Eichbaum-Brauerei in Mannheim stellt nach fast 350 Jahren Produktion ein
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 13:19 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBei der insolventen Brauerei Eichbaum in Mannheim ist nach fast 350 Jahren das letzte Bier gebraut worden.
Produktion endet zum Monatswechsel
Die Produktion wurde zum 30. September eingestellt, wie das Unternehmen mitteilte. Die operative Geschäftstätigkeit soll spätestens zum 31. Dezember enden.
Von der Stilllegung sind 181 Arbeitsplätze betroffen. Unternehmensleitung und Betriebsrat vereinbarten für die Beschäftigten einen Interessenausgleich und einen Sozialplan.
Marke soll erhalten bleiben
Die Brauerei wurde nach eigenen Angaben 1679 gegründet. Früheren Angaben zufolge soll die Brauerei Park & Bellheimer aus Pirmasens die Marke der Mannheimer Traditionsbrauerei übernehmen.
Eichbaum-Biere sollen weiterhin in der Gastronomie, im Getränkefachgroßhandel und im Lebensmitteleinzelhandel erhältlich sein. Das Markengeschäft soll in der Eichbaum-Vertriebs GmbH mit Sitz in Mannheim gebündelt werden.
Insolvenz nach Umsatzrückgang
Eichbaum hatte Ende Oktober 2025 ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Rückgänge im Export und eine sinkende Nachfrage im Inland führten zu einem Liquiditätsengpass.
Weitere Traditionsbrauereien unter Druck
Eichbaum ist nicht die einzige Traditionsbrauerei mit Problemen. Wolters in Braunschweig teilte am Dienstag mit, dass dort nur noch bis zum Jahresende Bier gebraut wird; auch dort gibt es Bemühungen, die Marke zu erhalten.
Der deutsche Biermarkt war im vergangenen Jahr so stark geschrumpft wie noch nie seit der Wiedervereinigung, wie das Statistische Bundesamt Anfang Februar berichtet hatte.
Strukturwandel im Biermarkt
Das Ende der Eichbaum-Produktion steht im Zusammenhang mit einem länger anhaltenden Druck auf die deutsche Brauwirtschaft. Sinkender Bierkonsum, veränderte Trinkgewohnheiten und hohe Kosten belasten vor allem etablierte mittelgroße Anbieter. Für regionale Brauereien kommt hinzu, dass sie gegenüber großen Konzernen weniger Skalenvorteile bei Einkauf, Vertrieb und Marketing haben.
Die Insolvenz von Eichbaum begann Ende Oktober 2025 mit dem Antrag auf ein Verfahren in Eigenverwaltung. Der nun vereinbarte Sozialplan begrenzt die unmittelbaren Folgen für die Beschäftigten nicht, schafft aber einen geregelten Rahmen für die Abwicklung. Zugleich zeigt die geplante Übernahme der Marke durch Park & Bellheimer, dass ein Markenname wirtschaftlich fortbestehen kann, obwohl der historische Produktionsstandort schließt.
Marke bleibt, Standort verschwindet
Für Verbraucher bedeutet das zunächst, dass Eichbaum-Biere weiterhin erhältlich sein sollen. Die Herstellung in der Pfalz würde jedoch die bisherige Verbindung zwischen Marke, Mannheimer Standort und Belegschaft verändern. Ob langfristig wieder in Mannheim gebraut wird, hängt von der Nutzung des Geländes und den wirtschaftlichen Plänen für eine kleinere Braustätte ab.
Für Mannheim ist die Stilllegung deshalb mehr als das Ende eines einzelnen Betriebs: Sie betrifft 181 Arbeitsplätze, eine fast 350-jährige Unternehmensgeschichte und einen bekannten Teil der regionalen Identität. Die Entwicklung bei Eichbaum reiht sich zudem in weitere Schließungen traditionsreicher Brauereien ein und macht sichtbar, wie stark sich Produktion und Marken im deutschen Biermarkt neu ordnen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau.de: „Baden-Württemberg: Eichbaum-Brauerei stellt Produktion ein: "Für mich stirbt auch die Marke"“ (30.09.2026)
Der Bericht bestätige die Einstellung der Produktion und hebe hervor, dass rund 180 Beschäftigte ihre Arbeit verlören. Anders als die dpa-Meldung richte er den Schwerpunkt auf die Abwicklung des Standorts, die verbleibenden Beschäftigten sowie die Perspektive der Marke in der Pfalz; offen bleibe die konkrete künftige Nutzung des Mannheimer Geländes.
tagesschau.de: „Mannheimer Eichbaum-Brauerei stellt Betrieb ein - Solidarität mit Beschäftigten“ (30.09.2026)
Der zweite Bericht bestätige ebenfalls das Ende der Produktion und stelle die Solidarität mit den Beschäftigten sowie mögliche berufliche Neuanfänge in den Mittelpunkt. Er setze damit einen sozialen Akzent, während die dpa-Meldung stärker die formalen Vereinbarungen, die Markenübernahme und die wirtschaftlichen Gründe des Insolvenzverfahrens beschreibe.
Beide Berichte stimmten darin überein, dass der Mannheimer Produktionsstandort stillgelegt werde und die Marke fortbestehen solle; Unterschiede gebe es vor allem bei der Gewichtung der Beschäftigten, der regionalen Verbundenheit und den offenen Plänen für das frühere Brauereigelände.
