken künftig zu schließen, fordern Fachverbände wie der Eco-Verband verbindliche Cybersicherheitsstandards für Behörden.
Eco-Vorstand Norbert Pohlmann kritisierte, dass die europäische NIS2-Richtlinie zwar Unternehmen verpflichte, Landes- und Kommunalbehörden jedoch häufig ausnehme. Er mahnte an, dass sich der Staat bei der Cybersicherheit nicht selbst ausnehmen dürfe.
Zusätzlich forderte die Cyber-Information-Initiative (CII) ein Sofortprogramm für die kommunale Cyberresilienz. Neben verbindlichen Meldewegen und Notfallplänen werden auch unabhängige Kontrollen der behördlichen IT-Sicherheit gefordert, um die Resilienz gegenüber kriminellen Akteuren nachhaltig zu steigern.
