BDA und BDI dringen auf Abschaffung der Rente mit 63
Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 16:07 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDie Präsidenten von BDA und BDI haben die Bundesregierung zu einem entschlossenen Reformkurs aufgefordert. In einem gemeinsamen Gastbeitrag für das Handelsblatt verlangen Rainer Dulger und Peter Leibinger, parteiinterne Konflikte dürften den Kurs nicht bremsen.
Wirtschaftsverbände fordern Tempo
Die Koalition habe einen Wählerauftrag für vier Jahre und eine Mehrheit im Bundestag, schreiben die Verbandspräsidenten. Aus ihrer Sicht müsse nun das Land vor der Partei stehen, damit Reformen für mehr Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum und Beschäftigung vorankommen.
Rente mit 63 im Zentrum der Forderungen
Als konkrete Maßnahme verlangen Dulger und Leibinger das Ende der abschlagsfreien Rente für besonders langjährig Versicherte. Die sogenannte Rente mit 63 müsse jetzt abgeschafft werden, schreiben sie.
Die Verbände stellen die Frage zugleich als Finanzierungs- und als Gerechtigkeitsproblem dar. Nach ihrer Darstellung sollen die Parteien der Mitte aus den jüngsten Landtagswahlen die Konsequenzen ziehen und den Reformkurs fortsetzen.
Der Vorstoß von BDA und BDI trifft den Kern der aktuellen Reformdebatte: Die Wirtschaft drängt auf schnellere Entscheidungen bei Rente, Wachstum und Arbeitsmarkt, während die Koalition nach den jüngsten Landtagswahlen unter erhöhtem politischen Druck steht. Dass die Verbände den Verweis auf einen "Wählerauftrag für vier Jahre" mit dem Appell verbinden, parteiinterne Konflikte zurückzustellen, zeigt, wie eng sie ökonomische Standortfragen und politische Handlungsfähigkeit inzwischen miteinander verknüpfen.
Im Zentrum steht die abschlagsfreie Rente für besonders langjährig Versicherte, die umgangssprachlich weiter als Rente mit 63 firmiert. Ihr Abbau wäre mehr als ein symbolischer Schritt: Er würde den politischen Kurs in der Rentenpolitik deutlich stärker auf längeres Arbeiten und niedrigere Frühverrentung ausrichten. Für Unternehmen ist das Teil einer breiteren Agenda, die auf höhere Beschäftigung, mehr Produktivität und geringere Belastungen für die Sozialkassen zielt.
Politischer Druck auf die Koalition
Der Appell kommt in einer Phase, in der Reformankündigungen schnell an der Frage der Umsetzung gemessen werden. Für die Bundesregierung erhöht sich damit der Erwartungsdruck, nicht nur Grundsatzpositionen zu markieren, sondern belastbare Entscheidungen zu treffen. Gerade bei der Rente berühren Änderungen zugleich die Interessen von Beschäftigten, Arbeitgebern und Rentenversicherung und haben deshalb weit über den Moment hinaus Wirkung.
Bedeutung für Wirtschaft und Beschäftigte
Für die Wirtschaft steht hinter der Debatte die Sorge, dass fehlende Strukturreformen die Wettbewerbsfähigkeit weiter schwächen. Für Beschäftigte wiederum geht es um die Frage, wie stark der Zugang zu früherem Rentenbeginn künftig eingeschränkt wird und wie Übergänge gestaltet werden. Je klarer die Regierung hier handelt, desto eher lässt sich abschätzen, ob der Reformkurs als Beitrag zu mehr Wachstum oder als neues Konfliktthema in der Koalition wirkt.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
FR: „Rente mit 63 vor dem Aus: Expertin mit brisanter Forderung“ (21.09.2026)
Der Beitrag ordnet die Debatte als Streit um die abschlagsfreie Frührente nach 45 Beitragsjahren ein und betont die Frage nach Übergangsfristen. Er ergänzt den politischen Druck auf die Koalition um die Perspektive, wie der Wechsel für Betroffene praktisch abgefedert werden könnte.
n-tv: „+++ 09:53 Laumann: "Die Parteispitze steht hinter dem Kanzler" +++“ (21.09.2026)
Der Liveblog verknüpft den Reformdruck mit den Folgen der Wahlergebnisse in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin und hebt hervor, dass die Parteispitze den Kanzler stützt. Damit setzt der Beitrag stärker auf die politische Stabilisierung der Bundesregierung als auf die rentenpolitische Einzelfrage.
