Beamtin-Skandal NRW: 17 Jahre Gehalt ohne Dienst – Klage vor Gericht
Veröffentlicht am: 26.07.2026 um 15:40 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine verbeamtete Lehrerin aus NRW wehrt sich vor Gericht gegen ihre Versetzung in den Ruhestand. Die 62-Jährige war seit 2009 durchgehend krankgeschrieben – und bezog dabei ihr volles Gehalt.
17 Jahre Gehalt ohne Unterricht
Die Duisburger Lehrerin erhielt über rund 17 Jahre ihre vollen Dienstbezüge, obwohl sie keinen Dienst verrichtete. Durch den automatischen Stufenaufstieg in der Besoldungsgruppe A13 kletterten die Bezüge zuletzt auf 6.174,04 Euro brutto monatlich. Ab August wären es sogar 6.381,49 Euro gewesen.
Ende Mai 2026 ordnete die Bezirksregierung Düsseldorf die Zwangspensionierung an. Die Lehrerin legte am 29. Juni Klage beim Verwaltungsgericht Düsseldorf ein. Seit Juni erhält sie Ruhegehalt statt der vollen Bezüge.
Ermittlungen wegen Nebentätigkeit
Der Fall sorgt für Diskussionen über die Kontrollmechanismen in der Schulverwaltung. NRW-Schulministerin Dorothee Feller nannte die Vorgänge „nicht zu entschuldigen“.
Die Staatsanwaltschaft Duisburg ermittelt parallel wegen gewerbsmäßigen Betrugs. Der Verdacht: Die Beamtin soll während ihrer Krankschreibung als Heilpraktikerin gearbeitet haben. Im März 2026 durchsuchten Ermittler ihre Wohnung. Zudem gewann die Lehrerin 2012 mit einer Geschäftspartnerin einen regionalen Gründerpreis für eine selbst entwickelte Hautcreme.
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Disziplinarverfahren richten sich nicht nur gegen die Lehrerin, sondern auch gegen Mitarbeiter der Bezirksregierung. Der Vorwurf: Die Dienstaufsicht prüfte die Dienstfähigkeit jahrelang nicht durch amtsärztliche Gutachten.
Juristische Hürden bei Zwangspensionierung
Die rechtlichen Fallstricke solcher Verfahren zeigen andere Urteile. Das Verwaltungsgericht Kassel hob im April 2024 die Zwangspensionierung eines schwerbehinderten Lehrers auf (Az. 1 K 409/22.KS). Die Richter befanden die Gutachten als zu pauschal und die fehlende Beteiligung der Schwerbehindertenvertretung als Verfahrensfehler.
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Sollte die Klage aus Duisburg Erfolg haben, droht eine Nachzahlung der einbehaltenen Differenzbeträge. Das Disziplinarverfahren gegen die Lehrerin ruht bis zum Abschluss der strafrechtlichen Ermittlungen.
NRW verschärft Kontrollen
Das Schulministerium kündigte als Konsequenz eine Überarbeitung der Kontrollmechanismen für langzeiterkrankte Beamte an. Ein neuer Leitfaden soll amtsärztliche Begutachtungen beschleunigen. Künftig können Untersuchungen auch außerhalb des Wohnorts stattfinden – um Engpässe bei lokalen Gesundheitsämtern zu umgehen.
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