BDI, Standort Deutschland

BDI fordert neue Prioritäten: Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit für Deutschland

Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 04:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Der BDI fordert angesichts des Umbruchs in der deutschen Industrie neue wirtschaftspolitische Prioritäten. Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit sollen Vorrang erhalten, zugleich will der Verband Abhängigkeiten von China reduzieren und den Klimaschutzumbau mit kurzfristigen Entlastungen verbinden.

  • Der BDI fordert in einem Grundsatzpapier eine neue Justierung der Wirtschafts- und Handelspolitik. (Symbolbild) - Bild: Christoph Soeder/dpa
    Der BDI fordert in einem Grundsatzpapier eine neue Justierung der Wirtschafts- und Handelspolitik. (Symbolbild) - Bild: Christoph Soeder/dpa
  • BDI-Hauptgeschäftsführerin Tanja Gönner sieht das Papier auch als Selbstvergewisserung ihrer Mitgliedsverbände. (Archivbild) - Bild: Kay Nietfeld/dpa
    BDI-Hauptgeschäftsführerin Tanja Gönner sieht das Papier auch als Selbstvergewisserung ihrer Mitgliedsverbände. (Archivbild) - Bild: Kay Nietfeld/dpa
Der BDI fordert in einem Grundsatzpapier eine neue Justierung der Wirtschafts- und Handelspolitik. (Symbolbild) - Bild: Christoph Soeder/dpa BDI-Hauptgeschäftsführerin Tanja Gönner sieht das Papier auch als Selbstvergewisserung ihrer Mitgliedsverbände. (Archivbild) - Bild: Kay Nietfeld/dpa

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) fordert angesichts des wirtschaftlichen Umbruchs in Deutschland, Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit zur obersten Priorität zu erklären.

Grundsatzpapier für die kommenden Jahre

In dem 42-seitigen Papier „Grundsätze der Wirtschafts- und Handelspolitik“ verlangt der Dachverband zudem, Deutschland und Europa müssten ihre Abhängigkeiten von China konsequenter zurückdrängen. Der BDI versteht die Vorlage nach den Worten seiner Hauptgeschäftsführerin Tanja Gönner weniger als tagespolitische Forderung denn als gemeinsame Leitlinie seiner 38 Mitgliedsverbände mit rund 100.000 Unternehmen.

„Das ist eine Vergewisserung für uns selber“, sagte Gönner. Zugleich sei das Papier eine Positionierung der deutschen Industrie für die nächsten Jahre.

Weniger Kosten und mehr Ausgabendisziplin

„Der Standort Deutschland steht unter massivem Druck“, heißt es in dem Grundsatzpapier. Der Verband fordert deshalb neue wirtschaftspolitische Weichenstellungen in mehreren Bereichen. Eine konsequente Wachstums-, Wettbewerbs- und Ordnungspolitik sei ebenso unverzichtbar wie eine ausgewogene Energie- und Klimapolitik sowie eine konsequente Digital- und Innovationspolitik.

Zu den Forderungen gehören die Rückkehr zur Ausgabendisziplin der öffentlichen Hand und der Verzicht auf eine Aufweichung der Schuldenbremse im Grundgesetz. Außerdem verlangt der BDI niedrigere Kosten für Arbeit und Energie sowie eine geringere steuerliche Belastung.

Rohstoffe, Klimaschutz und Künstliche Intelligenz

Deutschland und Europa sollen ihre Bezugsquellen für Rohstoffe stärker diversifizieren und mehr Förder-, Verarbeitungs- und Recyclingkapazitäten aufbauen. Für den Weg zu einer klimaneutralen Wirtschaft fordert der Verband kurzfristige Entlastungen und eine „Flexibilisierung der deutschen und europäischen Klimaarchitektur“.

Mehr digitale Rechenleistung in Deutschland und ein stärkerer Fokus auf die Entwicklung und Markteinführung von Künstlicher Intelligenz sollen nach den Vorstellungen des BDI die technologische Wettbewerbsfähigkeit stärken.

