Cariad: VW-Softwaretochter plant Abbau von 1.000 Stellen
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 15:22 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Bei der Volkswagen-Softwaretochter Cariad sollen rund 1.000 weitere Stellen wegfallen, wodurch knapp ein Viertel der verbliebenen etwa 4.300 Beschäftigten betroffen wäre.
Vorstand kündigt Abbau an
Die Deutsche Presse-Agentur erfuhr den geplanten Stellenabbau aus Unternehmenskreisen. Bis wann und auf welche Weise die Arbeitsplätze wegfallen sollen, ist noch offen; darüber soll nun mit den Arbeitnehmervertretern verhandelt werden.
Ein Cariad-Sprecher wollte sich nicht äußern. Der Betriebsrat bestätigte dagegen, dass der Vorstand den Abbau am Mittwoch vor der Belegschaft angekündigt habe.
Tarifverträge mit IG Metall gekündigt
Gleichzeitig kündigte das Unternehmen nach Angaben des Betriebsrats die zentralen Tarifverträge mit der IG Metall. Betriebsratschef Gerhard Retzer kritisierte: «Tarifkündigungen und Stellenabbau sind kein Zukunftskonzept. Wer Wettbewerbsfähigkeit allein durch Kürzungen erreichen will, schlägt den falschen Weg ein.»
Retzer verwies auf die bis Ende 2029 geltende Beschäftigungssicherung und kündigte an, Angriffe auf Arbeitsplätze und tarifliche Schutzrechte abzuwehren. Cariad brauche Innovationen, starke Produkte und Investitionen in Zukunftstechnologien statt weiterer Sparprogramme.
Milliardenkürzungen bei Investitionen
Nach einem Bericht des «Handelsblatts» soll Cariad seine Investitionen von 2027 bis 2031 um rund 6,1 Milliarden Euro senken. Zu Beginn des kommenden Jahrzehnts soll die Softwaretochter zudem weitere 400 Millionen Euro zur Verbesserung des operativen Konzernergebnisses beitragen.
Der Zukunftsplan des Volkswagen-Vorstands sieht vor, den Konzern bis 2030 profitabler zu machen. Dafür sind Milliardenkürzungen bei Entwicklungsbudgets und der Abbau Zehntausender Stellen vorgesehen.
Neue Rolle nach Softwareproblemen
Cariad entwickelt Software, die im gesamten Volkswagen-Konzern eingesetzt wird. Ursprünglich sollte die Tochter große Teile der Fahrzeugsoftware selbst entwickeln. Probleme bei wichtigen Projekten verzögerten jedoch den Start einzelner Modelle.
Volkswagen tauschte deshalb 2023 die Führung von Cariad aus und änderte die Strategie. Konzernchef Oliver Blume setzt inzwischen stärker auf Kooperationen mit externen Partnern wie Xpeng in China und Rivian in den USA. Cariad konzentriert sich unter anderem auf Fahrdynamik-Software, Cloud-Anwendungen und Infotainment-Systeme.
Bereits mehrfacher Stellenabbau
Ende 2023 beschäftigte Cariad noch etwa 6.500 Menschen. Der Abbau sollte zuletzt sozialverträglich über Abfindungen und Vorruhestandsprogramme erfolgen.
«Jetzt muss der Vorstand eine tragfähige Strategie für die Zukunft aufzeigen», erklärte Retzer. Man erwarte Antworten auf die zentralen Herausforderungen und langfristige Perspektiven statt eines weiteren Angriffs auf die Belegschaft. Der Betriebsrat stelle sich auf eine harte Auseinandersetzung ein.
Teil eines konzernweiten Sparkurses
Der geplante Abbau bei Cariad steht im Zusammenhang mit einem umfassenden Umbau von Volkswagen. Der Konzern will die Profitabilität steigern und hat dafür bereits einen Abbau von 35.000 Stellen in Deutschland bis 2030 vereinbart. Zusätzlich sollen weltweit weitere Arbeitsplätze entfallen. Für Cariad bedeutet das, dass die Softwareentwicklung stärker nach Kosten, Nutzen und strategischer Bedeutung priorisiert wird.
Die Softwaretochter war ursprünglich als zentrale Eigenentwicklung des Konzerns angelegt. Verzögerungen bei wichtigen Softwareprojekten und verschobene Modellstarts führten jedoch 2023 zu einem Führungswechsel und einem Strategiewechsel. Volkswagen setzt inzwischen auch auf Kooperationen mit externen Partnern, unter anderem bei elektrischen Fahrzeugplattformen und Software. Dadurch sinkt der Druck, sämtliche Technologien selbst zu entwickeln, zugleich verliert Cariad einen Teil seiner ursprünglichen Rolle.
Folgen für Beschäftigte und Produkte
Mit rund 1.000 weiteren Stellen steht bei Cariad fast ein Viertel der verbliebenen Belegschaft zur Disposition. Entscheidend wird sein, welche Entwicklungsbereiche erhalten bleiben und ob der Abbau sozialverträglich erfolgen kann. Die gekündigten Tarifverträge verschärfen den Konflikt mit den Arbeitnehmervertretern, auch wenn die geltende Beschäftigungssicherung bis Ende 2029 nach den Angaben des Betriebsrats bestehen bleibt.
Für Kundinnen und Kunden ist der Vorgang vor allem deshalb relevant, weil Cariad zentrale Software für Fahrzeuge des gesamten Konzerns entwickelt. Weniger Personal und sinkende Investitionen könnten kurzfristig Kosten senken. Langfristig hängt die Wettbewerbsfähigkeit jedoch davon ab, ob Volkswagen trotz des Sparkurses verlässliche, sichere und schnell aktualisierbare Software bereitstellen kann.
