Berenberg-Skandal, EY-Prüfer

Berenberg-Skandal: EY-Prüfer decken Eigenkapital-Manipulation auf

23.06.2026 - 20:19:50 | boerse-global.de

Die Wirtschaftsprüferkammer verhängt 2025 mehr Strafen bei weniger Verfahren. Gleichzeitig steigt die Zahl der Examenskandidaten auf einen neuen Höchststand.

WPK-Bilanz 2025: Strengere Sanktionen und Rekordinteresse am Beruf
Berenberg-Skandal - Ein hölzerner Hammer liegt auf einem Stapel Finanzberichte, im Hintergrund ein unscharfes modernes Büro. 23.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Aufsichtsverfahren gingen leicht zurück, die Sanktionen wurden strenger. Gleichzeitig verzeichnet die Branche ein Rekordinteresse beim Berufseinstieg.

Aufsicht wird strenger

Insgesamt leitete die WPK 137 Aufsichtsverfahren ein. 2024 waren es noch 160, 2023 lag die Zahl bei 105. Die Zahl der verhängten Maßnahmen stieg aber auf 38 – im Vorjahr waren es zwischen 17 und 35.

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Die Sanktionen fallen deutlich aus. Ein befristetes Tätigkeitsverbot wurde ausgesprochen. In 21 Fällen gab es Geldbußen zwischen 500 und 25.000 Euro, jeweils kombiniert mit einer Rüge. 16 Verfahren endeten mit einer alleinigen Rüge.

Die größten Probleme liegen bei der Qualität der Abschlussprüfung. 55 Prozent der Maßnahmen betrafen fachliche Fehler bei Prüfungen. 21 Prozent der Verfahren bezogen sich auf fehlende Prüfberechtigungen. Berufsunwürdiges Verhalten machte 13 Prozent aus.

Rekordzahlen beim Examen

Trotz strenger Aufsicht: Der Beruf wird attraktiver. 2.402 Kandidaten traten 2025 zum Wirtschaftsprüferexamen an – ein Plus von elf Prozent. Insgesamt wurden 3.548 Modulprüfungen und 5.640 Klausuren absolviert. 509 Kandidaten bestanden, 66 scheiterten endgültig.

Die Kammer führt den Anstieg auf Reformen zurück. Die Modularisierung 2019 und frühere Prüfungsmöglichkeiten seit 2021 hätten den Zugang flexibler gemacht.

Kritik an neuer Regulierung

Die WPK warnte am Montag vor einer übereilten Verknüpfung von Finanz- und Nachhaltigkeitsberichterstattung. In einer Stellungnahme zu EFRAG kritisierte sie das Projekt zur Konnektivität als verfrüht. Unternehmen seien noch mit der CSRD-Umsetzung beschäftigt.

Die Prüfung von Finanz- und Nachhaltigkeitsberichten seien rechtlich getrennte Aufträge mit unterschiedlichen Sicherheitsniveaus. Die WPK empfiehlt EFRAG, den internationalen Standard ISSA 5000 als Basis für die gesetzliche Prüfung von Nachhaltigkeitsberichten in der EU zu nutzen.

Das Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) fordert parallel Bürokratieabbau. Vorgeschlagen werden die Abschaffung des ESEF-Formats, vereinheitlichte Berichtspflichten und angepasste Größenschwellen. Kleine Banken und Versicherer sollten vom Status als Public Interest Entities ausgenommen werden.

Berenberg: Prüfer decken Unregelmäßigkeiten auf

Wie wichtig Qualitätskontrolle ist, zeigt der Fall der Berenberg Bank. Am 19. Juni setzte die BaFin die Geschäftsleitung ab und installierte Sonderbeauftragte. Hintergrund sind Erkenntnisse der Wirtschaftsprüfer von EY aus der Abschlussprüfung für 2025.

Kritisiert wurden Aktientermingeschäfte mit Rückerwerbsvereinbarungen zur künstlichen Aufbesserung des Eigenkapitals sowie fragwürdige Transaktionen mit Wandelanleihen. Compliance-Konflikte führten zum Rücktritt der zuständigen Compliance-Leiterin. Die Bank erwartet für 2025 ein Ergebnis von rund 20 Millionen Euro – nach 81,6 Millionen im Vorjahr.

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Neue Regeln für Betriebsprüfungen

Auch die Finanzverwaltung verschärft ihre Kontrollen. Das Gesetz zur Umsetzung der EU-Richtlinie DAC 7 erweiterte 2026 die Mitwirkungspflichten für Unternehmen. Finanzbehörden können nun qualifizierte Mitwirkungsverlangen mit festen Fristen stellen. Bei Verstößen drohen Verzögerungsgelder und Schätzungen.

Der Fokus liegt auf der Digitalisierung der Prüfung. Behörden erhalten direkten Zugriff auf Buchhaltungs- und Warenwirtschaftssysteme. Besonders im Blick: die Dokumentation von Verrechnungspreisen.

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