Eigeninteressen gegenüber China und den USA

Im Verhältnis zu China hält der BDI am sogenannten Derisking fest, also an der Verringerung wirtschaftlicher Risiken durch Abhängigkeiten. Dieser Ansatz müsse jedoch deutlich stringenter umgesetzt werden, schreibt der Verband. Auch gegenüber den USA bedürfe es einer selbstbewussten und interessengeleiteten europäischen Positionierung.

Erholung mit strukturellen Belastungen

Die Forderung des BDI trifft auf eine deutsche Wirtschaft, deren Aussichten sich zuletzt aufgehellt haben. Führende Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten für 2026 ein Wachstum von 1,3 Prozent, nachdem sie im Frühjahr noch mit 0,6 Prozent gerechnet hatten. Für 2027 prognostizieren sie ein Plus von 1,1 Prozent.

Die Erholung steht jedoch auf einer schmalen Grundlage. Hohe Energiepreise, schwache private Investitionen und strukturelle Probleme belasten die Industrie weiterhin. Zugleich erhöht der Staat seine Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur. Das kann kurzfristig Nachfrage schaffen, ersetzt aber keine dauerhaft wettbewerbsfähigen Produktionsbedingungen.

Industrie zwischen Klimaschutz und Kostendruck

Besonders folgenreich ist der Zielkonflikt zwischen Klimaneutralität und kurzfristiger Entlastung. Der BDI bekennt sich zum Umbau der Wirtschaft, verlangt aber niedrigere Energie- und Arbeitskosten sowie eine flexiblere Klimaarchitektur. Für Unternehmen entscheidet sich daran, ob Investitionen in Deutschland wirtschaftlich bleiben oder an andere Standorte verlagert werden.

China, Digitalisierung und Reformdruck

Die verlangte Verringerung von China-Abhängigkeiten betrifft vor allem Rohstoffe, Vorprodukte und Absatzmärkte. Mehr Bezugsquellen und europäische Recycling- und Verarbeitungskapazitäten könnten Lieferketten widerstandsfähiger machen, erfordern aber Zeit und Kapital. Für Beschäftigte und Verbraucher bedeutet der Kurs zugleich, dass politische Entscheidungen zu Energiepreisen, Infrastruktur, Digitalisierung und Fachkräfteangebot unmittelbar auf Arbeitsplätze, Produkte und Wohlstand wirken.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Deutschlandfunk: „1,3 Prozent Wachstum in Deutschland: Forschungsinstitute heben Prognose für 2026 an“ (24.09.2026)

Der Bericht hebe die verbesserte Wachstumsprognose der Forschungsinstitute hervor, betone aber zugleich, der Aufschwung stehe wegen hoher Energiepreise und struktureller Probleme auf einem schmalen Fundament. Damit bestätige er den Reform- und Kostendruck, den der BDI beschreibe, setze den Schwerpunkt jedoch stärker auf die konjunkturelle Prognose und die notwendige Konsolidierung der Staatsfinanzen.

tagesschau: „OECD hebt Konjunkturprognose für Deutschland an“ (23.09.2026)

Der Artikel schreibe, die OECD erwarte für Deutschland 2026 ein Wachstum von 1,1 Prozent und fordere weitere Strukturreformen, vereinfachte Verwaltungsverfahren sowie eine niedrigere Belastung von Arbeitseinkommen. Er bestätige damit die Bedeutung von Wettbewerbsfähigkeit und Reformen, lege den Akzent aber auf staatliche Investitionen, Genehmigungen und Arbeitsangebot; offen bleibe, wie schnell diese Maßnahmen die industrielle Basis stärken könnten.

Beide Berichte stellten eine konjunkturelle Verbesserung fest, verwiesen zugleich jedoch auf strukturelle Hindernisse. Der Deutschlandfunk betone Energiepreise und Konsolidierungsbedarf, während die tagesschau stärker Reformen, Infrastruktur und Arbeitsangebot hervorhebe.

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