Bauzinsen, Höchststand

Bauzinsen: 4,29 Prozent markieren Höchststand seit 2023

Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 17:25 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Zehnjährige Baukredite erreichen 4,29 Prozent. EZB-Entscheid und Anleiherenditen halten die Finanzierungskosten vorerst auf hohem Niveau.

Bauzinsen über vier Prozent: Finanzierung bleibt in Deutschland teuer
Halb fertiggestellter Rohbau eines Wohngebäudes bei Dämmerung mit Betonwänden und Gerüst. Illustration mit AI erstellt.

Die Konditionen für Immobilienfinanzierungen in Deutschland zeigen sich weiterhin stabil auf einem hohen Niveau. Aktuelle Marktdaten belegen, dass die Bauzinsen für Darlehen mit zehnjähriger Zinsbindung die Marke von vier Prozent deutlich überschritten haben und Experten vorerst keine Trendwende hin zu niedrigeren Sätzen erwarten.

Höchststände bei Finanzierungskonditionen seit Ende der Niedrigzinsphase

Nach Angaben der FMH-Finanzberatung liegen die Zinsen für zehnjährige Baukredite aktuell bei 4,29 Prozent. Dies markiert den höchsten Stand seit dem Ende der Niedrigzinsära; der bisherige Spitzenwert wurde Ende Oktober 2023 mit 4,24 Prozent verzeichnet. Noch zu Beginn des Monats Juli lagen die Sätze laut den Erhebungen unter der Schwelle von vier Prozent.

Andere Marktbeobachter bestätigen diese Entwicklung. Das Vermittlungsunternehmen Interhyp beziffert das Niveau für zehnjährige Darlehen auf knapp 4,2 Prozent. Baufi24 meldete für den Monat August einen Zins von 4,15 Prozent, nachdem dieser im Juli noch bei 4,03 Prozent gelegen hatte.

Dr. Klein verzeichnete im September einen Jahreshöchstwert von 3,87 Prozent für zehnjährige Zinsbindungen bei einer Beleihung von 80 Prozent, sieht jedoch 3,8 Prozent als realistischen Wert an. Das Portal Finanztip gab die Spanne für Zinsbindungen zwischen 5 und 20 Jahren mit 4,2 bis 4,8 Prozent an.

Einfluss der EZB-Geldpolitik und der Renditen für Staatsanleihen

Der jüngste Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) stützt das hohe Niveau. Der EZB-Rat hat im Rahmen seiner September-Sitzung zum zweiten Mal im laufenden Jahr 2026 eine Anhebung aller drei Leitzinsen um jeweils 0,25 Prozentpunkte beschlossen. Damit steigt der Einlagensatz mit Wirkung zum 16. September 2026 auf 2,50 Prozent. Der Hauptrefinanzierungssatz wird auf 2,65 Prozent und der Spitzenrefinanzierungssatz auf 2,9 Prozent angepasst.

Hintergrund der geldpolitischen Straffung ist die weiterhin über dem Zielwert liegende Inflation. Eurostat meldete für den Euroraum im August eine Inflationsrate von 3,3 Prozent, was den höchsten Wert seit September 2023 darstellt.

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Die Bauzinsen für zehnjährige Darlehen liegen laut FMH-Finanzberatung bei 4,29 Prozent — der höchste Stand seit dem Ende der Niedrigzinsära, und die Mehrheit der von Interhyp befragten Banken erwartet kurzfristig keine Entlastung. Wer jetzt finanziert, sollte die monatliche Rate belastbar durchrechnen, statt auf eine Trendwende zu warten. Kostenlosen Finanzierungs-Leitfaden anfordern

In Deutschland lag die Rate zuletzt bei 2,9 Prozent. Für das Gesamtjahr 2026 prognostiziert die EZB eine Teuerungsrate von 3,0 Prozent, die im Jahr 2027 auf 2,5 Prozent sinken soll.

Interhyp-Sprecherin Honal wies darauf hin, dass die Bauzinsen nicht unmittelbar dem EZB-Leitzins folgen, sondern sich primär an der Rendite zehnjähriger Bundesanleihen orientieren. Diese stieg zuletzt am Bundesanleihemarkt auf rund 3,31 Prozent, was dem höchsten Stand seit 15 Jahren entspricht.

Auch am Pfandbriefmarkt ist eine deutliche Aufwärtsbewegung zu beobachten: Die Renditen für Pfandbriefe mit Laufzeiten von sieben bis zehn Jahren erhöhten sich seit Jahresbeginn von 3,11 Prozent auf 3,57 Prozent.

Markterwartungen und finanzielle Auswirkungen für Kreditnehmer

Hinsichtlich der künftigen Entwicklung zeigt sich die Branche gespalten. In einem Bankenpanel von Interhyp erwarteten 50 Prozent der Befragten für die kommenden ein bis zwei Monate weiter steigende Zinsen, während die übrigen 50 Prozent von einer Seitwärtsbewegung ausgingen.

Interhyp-Chef Utecht geht davon aus, dass das Zinsniveau vorerst oberhalb von vier Prozent verharren wird. FMH-Chef Herbst hält einen Anstieg auf 4,5 Prozent für ein realistisches Szenario.

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Die gestiegenen Zinsen erhöhen die monatliche Belastung für Immobilienkäufer erheblich. Ein Rechenbeispiel verdeutlicht, dass eine Erhöhung der Bauzinsen um 0,5 Prozentpunkte bei einem Darlehen von 400.000 Euro eine monatliche Mehrbelastung von rund 170 Euro zur Folge hat, was etwa 2.000 Euro pro Jahr entspricht. Bei einem Darlehen von 300.000 Euro bedeuten bereits 0,3 Prozentpunkte Unterschied Mehrkosten von rund 900 Euro im ersten Jahr.

Vergleiche für eine Finanzierung über 400.000 Euro bei 80.000 Euro Eigenkapital zeigen deutliche Unterschiede zwischen den Anbietern: Während Dr. Klein eine monatliche Rate von 1.742 Euro bei einem Zinssatz von 4,04 Prozent veranschlagt, liegt diese bei Interhyp bei 1.802 Euro (4,19 Prozent) und bei Baufi24 bei 1.827 Euro (4,31 Prozent). Die durchschnittliche Darlehenssumme liegt bundesweit bei rund 340.000 Euro.

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